Dienstag, 24. Mai 2016

Zweiundfünfzigster Schritt: Mal wieder Ideen multiplizieren

Für den 3. Juni bin ich eingeladen, im Rahmen der "Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit" einen kleinen Vortrag zu halten. Er ist kostenlos und findet ab 11:00 Uhr in der Lobby der Commerzbank-Zentrale, Kaiserstraße 16, 60311 Frankfurt am Main, statt. Vielleicht habt ihr ja Zeit und Lust vorbeizuschauen. Ich erzähle ein Wenig vom meinem Weg zum plastikfreien Haushalt und gebe ein paar Tipps, wie auch ihr euren Plastikmüll einfach reduzieren könnt. Ich freue mich auf euch.

Mittwoch, 27. April 2016

Einundfünfzigster Schritt: Griff ins Klo

Der Griff ins Klo ist nur buchstäblich. Tatsächlich förderte er neben allerlei entsorgtem Organischem primär Papier zu Tage, und, wenn es ökologisch eingekauft wurde, immerhin nicht chlor-gebleichtes und recyceltes Papier. Leider ist es jedoch stets eingeschweißt in Plastikfolie, und zumindest die üblichen Supermärkte weisen keine Alternative dazu auf. Dieses Mal suchte meine Lebensgefährtin nach einer plastikfreien Alternative, und sie wurde fündig. Bei der Firma Kruse Reinigungstechnik und Hygienebedarf fand sie Toilettenpapier von Kimberly Clark, das papierverpackt ist. Es ist zwar nicht auf Rollen aufgezogen, sondern wird als Einzelblatt in einem Bündel geliefert. Aber das stellt kein größeres Problem dar. Es ist nur anders und bedarf der Gewöhnung. Ein wenig wie sich beim Autofahren von Automatikgetriebe wieder auf Gangschaltung umzustellen, nur halt auf dem Klo.
Vier Wochen sind nun seit der ersten Nutzung vergangen, und so sehr Getriebeschaltung ist es gar nicht. Subjektiv glaube ich, dass ich sogar sparsamer mit dem Papier umgehe, als mit dem Rollentoilettenpapier. Ein Drittel der Pakete ist nun aufgebraucht. Eine Kiste für ca. 40 Euro inklusive Versand reicht demnach gut 12 Wochen. In der gleichen Zeit hätten wir zu dritt 12 Packungen Toilettenpapierrollen verbraucht, die bei 2,50 Euro pro Packung 30 Euro gekostet hätten. Auf Plastik zu verzichten, wäre in diesem Fall ein Drittel teurer. Hinzu kommt noch der höhere Co2-Verbrauch, da es extra per Post zugestellt werden muss. Ist der Papierverbrauch jedoch tatsächlich geringer, wie subjektiv empfunden, könnte es das wieder zum Teil ausgleichen. Also mal auf die Quadratmeter schauen:

Papiergroßpackung: 36 Einzelabpackungen x 220 Blatt x 2 Lagen x 18, 6 cm Blattlänge x 11,7 cm Blattbreite ergibt 3,447 Mio Quadratzentimeter (ca. 345 m²).

Rollen in Plastikpackung:  12 Packungen x acht Rollen x 150 Blatt x 3 Lagen x 13,8 cm Blattlänge mal 9,8 cm Blattbreite ergibt 5.842 Mio Quadratzentimeter (ca. 584 m²).

Der subjektiv geringere Papierverbrauch ist also tatsächlich gegeben. Gleicht das den höheren CO2-Verbrauch aus? Ich weiß es nicht.
Hinzu kommt, dass das Papier von Kimberly Clark zwar ökozertifiziert ist und ein FSC-Label hat, aber eine Packung Toilettenpapier bspw. von Danke zu 100 % aus Recyclingpapier besteht. Gleicht das den Mehrverbrauch aus? Auch das weiß ich nicht.

Vielleicht ist das von der Plastikfreien Zone in München, die auch einen Onlineshop haben, eine weitere Alternative: 440 m² für 40 Euro, CO2-neutral produziert und papierverpackt.
Alternativ können wir es auch künftig wie Daniel Hauptmann halten, aber dann wäre die ganze Rechnerei für'n Arsch gewesen. Irgendwie ist sie das ja so oder so. Mal schauen.

Donnerstag, 24. März 2016

Fünfzigster Schritt: Angrillen ohne Herrn Weber

Juchee! Frühling! Zeit zum Angrillen. Was gibt es männlicheres für einem Mann bzw. fraulicheres für eine Frau als den rostigen Kugelgrill von den winterlichen Spinnweben bar zu machen und die herrlich frische Frühlingsluft mit den Aromen eines Waldbrandes zu begrüßen?
Ganz Mann, wie ich mich nun einmal wähne, stellte ich mich in die Balkontür und sagte: "Frau, der Lenz ist da! Wir grillen!"
Ganz Frau, wie meine Liebste nun einmal ist, ignorierte sie mich vollkommen und ließ mich solange in der Tür stehen, bis es mich fröstelte.
Jedenfalls wird morgen gegrillt. Der Steinzeitmensch in mit fordert ein Sojasteak mit Grillmuster - natürlich selbst erjagt, wie es für einen Mann seit ehedem Tradition ist. Vorab war der Gang in den Baumarkt nötig, um die nötige Kohle zu erwerben - Briketts natürlich, denn nur Anfänger grillen mit Holzkohle. Endlich eine Großpackung Bricketts, dachte ich mir, als ich den dicken Sack Weber-Grillbriketts von einem Rudel Artgenossen umgeben in seinem Gehege stehen sah. Dann hielt ich ihn in der Hand und dachte, dass sich die Verpackung doch merkwürdig glatt anfühle. Mit dem zweiten Blick erfasste ich den Zip-Beutel-Mechanismus, der den Sack wiederverschließbar macht. Grillkohle, die seit ich ein Kind war, schon immer im Papiersack zu erwerben war, in einem Plastikbeutel? Wiederverschließbar?
Der Öko in mir springt als kleiner geflügelter Kobold auf meine linke Schulter. Er trägt Birkenstock und ein gebatiktes, verwaschenes Hemd.
"Was soll denn das?", fragte er entsetzt. "Mit 11,7 Millionen Tonnen verbraucht in Europa kein anderes Land soviel Plastik im Jahr wie Deutschland. Bis zu 180 Tausend Tonnen Grillkohle wandert jährlich über die Ladentheke. Die gute Weber nun in Plastik? Wie viel Plastikmüll soll es noch werden, bis der Verstand selbst zu grillen beginnt?"
Der Steinzeitmensch in mit springt als geflügelter Kobold auf meine rechte Schulter. Im Gegensatz zum Öko trägt er nur einen langen zottigen Bart.
"Schon unsere Vorfahren grillten plastikfrei", konstatierte er entrüstet. "Was soll der Unsinn, Herr Weber? Und wiederverschließbar? Damit ich für den Fall, dass der Säbelzahntiger mich beim Grillen überrascht, meine Kohle wasserdicht verpackt durch den rettenden See ziehen kann, um am trockenen jenseitigen Ufer mein Sojasteak zuende zu grillen?"
Ich lasse die gute Weber stehen und nehme mir einen papierverpackten Kohlesack - in einem kleineren Gebinde zwar. dafür ist"ökologisch produziert" darauf zu lesen.
"So einig wart ihr euch noch nie!", sagte ich zu meinen Schultern, was die Kassiererin im Baumarkt mit einem verwirrten Brauenheber quittiert.
"Moment! Sojasteak?", hörte ich den Steinzeitkobold noch sagen, bevor er nebst Kollegen mit einem "Puff" auch für mich verschwand.
"Meine Alter Ego!", sagte ich zur Kassierin.
"Hatte ich auch mal", antwortete sie und wünschte mir schöne Ostern.
Ich freue mich auf das Angrillen. Und darüber, dass die meisten Köhler noch zu den Traditionen ihrer Väter stehen.

Donnerstag, 17. März 2016

Neunundvierzigster Schritt: Chancen nutzen und Ideen verbreiten

Was für eine hübsche plastikfreie Baumwollmütze!
Am Montag war der Hessische Rundfunk bei mir zuhause und hat mich einen halben Tag begleitet: Wir waren plastikfrei in meinem Bioladen und bei meinem Kaffeeröster einkaufen, und zum Abschluss drehten* wir noch eine Runde durch Küche, Badezimmer und Blog. Das war eine tolle Erfahrung, und ich hoffe, ich konnte damit etwas inspirieren und die Einfachheit müllreduzierten Einkaufens ein wenig greifbar machen.
Die Sendung wurde gestern Abend im Rahmen des Magazins "Service: Trends" ausgestrahlt. Es ist eine sehr informative Sendung zum Thema Plastik, die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Sie ist in der Mediathek des HR abrufbar.

* wieder so ein doppeldeutiges Wortspiel. Wie mache ich das bloß immer? ;-)

Mittwoch, 16. März 2016

Eintrag #9 - Abgeschaltet.



Aus. Vorbei. Abgeschaltet. Für immer? Hoffentlich.

Ich habe mich dabei einfach an dem Song „Throw away your Television“ von den Red Hot Chili Peppers orientiert: https://www.youtube.com/watch?v=voIjWQjbDmg

Für mich war es nach verschiedenen Schritten die nächste logische Entscheidung, mein Leben zu vereinfachen. (siehe auch http://plastic-diary.blogspot.de/2015/06/ist-technische-abrustung-gleich.html)

Das Fernsehprogramm bot mir kaum noch etwas, das mich ansprach, und ich merkte, dass ich –trotz reduziertem Fernsehkonsum- immer noch zu viel Zeit davor verbrachte und meine freien Stundensinnlos verschwendete. Ich war zudem regelmäßig paralysiert, wenn ich abends joggend durch den Ort lief und bemerkte, dass in nahezu jedem Wohnzimmer die Flimmerkiste lief.



…mein ehemaliger permanenter Begleiter… 
(wobei dies eines der besten Handballspiele war ;-))


Dabei war ich immer ein vorbildlicher TV-Konsument. Es waren weniger die Sendungen, die im Fernsehen liefen, aber im Schauen von Videos/DVDs war ich ganz groß, fast schon ein Virtuose. 

Im Alter von 16 Jahren schaute ich pro Abend zwei Spielfilme am Stück. Ich hatte eine Sammlung von 200 Videokassetten (mit je zwei Filmen) und so viele Geräte, dass 5-6 Fernbedienungenauf meinem Teewagen lagen. In meinen besten Zeiten schaffte ich es mit einem „Arena-Abo“ von Freitagabend, 19 Uhr bis Sonntagabend 20 Uhr fast Non-Stop Fußball zu schauen. Nichts gegen ein Zweitliga-Duell zwischen Meppen und Wuppertal, aber…

Nun ja: es gibt Filme, die habe ich ungefähr 30x auf DVD geschaut (damit ich nach dem Schreiben dieses Eintrags überhaupt noch Leute finde, die mit mir reden, bleiben die Titel dieser Filme geheim). 

Bleibt noch der tägliche Konsum meiner US-Lieblingsserie Bexxxly Hixxs, 90xx0 (sorry, den Titel musste ich unkenntlich machen) in den Jahren 1990 – 2015. [für diejenigen, die die Serie kennen undwissen, dass es „nur“ 293 Episoden gibt und sich fragen, wie ich das geschafft habe…Man muss jede Episode nur je 31 Mal schauen, und dann sind 25 Jahre vergangen…Ich habe das geschafft.]

Es ist wie es ist. Zeit ist eines der kostbarsten Güter, die uns zur Verfügung stehen, und ich werde dieses begrenzte Gut nun für mich besser nutzen. Mehr gute Gespräche führen.
Mehr gute Bücher lesen. Mehr NICHT konsumieren.



…abgeschaltet…


In Bezug auf die Qualität „unseres“ Fernsehprogramms fällt mir noch eine Textpassage aus dem Lied „Gegen den Strom“ von Such a Surge ein: https://www.youtube.com/watch?v=jdzYL_UGkY0

„Und der private Sender zeigt mir die Realität?
Sensationsgeilheit, während sich mir der Magen umdreht.

Blutdurst, live vor Ort, die Kamera dabei,
was wären wir ohne die Asse der Polizei.

Notruf, originalgetreu nachgestellt.
Auf der Couch hautnah dabei, Action ist, was unterhält!
Augenzeugen, Video, sensationell reell,
Gier nach Action News, oder RTL aktuell.

Kinderzimmer, Blutrausch, Horror ungeschnitten.
Kinderaugen geblendet, privater Sender sendet
rund um die Uhr, Programm Kapazität,
denn für visuelles Konsumieren ist es nie zu spät.

Volks Hypnose, Gehirn Metamorphose,
der Fernseher verkabelt, der Zuschauer vernagelt,
eure Hölle ist aus Eis, ein Meer muss drunter sein.

Eure Hölle schweigt mich tot, ich schlag den Fernseher ein.“