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Mittwoch, 5. April 2017

Das Experiment Gelber Sack V

Nachdem ich nun zwei Tage zuhause gegessen hatten, war heute das leider Unausweichliche dran: Spülen. Passenderweise hatte ich auch kein selbst-gefertigtes Spülmittel mehr auf Vorrat im Schrank, was mich in die Lage versetzt, mein schnelles Rezept kurz vorzustellen: 20 g Kernseife (hier: Klar's Olivenseife, fünf Stück in Papierverpackung - gibt es in Bioläden aber auch unverpackt einzeln) raspeln, ein Esslöffel Natron (Papiertütchen in meinem Fall) dazu und dann zusammen mit 100 ml kochendem Wasser aus dem Wasserkocher in den Mixer. Nach und nach insgesamt 400 ml Wasser hinzu geben und mixen. Auf keinen Fall auf einmal, sonst gibt es einen Geysier aus sanft seidigen Seifenblasen, und keinesfalls weniger Wasser nehmen, sonst geht die Seife zwar in die Flasche, aber nicht ohne Gewalt wieder heraus. Abgefüllt habe ich es in einen (sehr) alten Plastikspender, den ich immer wieder für die Flüssigseife nutze. 

Der einfache Weg zum plastikfreien Geschirrspülmittel
An Müll ist also heute nur anteilig etwas Papier angefallen, das jedoch noch nicht auf den Müll wandern muss. Das Natron-Tütchen ist ja noch nicht leer, und auch in der Seifenpackung sind noch drei Stück Seife übrig, Beide habe ich schon einige Wochen im Haushalt; sie sind ergiebig. Ansonsten war ich brav. Das Frühstück bestand aus eigenem Brot mit eigenem Aufstrich, mittags hatte ich mir einen Salat gemacht, dessen Zutaten ich mir vom Bauernmarkt um die Ecke geholt hatte, und zu Abend gab es Brot und Anti-Pasti, die ich mit meinem eigenen Behältnis bei einem Feinkost-Stand auf dem Markt geholt hatte.

Montagabend war unser monatlicher Alternativer Stammtisch (jeden ersten Montag im Monat, ab 19:00 Uhr, im Café Kaktus in Friedberg). Es kam eine interessante Diskussion zustande. Wenn ich auswärts esse, weiß ich nicht, wie viel Müll für mein Essen anfällt. Ich weiß nicht, welche Verpackungsart und welche Verpackungseinheiten die Küche nutzt. Wie bilanziere ich das beim Thema Plastiksparen/-fasten? Eine gute Frage! Grundsätzlich denke ich, dass die Gastronomie frisches Gemüse vom Markt bezieht, das lose in Kisten geliefert wird. Montagabend gab es jedoch extra für den Stammtisch vegane Optionen in der Speisekarte des Bistros, z. B. eine Soja-Alternative zum Schmand auf dem Flammkuchen. Die gibt es nur in Plastikverpackung. Ich habe also gestern zumindest indirekt Plastikmüll produziert. Auch damit muss ich folglich bewusster umgehen. Einfach auswärts zu essen reicht folglich nicht, um sich der Verantwortung zu entziehen.

Nachtrag vom 06.04.2017
Ich lerne es nie! Die Flüssigseife wird über Nacht wieder zur Festseife. Ein wenig Wasser in die Flasche und gut schütteln, dann wird es was. Nächstes mal lieber zehn Gramm ;-)

Mittwoch, 15. Juni 2016

Vierundfünfzigster Schritt: Schneeeruptionen mit Seife auslösen

Nur zwei Zutaten und zwei Arbeitsgeräte bis zur Flüssigseife
Okay, ich selbst bin da völlig entspannt, doch ich redete mir ein, dass die Gäste auf dem mit gleichem Namen beginnenden WC vielleicht nicht unbedingt dasselbe Stück Seife nehmen wollen würden, dass wir alle nehmen. Ihr wisst schon, so ein vormals einfarbig helles Stück duftender Seife, das nach ein paar Tagen aussieht, als sei sie ein Stück Marmor. Also nahm ich einen alten Handcremespender und mir die Zeit, Flüssigseife zu machen. Ich hatte verschiedene Quellen im Internet gesichtet, aber was wäre ich für ein Mensch, wenn ich eine Vorlage bräuchte. Seife und Wasser sowie Raspel und Mixer, was sonst sollte ich benötigen? Ich raspelte einen 100g-Seifenblock, gab einen Liter Wasser aus dem Wasserkocher heiß hinzu und verquirlte das Ganze mit dem Schneebesen . Bis hierhin ging alles gut. Ich hatte nun einen Liter Wasser, in dem 100 g Seifenflocken schwammen. Toll! Nur leider sehr fern von Flüssigseife! Sollte ich doch nach einem Rezept schauen? Bob, der Baumeister erschien auf meiner linken Schulter, Luigi und Mario auf meiner rechten. Alle drei schüttelten energisch mit dem Kopf. Dann kam mir die Idee, jenen Liter Wasser mit den arglos darin herumschwimmenden Seifenflocken in den Mixer zu geben. Nun folgt auch die ersehnte Erklärung zur Überschrift dieses Blogeintrags. Die Seifenflocken fanden
Flüssigseife eruptiert wie weiße Lava
das toll. Sie umschlossen nun in einem wilden Tanz, den ich sonst nur von Derwischen erwarten würde, alle Luftblasen, die der Mixer einsog, und natürlich auch - das dahingegen erwünscht - auch das heiße Wasser. Ich konnte zuschauen, wie sich das Volumen vergrößerte. Allerdings nicht lang, denn wenige Sekunden später wisch die Verwunderung dem Entsetzen, als die Schneeeruption aus dem Mixer ausbrach und versuchte, über die Arbeitsplatte der Küche und den Boden in die Freiheit zu gelangen. Mit Mühe gelang es mir, den glitschigen Weg zum Mixer zu überwinden und ihn auszuschalten. Luigi und Mario schüttelten mit dem Kopf und verließen lachend meine Schulter. Ich rettete, was ich retten konnte, und was ich retten konnte, hatte eine wirklich tolle cremige Konsistenz. Ich rührte für die Rückfettung noch etwas Olivenöl unter, was nun auch noch einen angenehmen Geruch hinzusteuerte. Für meinen kleinen ehemaligen Handcremespender war es natürlich knapp zehnmal zu viel, was ich mit einer einfachen Berechnung auch vorher hätte feststellen können. Ich füllte es ab, stellte es ins Badezimmer und freute mich auf die Reaktion meiner Liebsten, der ich mein Ergebnis zu präsentieren mich ereiferte. "Frau", legte ich mir auf die Zunge, "frohlocke, dein Mann hat sich wieder handwerklich betätigt." Bevor ich das sagen konnte, kam bereits ihre Stimme aus dem Gäste-WC: "Schatz, ist das Flüssigseife?"
Flüssigseife: Jede Mühe wert
Ich hob meine Brauen, verdrehte fachmännisch die Augen, natürlich alles hinter ihrem Rücken, und sagte: "Ja, Frau, Flüssigseife! Selbstgemacht! Fachmännisch! Plastikfrei!" Ja, das sagte ich, mit den Armen in die Hüften gestützt, wie ich das von Bob, dem Baumeister, kannte, der noch immer meine linke Schulter besetzte und grinste. Warum, konnte ich mir nicht erklären.
"Sollte sie nicht flüssig sein?", antwortete meine Holde augenzwinkernd und gab mir mein Produkt zur Prüfung in die Hand. Jetzt erklärte sich mir Bobs Grinsen. Dieser Verräter! Zugegeben, meine Flüssigseife ließ sich nicht durch den Spender pumpen. Tatsächlich ließ sie sich nicht einmal im Spender bewegen. Auch Schütteln ließ sie völlig unbeeindruckt an ihrem Aggregatzustand festhalten. Aber es war Flüssigseife. Zumindest flüssigere als der Seifenblock, als den ich sie gekauft hatte. Nachdem ich die Seife mühsam mit einem Stöckchen überzeugt hatte, aus dem Spender und aus meiner Vorratsglasflasche herauszukommen und sich bereit zu erklären, eine Emulsion mit der doppelten Menge an Wasser einzugehen, sind wir Freunde geworden. Sie steht jetzt - plastikfrei und selbstgemacht - im Gäste-WC und harrt der Gäste, die sich zwar nie beschwert hatten, ein und dieselbe Seife gemeinsam zu nutzen, aber Bob hinterfragte ja auch nie sein Tun.
In seinem Sinne: "Können wir das schaffen? Ja, wir schaffen das!"

Dem Dino knapp entgangen, entpuppte sich als Veganer
Übrigens hier ein Bild von meinem letzten Vortrag im Rahmen der Nachhaltigkeitswochen im Foyer der Frankfurter Commerzbank-Zentrale. Eine tolle Stunde mit vielen aufmerksamen Menschen. Gerade die Diskussion im Anschluss fand ich sehr anregend. Viele schöne Impulse. Vielen Dank, dass ihr da wart. Auch vielen Dank dem Dino. War vermutlich der älteste Zuhörer an diesem Tag! Immerhin hatte er miterlebt, wie das Erdöl entstand, das die Quelle des Vortragsgegenstands ist. Der nächste Vortrag wird wohl wieder in Friedberg sein. Vielleicht im Herbst. Mal schauen.


Montag, 10. August 2015

Achtunddreißigster Schritt: Geschenke und die Rache des Plastiks

Mehr als drei Monate ist es jetzt her, dass ich meinen Nicht-Konsum-Monat abschloss. Dennoch wirkt er noch immer nach: Ich habe seitdem immer noch nichts gekauft, das über Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs hinaus ginge, und mein samstägliches Interesse, die wöchentlichen Werbewurfsendungen zu durchforsten, ist noch immer auf Null. Zugegeben, beinahe hätte ich etwas gekauft und zwar dieses links abgebildete Seifensäckchen, gefunden bei Monomeer. Monomeer führt nur plastikfreie Produkte, und auch der Versand kommt plastikfrei daher. Das ist toll. Wir hatten eine Sammelbestellung, um die 75-Euro-Versandkostenfreiheitsgrenze zu erreichen, aufgegeben. Doch kaum bestellt, bekam ich es geschenkt. Insofern ist meine Konsumbilanz noch immer makellos. Danke, Dennis! Weitere Shops zum plastikfreien Einkauf habe ich unter Plasno und Bee Change gefunden. Die Online-Versender haben ein unterschiedlich großes und sich in einigem durchaus unterscheidendes Sortiment, so dass es sich lohnt, mal reinzuschauen, wenn man etwas braucht. Deren einziges Manko: Seifensäckchen hat nur Monomeer ;-)
Das Seifensäckchen nutze ich jetzt seit einer Woche. Es schäumt die Seife gut auf, einen wirklichen Peelingeffekt bemerke ich zwar nicht, aber dafür habe ich ja mein selbst gemachtes Peeling. Immerhin glitt mir die Seife noch nie aus der Hand. Das mag jetzt zwar eher im Männerknast unter den Kapitalverbrechern interessant sein, doch ich baue auf den Vorteil des restlosen Seifenverbrauchs.

Abschließend noch ein paar Worte zum Thema: Rache des Plastiks! Seit Ende 2013 reduzieren meine Freundin und ich nun sukzessive unseren Plastikmüll. Von ehemals drei gelben Säcken konnten wir unseren Drei- bis Fünf-Personenhaushalt auf einen einzigen gelben Sack pro Abholung reduzieren. Da ist noch  Potential gegeben, aber wir sind stolz auf dieses Zwischenergebnis. Wenn ich doch etwas aus Plastik nutze, dann passiert Folgendes: Das Plastik rächt sich stellvertretend für alle Artikel, die ich zwischendurch durch plastikfreie Alternativen ersetzt hatte. Die nachfolgenden beiden Bilder mögen das verdeutlichen.

Selbst gemachte Cig Köfte, bevor ich sie in ein Plastik-Trans-
portbehältnis packte, um zu meinem Picknick zu gelangen.
Selbst gemachte Cig Köfte, zusammen mit Papier-
taschentüchern und Rollsplit, nachdem der Plastik-
verschluss des Plastik-Transportbehältnisses ge-
brochen war und den transportieren Inhalt auf die
Straße entließ, bevor ich mein Picknick erreicht hatte.
Das nächste Mal werde ich den Teller wohl lieber auf der Hand balancieren. Im Keller lagert eine zweite Kuchen-Transportbox, und manchmal, wenn ich die Kellertreppe runter gehe, bin ich mir sicher, sie hämisch lachen zu hören. Dieses Biest!

Mittwoch, 13. August 2014

Zwanzigster Schritt - Frühstückserfolg, BPA-freies Eis und Seifenschleier

That's what I call breakfast!
Mittlerweile habe ich mein Frühstück völlig plastikbefreit. Mein Brot stammt höchstens aus einer Papiertüte; meist nehme ich jedoch einen Jute-Beutel mit und lasse mir das Brot dort reinpacken, so dass ich nicht einmal Papiermüll produziere. Meine Gemüseauflagen kaufe ich nur noch konsequent verpackungsmüllfrei. Kaufe ich im Supermarkt ein, und es gibt keinen Salat ohne Plastikhülle, verzichte ich. Was bliebe vom ökologischen Benefit, allein dafür zum nächsten Supermarkt zu fahren? Plastik gespart und dafür unnötig Benzin verbraucht! Der Bauernmarkt ist ohnehin die erste Adresse. Meine herzhaften Brotaufstriche mache ich inzwischen nur noch selbst. Was mittlerweile in den Gläsern ist, straft die Etiketten Lügen. Aus 100 g Soja-Bohnen und 100 g weißen Bohnen, über Nacht in Wasser eingeweicht, mache ich zusammen mit Zwiebeln, Knoblauch, Kreuzkümmel und Koriander in Gemüsebrühe gekocht einen prima Brotaufstrich, an dem ich mich bislang noch nicht satt essen konnte. Die Menge ergibt einen Vorrat von gut vier dieser Gläsern, die ich allerdings einfriere. Ich bin etwas unsicher, ob sie sich im Kühlschrank drei Wochen hielten, da ich ja kein Öl zusetze. Auch getrocknete Tomaten, Oliven und Peperoni zusammen mit dem Filterrest der Mandelmilch gibt einen grandiosen und vor allem schnell zubereiteten Aufstrich. Das Internet ist voll von Rezepten. Die süßen Brotaufstriche kaufe ich derzeit noch - mit Ausnahme meiner Schoko-Kokos-Creme natürlich - aber da wage ich mich als einer der nächsten Schritte ran. Bei den Getränken war ich ja bereits auf Mehrweg-Glasflaschen lokaler Produzenten umgestiegen. Inzwischen bin ich jedoch von Orangen- zu Apfelsaft umgestiegen. Orangensaft ist ja auch wieder Hunderte von Kilometern unterwegs, und die Orangen werden zudem überwiegend zu solchen Spottpreisen eingekauft, von denen kaum ein Bauer im Produktionsland wirklich leben kann. Der Apfelsaft stammt von heimischen Wiesen. Tränke ich weiter Orangensaft, könnte ich auch wegen eines Salates extra in den Nachbarort fahren. Und mir dabei mit Orangen jonglierend bei geöffnetem Fenster die kühlende Brise der aufgedrehten Klimaanlage gönnen! Nope!

Oreo-Eis, vegan & plastikfrei
Ich wollte auch meinen Kindern zeigen, dass man Plastikmüll sparen kann und noch zudem einen echten Gewinn für sich verbuchen kann. Wie ginge das besser als mit Speise-Eis? Mittels Eisbereiter meiner Küchenmaschine haben wir inzwischen Oreo-Eis, Heidelbeer-Eis, Schoko-Eis, Cappuccino-Eis und Vanille-Eis zubereitet. Natürlich jeweils in der veganen Variante. Mandelmilch oder Sojamilch (aus gekochten, pürierten und gefilterten geschälten Soja-Bohnen; aus dem Rest - Okara - kann man bspw. eine Beilage für's Abendessen machen) zusammen mit den gewünschten weiteren Zutaten entweder aufkochen und mit Speisestärke binden oder kalt mit Guarkernmehl, dann mit Agavendicksaft süßen und rein in die Eismaschine. Cremiger wird's mit Mandel- oder Soja-Sahne. Scheint zu schmecken; meine Tochter prahlt damit in ihrem Whatsapp-Profil!
Im Übrigen war ich, gerade wegen der Ernährungsumstellung aber auch wegen der neuen "Zahnpasta" zum ärztlichen Check. Ergebnis: Blutwerte sind bestens. Kein Vitamin- oder Mineralmangel, Cholesterin, Blutfette und Insulinspiegel je im unteren Normbereich, und meine Zähne erfreuen sich bester Gesundheit. Ich scheine alles richtig zu machen. Als Nächstes wende ich mich nochmal dem Spülmittel zu, denn leider ist mein anfängliches Ergebnis nicht verlässlich reproduzierbar. Mal bleibt ein Seifenschleier auf den Gläsern, manchmal nicht. Der Plastik-Regent lässt sich halt nicht überall so einfach vom Thron stoßen wie beim Frühstück.

Donnerstag, 12. Juni 2014

Sechzehnter Schritt - Seife als Geschirrspülmittel

Könnten Geschwister sein!
Nun eine kleine Lehrstunde darüber, wie man sich wirklich mal so richtig selbst in die Nesseln setzt. Das Pulver für die Geschirrspülmaschine ist leer, also denke  ich mir, wir hatten schon von Tabs auf Pulver umgestellt, um Müll zu reduzieren, warum nicht in die Vollen gehen? Also nehme ich ein Stück Kernseife, zerkleinere es, packe es in die Klappe für das Reinigungsmittel und lasse die Maschine arbeiten, was das Zeug hält. Yeah! Am Ende der Zeit fördere ich blitzsauberes Geschirr zu Tage. Das Glas ist wie poliert. Alles bestens. Na, ja, bis auf die Töpfe meiner Freundin. Irgendwas in der Kernseife hat die Griffe malträtiert, so dass sie jetzt aussehen wie die Oberfläche einer Zitrusfrucht. „Schatz, deine Töpfe haben Orangenhaut!“, rufe ich, und begehe damit gleich den zweiten Fehler, nach dem offenkundigen ersten mit der Kernseife. Ich versehe beiläufig, von einem Funken Hoffnung zwar nicht gerade entfacht, die Feststellung, dass die Griffe vermutlich nicht schon werksseitig so waren, mit einem Fragezeichen. Bereits vor der Aussprache dieser Worte gegenüber meiner Freundin winden sich die für logisches Denken zuständigen Areale meines Gehirns wie ein Rudel Aale in einem Schlauchboot. Um die Metaphern zu verknüpfen: Meine Hoffnung wird jäh und wortlos allein durch die Blicke meiner Freundin zerstört, die mit selbigen das Rudel Aale mitsamt Schlauchboot und einem halben See voll eisigen Wassers über mir auskippt und alle Hoffnungsfunken damit löscht. Da der Geschirrspüler anschließend auch nicht mehr funktioniert – ein Teufel, wer da versucht eine Verbindung zu meinem Experiment herzustellen – nutze ich die  Zeit während des Handspülens, mich via Tablet einzulesen, warum man keine reine Kernseite in Geschirrspülmaschinen nutzen sollte. Hat wohl was mit dem Calcium im Wasser zu tun, dass das Natrium in der Seife ablöst und sie damit wasserunlöslich macht. Das Zeug hängt jetzt vermutlich irgendwo in der Maschine. Was die Griffe zerstör hat, weiß ich nicht, aber ich habe während der nächsten Wochen des Handspülens noch viel Zeit, es zu recherchieren.

Chemieküche: Walter White trifft Tyler Durden
Das kleine Unglück bringt aber auch die Gelegenheit, endlich mal ein Handgeschirrspülmittel zu basteln, dass die herkömmlichen plastikverpackten Flüssigspülmittel ersetzt. Zunächst bedarf es neuer Kernseife, da die vorrätige ja nun in der Meschanik der Geschirrspülmaschine hängt. Der Kauf wird zu einem Ausflug in die Welt der Fach- und Fremdsprachen, da die Zutatenliste nicht ohne google für mich unlesbar ist. Die Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe ist abenteuerlich und in meinen Augen unnötig. Wenn ich eine Flasche Gemüsesaft kaufe, steht da drauf, dass er mit dem Saft verschiedener Gemüse hergestellt wurde. Punkt. Warum kann auf einer Seife nicht auch einfach draufstehen, dass sie unter Verseifung von Kokosfett hergestellt ist? Nein, hier muss es unbedingt Sodium Cocoate heißen. Und hätte ich vorher gegooglet, dass SodiumTallowate Seife aus Rindertalk ist, hätte ich sie nicht umtauschen müssen. Spontanität macht mir echt nur Arbeit. Auch das EDTA will ich nicht in meiner Seife. Ich verstehe ohnehin nicht, weshalb der Staat es nicht bannt, wenn er schon empfiehlt, es aufgrund seines schlechten Umweltverhaltens auszutauschen. Wie auch immer. Nun habe ich eine Öko-Kernseife aus dem Reformhaus, und es kann losgehen. Mein erster Versuch besteht aus 30 g Kernseife, die ich in einem halben Liter heißem Wasser auflöse und mit einer Tasse Essig und Zitronensaftkonzentrat versehe. Das Ergebnis ist aus Sicht meiner Freundin phantastisch, da ich jedes Stück Geschirr nachpolieren muss und so meiner gerechte Strafe ein Stück näher bin. Selbst wenn ich das Geschirr noch so gründlich mit klarem Wasser nachbearbeite, es bleibt ein seifiger Film, der nur mit dem Küchenhandtuch wegzubekommen ist. Nach zwei Ladungen Geschirr gebe ich es auf. Das nächste Experiment: Weniger Seife, kein Essig und kein Zitronenkonzentrat mehr, dafür Natron. Ich löse 15 g Kernseife in einem dreiviertel Liter heißem Wasser auf und gebe 10 g Natron hinzu. Das Ergebnis passt. Das Geschirr wird sauber, kein Nachpolieren mehr. Alles Prima. Und sobald die Geschirrspülmaschine repariert ist, probiere ich aus, ob das auch in der Maschine funktioniert. Natürlich nicht mit den Töpfen meiner Freundin drin. Und sicherheitshalber auch nur dann, wenn sie nicht im Haus ist.

Donnerstag, 13. Februar 2014

Sechster Schritt: Quark ohne Plastikschale

Die große Auswahl an Plastikschalen
Seit Jahren esse ich jeden Werktagmittag Obstquark im Büro. Quark aus einer Plastikschale, Obst aus einer Blechdose mit Plastiküberzug innen und das Ganze in einer Plastikbox zur Mitnahme. Mein persönlicher Rekord an Plastikbegleitern. Ich mache mich auf die Suche nach Quark im Glas. Fehlanzeige. Nur eine Bio-Molkerei am Bodensee konnte ich ausfindig machen. Das wäre natürlich völlig unökonomisch und unökologisch ohnehin, bedenkt man wie viele Milchbauern die Wetterau hat. Selbst Bio-Quark gibt es nur im Plastikbecher.  Ich schaue nach der Alternative, ihn selbst herzustellen. Unter anderem auf Seiten aus den USA, wo Quark nahezu unbekannt ist und daher nur sehr selten und wenn dann zu horrenden Preisen erhältlich ist, werde ich fündig. Zwei Liter Buttermilch benötigt man für ein halbes Kilo Quark. Wow. Das ist meine bisherige Tagesration. Ein Grund mal meinen Quarkkonsum zu überdenken. Ich lese mich in die Materie ein. Eine normale Kuh, also keine Hochleistungs-Muh-Kuh, deren Euter auf pralle 50 Liter Milch pro Tag gezüchtet ist, mit dem sie kaum mehr stehen kann, gibt 15-20 Liter Milch täglich, das heißt 10 von meiner Sorte teilen sich eine ganze Kuh. Erschreckend, wie ich finde. Das kann mit artgerechter Tierhaltung nicht funktionieren. Doch weniger Eiweiß, kann das funktionieren?

Yummi, zweimal Mittagessen to go
Als Sportler ging ich die letzten Jahre von 1,5 g bis zwei Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht täglichen Proteinbedarf aus.150 bis 200 Gramm Eiweiß pro Tag waren das täglich.Doch brauche ich das wirklich? Die gängigen Fitness- und Bodybuildingzeitschriften schreiben das. Die DGE dahingegen weist den Proteinbedarf in einer  Metaanalyse der belastbaren Studien zum Thema mit 0,83 g/kg aus, wobei sie lediglich einen Zusatz von weiteren 0,3 g/kg für den Muskelaufbau als nötig ansieht. Was wisst ihr schon von Kraftsportlern, wäre früher mein Gedanke gewesen. Mittlerweile neige ich zu einer anderen Frage: Was haben die Autoren von Zeitschriften, die sich über die Anzeigen von Sportnahrungsherstellern finanzieren oder von Sportnahrungsherstellern herausgegeben werden, davon, einen geringeren Eiweißbedarf in ihren Artikeln auszuweisen? Die Antwort ist klar: Die DGE hat keinen Vorteil, die Sportzeitschriften einen offensichtlichen und merklichen wirtschaftlichen Nachteil. Sogar die FIFA, bei denen es letztlich um Millionen geht, folgt grundsätzlich der DGE. Die Stimme der Vernunft entscheidet sich und ruft: 75 g Eiweiß reichen offensichtlich. Also reduziere  ich meinen Quarkkonsum auch auf die Hälfte. Selbst mein Calcium- und B12-Bedarf pro Mahlzeit wird damit gedeckt. Das Selbstmachen schiebe ich auf den Sommer auf, weil mir die Vorstellung, dafür den Herd nutzen zu müssen, erscheint, als würde ich den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Ich entscheide mich für einen Bioquark aus der Packung und kehre damit dem konventionellen Quark den Rücken. Wenn ich schon nur noch halb so viel brauche, kann ich auch gleich die Ersparnis artgerechter Haltung zugute kommen lassen. Ich finanziere damit eine glücklichere Kuh, die ich mir nun immerhin mit 20 Sportlern meiner Sorte teile. Und Obst gibt es nur noch frisch, saisonal und vom Markt. Abgesehen natürlich von den Amarenakirschen im Glas, weil die nicht auf Bäumen wachsen. Außerdem nehme ich nun Einmachgläser zum Transport. Quarkschalenmüll halbiert, Obstdosenmüll auf Null reduziert und kein Transport mehr in Plastik. Bingo!

Ach, ja, und noch ein kleiner Nachtrag zum Thema Haarseife. Dudu-Osun ist wirklich toll. Toller Schaum. Tolle Handhabung. Aber eben nicht wie ein Shampoo. Zumindest ich muss zwischendurch immer wieder mal mit Zitronensaft spülen, sonst gibt es so stark Schuppen, dass ich zwischenzeitlich sogar Angst vor Polizeikontrollen bekam. „Hey, was ist denn das für ein weißes Pulver? Auf den Boden, auf den Boden!“ Immerhin gibt es Zitronensaft in der Glasflasche.

Montag, 23. Dezember 2013

Erster Schritt - Shampoo, Duschgel

Tolkins Körperpflegeserie
Jeden Monat ein neues Shampoo und ein neues Duschgel. Zwei Plastikverpackungen, die monatlich auf dem Müll landen. Das muss auch anders gehen, denke ich mir. Das Supermarktsortiment ernüchtert. Es ist kein Produkt zu finden, dass ohne Plastikverpackung auskäme. Seife ist meine erste Idee. Doch der Test, Kernseife zur Haar- und Körperwäsche unter der Dusche zu nutzen, führt dazu, dass meine Haut zu quietschen beginnt, wenn man sie berührt, und meine Haare stark nach Kunsthaar aussehen. Ich gewinne die erschütternde Haptik von Ken. Ich könnte verstehen, wenn Barbie Single wäre, aber sie ist ja auch keinen Deut besser in der Hinsicht. Insofern passen die beiden durchaus zusammen. Aber die beiden sind aus Plastik und ich nicht. Haut und Haar alles Fett zu entziehen, ist also nicht wirklich gesellschaftsfähig, wenn man keinen Mattel-Stempel hat. Es muss eine Seife her, die stärker rückfettet und - so das Ergebnis meiner Internetrecherche - Zitrusfruchteextrakte in der Zutatenliste haben sollte. Ich teste eine Haarseife von wolkenseife.de und bin begeistert. Haut, Haare, beides bestens. Keine Barbies mehr, die mir hinterher pfeifen. Sechs Wochen Reichweite mit einem Seifenstück bei täglicher Dusche. Zugegeben, nicht unter laufendem Wasser, aber das ist ja bekanntlich auch böse. Preislich liegen beide nahezu gleich. Fünf Euro für ein Set Shampoo und Duschgel, das einen Monat hält, 6,50 Euro für Seife, die sechs Wochen hält. Ein Gewinn für die Umwelt, da nur noch ein paar Gramm Papiermüll statt zig Gramm Plastikmüll, und keine Mehrausgabe für mich: Win-Win. Die nächste ist Dudu-Osun, etwas teurer, aber schön schwarz und vom Namen her ein Wenig nach Saurons Ferienwohnung klingend. Eindeutig eine Seife für echte Männer! Den ersten Schritt erfolgreich vollzogen.