Donnerstag, 3. Juli 2014

Siebzehnter Schritt - Von weißen Kühen und grünem Gewissen

Wiedereintritt ins Plastiversium!
Je mehr ich mich mit der Materie Plastikmüll beschäftige, desto stärker vertiefe ich mich zwangsläufig in alle anderen Bereiche: Luftverschmutzung, Energieverschwendung, Ressourcenschonung … Inzwischen bin ich in meinem Freundeskreis zu einem anerkannten Experten in Müllologie geworden. Bildlich gesprochen bin ich vom kleinen Asteroiden, der ziellos in der Leere des Alls umherschwebte, zu einem Planeten des Wissens geworden. Mit Umlaufbahn, Eigenrotation und allem möglichen astronomischen Schnick-Schnack versehen. Und ehe ich mich versehe, stelle ich fest, ich habe einen Trabanten. Wo er herkommt, kann ich nicht sagen. Plötzlich ist er da. Der Trabant heißt: Vegan 38. Warum er eine Zahl hat, wollt ihr wissen? Ihr habt offenkundig keine Ahnung von Sternenkunde. Alle tollen neu entdeckten Sterne, Planeten, Planetoiden und Verwandte haben Zahlen. Sinnvolle Buchstabenkombinationen sind inzwischen alle vergeben. Mag aber sein, dass es einfach mein Alter ist, in dem ich plötzlich und unerwartet auf die vegane Ernährung zuzusteuern beginne. 

Wiederaustritt aus dem Plastiversium 
Ab einer gewissen Informationstiefe, ist es faktisch nicht mehr möglich den Verstand zu überlisten und weiter unbedacht tierische Produkte zu essen. Industrielle Massentierzucht, -haltung und -nutzung sind in all ihren Konsequenzen für einen aufgeklärten Geist faktisch nicht tolerabel. 58 Kilo Fleisch aßen wir im Jahr 2013 im Schnitt. Jeder Bundesbürger putzt damit jährlich das Äquivalent eines Marathonläufers weg. Mancher brächte es wohl gar auf eine ganze Mannschaft, wenn ich all die egoistischen Vegetarier und Veganer bedenke, die den Schnitt versauen. Um beim Eingangsbild zu bleiben: Mein frisch entstandenes Universum wäre zum Kollabieren gezwungen, vermutlich verschlungen von einem weißen Riesen in Form einer gleißend hellen Kuh, wenn ich weiter Fleisch äße und Milchprodukte zu mir nähme. Wie auch immer das astronomisch zu realisieren wäre.  Ich komme nicht daran vorbei. Automatisch und unerwartet reduziert sich mein Fleischkonsum, dann plötzlich und unbemerkt mein Käse- und Quarkkonsum und ehe ich mich versehe, ernähre ich mich plötzlich nahezu vegan. Und stehe damit wieder vor plastikgeschützten Waren: Tofu gibt es nur in Plastikverpackung, Lupinensteaks im Plastikmantel, Saitanburger mit Plastiktopping, Sojagranulat in knusprigem Plastikkleid. Toll! Kaum hat man die omnivore Plastikfreiheit gewonnen, ist beides dahin. Keine 60 Kilo Fleisch mehr im Jahr, dafür 60 Kilo Plastik. Vegane Ernährung ist nichts für Faule. Also heißt es umstellen: Lupinenschrot, Quiona, alles gute Eiweißquellen, die es in Papierverpackung gibt. Ich forme meine veganen Burgerpatties nun selbst. Ansonsten gibt es halt mehr Eintöpfe. Chili mit Lupinenschrot ist echt klasse. Und meine Steaks mache ich mir mit selbstgemachtem Saitan aus Dinkelvollkornmehl. Paniert (mit durch Mehl eingedickter Mandelmilch anstelle von Eiern) kann man selbst Fleischesser überlisten. Mehl kommt freilich auch in Papierverpackung daher. Meinen Planeten umgibt nun ein saturnähnlicher Ring. Nur nicht aus Sternenstaub, sondern aus Mehl. Aber das glänzt für mich viel mehr.

Donnerstag, 12. Juni 2014

Sechzehnter Schritt - Seife als Geschirrspülmittel

Könnten Geschwister sein!
Nun eine kleine Lehrstunde darüber, wie man sich wirklich mal so richtig selbst in die Nesseln setzt. Das Pulver für die Geschirrspülmaschine ist leer, also denke  ich mir, wir hatten schon von Tabs auf Pulver umgestellt, um Müll zu reduzieren, warum nicht in die Vollen gehen? Also nehme ich ein Stück Kernseife, zerkleinere es, packe es in die Klappe für das Reinigungsmittel und lasse die Maschine arbeiten, was das Zeug hält. Yeah! Am Ende der Zeit fördere ich blitzsauberes Geschirr zu Tage. Das Glas ist wie poliert. Alles bestens. Na, ja, bis auf die Töpfe meiner Freundin. Irgendwas in der Kernseife hat die Griffe malträtiert, so dass sie jetzt aussehen wie die Oberfläche einer Zitrusfrucht. „Schatz, deine Töpfe haben Orangenhaut!“, rufe ich, und begehe damit gleich den zweiten Fehler, nach dem offenkundigen ersten mit der Kernseife. Ich versehe beiläufig, von einem Funken Hoffnung zwar nicht gerade entfacht, die Feststellung, dass die Griffe vermutlich nicht schon werksseitig so waren, mit einem Fragezeichen. Bereits vor der Aussprache dieser Worte gegenüber meiner Freundin winden sich die für logisches Denken zuständigen Areale meines Gehirns wie ein Rudel Aale in einem Schlauchboot. Um die Metaphern zu verknüpfen: Meine Hoffnung wird jäh und wortlos allein durch die Blicke meiner Freundin zerstört, die mit selbigen das Rudel Aale mitsamt Schlauchboot und einem halben See voll eisigen Wassers über mir auskippt und alle Hoffnungsfunken damit löscht. Da der Geschirrspüler anschließend auch nicht mehr funktioniert – ein Teufel, wer da versucht eine Verbindung zu meinem Experiment herzustellen – nutze ich die  Zeit während des Handspülens, mich via Tablet einzulesen, warum man keine reine Kernseite in Geschirrspülmaschinen nutzen sollte. Hat wohl was mit dem Calcium im Wasser zu tun, dass das Natrium in der Seife ablöst und sie damit wasserunlöslich macht. Das Zeug hängt jetzt vermutlich irgendwo in der Maschine. Was die Griffe zerstör hat, weiß ich nicht, aber ich habe während der nächsten Wochen des Handspülens noch viel Zeit, es zu recherchieren.

Chemieküche: Walter White trifft Tyler Durden
Das kleine Unglück bringt aber auch die Gelegenheit, endlich mal ein Handgeschirrspülmittel zu basteln, dass die herkömmlichen plastikverpackten Flüssigspülmittel ersetzt. Zunächst bedarf es neuer Kernseife, da die vorrätige ja nun in der Meschanik der Geschirrspülmaschine hängt. Der Kauf wird zu einem Ausflug in die Welt der Fach- und Fremdsprachen, da die Zutatenliste nicht ohne google für mich unlesbar ist. Die Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe ist abenteuerlich und in meinen Augen unnötig. Wenn ich eine Flasche Gemüsesaft kaufe, steht da drauf, dass er mit dem Saft verschiedener Gemüse hergestellt wurde. Punkt. Warum kann auf einer Seife nicht auch einfach draufstehen, dass sie unter Verseifung von Kokosfett hergestellt ist? Nein, hier muss es unbedingt Sodium Cocoate heißen. Und hätte ich vorher gegooglet, dass SodiumTallowate Seife aus Rindertalk ist, hätte ich sie nicht umtauschen müssen. Spontanität macht mir echt nur Arbeit. Auch das EDTA will ich nicht in meiner Seife. Ich verstehe ohnehin nicht, weshalb der Staat es nicht bannt, wenn er schon empfiehlt, es aufgrund seines schlechten Umweltverhaltens auszutauschen. Wie auch immer. Nun habe ich eine Öko-Kernseife aus dem Reformhaus, und es kann losgehen. Mein erster Versuch besteht aus 30 g Kernseife, die ich in einem halben Liter heißem Wasser auflöse und mit einer Tasse Essig und Zitronensaftkonzentrat versehe. Das Ergebnis ist aus Sicht meiner Freundin phantastisch, da ich jedes Stück Geschirr nachpolieren muss und so meiner gerechte Strafe ein Stück näher bin. Selbst wenn ich das Geschirr noch so gründlich mit klarem Wasser nachbearbeite, es bleibt ein seifiger Film, der nur mit dem Küchenhandtuch wegzubekommen ist. Nach zwei Ladungen Geschirr gebe ich es auf. Das nächste Experiment: Weniger Seife, kein Essig und kein Zitronenkonzentrat mehr, dafür Natron. Ich löse 15 g Kernseife in einem dreiviertel Liter heißem Wasser auf und gebe 10 g Natron hinzu. Das Ergebnis passt. Das Geschirr wird sauber, kein Nachpolieren mehr. Alles Prima. Und sobald die Geschirrspülmaschine repariert ist, probiere ich aus, ob das auch in der Maschine funktioniert. Natürlich nicht mit den Töpfen meiner Freundin drin. Und sicherheitshalber auch nur dann, wenn sie nicht im Haus ist.

Sonntag, 25. Mai 2014

Fünfzehnter Schritt - Papierhandtücher und Mülltrennung

Ford Prefect weiß, wovon er redet!
Jedes Mal, wenn ich im Büro meine Hände wasche, nehme ich mir anschließend zwei Papiertücher, um meine Hände zu trocknen. Ja, das ist kein Plastik. Ja, das ist Papier, das zu 100% recycelt werden kann. Ja, das sind nur wenige Gramm. Nein, ich bin nicht kleinlich. Ich war nur erschrocken, als ich zu rechnen begann. Es sind jeden Tag wenige Gramm. Ein Jahr hat 365 Tage. Im Jahr sind das schon gut drei Kilo. Wenn das alle Beschäftigte auf der Arbeit machen, sind es bereits gut 150 Megatonnen vermeidbarer Müll, der jährlich in Deutschland anfällt. Das ist wie mit den Q-Tips. Erstaunlich wie erschreckend einfach alles wird, wenn man es mit 42 Millionen multipliziert. Und von den Schaltjahren will ich gar nicht reden. Ich nehme ab heute mein eigenes Handtuch mit. Und sind wir mal ganz ehrlich. Welcher Tag wäre denn besser geeignet, sich für so eine Maßnahme zu entscheiden als der Towel Day? Ich bin ein Mann, der weiß, wo sein Handtuch ist. Nämlich im Büro! Jetzt fehlen nur noch gesalzene Erdnüsse und drei Bier. Die jedoch nicht im Büro!

Echt, keine Ahnung, über was die tuscheln!
Und wenn ich schon über den Büromüll nachdenke, frage ich mich auch, weshalb ich eigentlich nur zuhause den Müll trenne. Immerhin habe ich zwei Eimer für Rest- und Papiermüll im Büro. Doch warum wird kein Recycling-Müll gesammelt. Immerhin ist dessen Abholung im Gegensatz zur Restmülltonne gebührenfrei. Ein großer Arbeitgeber kann damit sogar laufende Kosten in sicherlich nicht unerheblicher Höhe sparen. Ich habe es jedenfalls mal vorgeschlagen. Bis es soweit ist – falls es überhaupt soweit kommt; immerhin lächeln jetzt mehr Leute, wenn ich ihnen auf dem Flur begegne (wenn ich nur wüsste, was sie miteinander tuscheln, wenn ich außer Hörweite bin!) – nehme ich anfallenden Büro-Plastikmüll mit nachhause. „Das ist nicht mein Müll!“, hätte Rambo gesagt, wenn er kein Vietnam-Veteran, sondern ein Restmüll-Lobbyist gewesen wäre. Ich bin keins von beidem, deshalb erlaube ich mir, den Müll zu entwenden und einer besseren Entsorgung zuzuführen. Ab heute bin ich ein Recycling-Outlaw!

Sonntag, 18. Mai 2014

Vierzehnter Schritt - Geschenkpapier

Ich präsentiere: Das Öko-Geschenk!
Seit einem halben Jahr reduziere ich nun schon meinen Plastikmüll. Erstaunlicherweise führen die Gedanken, die ich mir zwangsläufig machen musste, immer wieder zu Überlegungen und Änderungen, die gar nichts mit Plastik zu tun haben. Früher hatte ich beispielsweise meine Geschenke immer in Geschenkpapier eingepackt. Zwei Euro für eine Rolle bedrucktes Papier, das im Anschluss in den Müll wandelt. Nur zu dem Zweck, das man nicht gleich sieht, was man geschenkt bekommt. Immerhin kein Plastikmüll, aber Papier, das auch produziert werden muss. Dafür, dass es nach wenigen Minuten Zweckentsprechung zu Müll wird, muss Energie aufgewandt werden, CO2 wird freigesetzt, werden Bäume gefällt, und Chlorbleiche belastet die Umwelt. Es geht auch anders. Ich verpacke jetzt in Zeitungspapier. Das wandert ohnehin irgendwann in den Papiermüll. Da kann es gerne vorher nochmal einem weiteren Zweck dienen. Ich finde es nicht weniger schick als Geschenkpapier, und man kann das auspacken nutzen, um die News vergangener Tage nochmal zu thematisieren: „Oh, schau mal, das hatte ich ja ganz überlesen: Die Donaumündung ist von Plastikmüll überschwemmt! Ein Glück, dass du kein Geschenkpapier genommen hattest.“
So oder so ähnlich läuft das seitdem. Als Schleife nehme ich natürlich auch kein Plastik mehr. Ich habe bunte Papierluftschlangen dafür entdeckt. Also nur noch Papier um das Geschenk und am Ende doch wieder Plastikmüll gespart. Es ist halt wirklich fast überall zu finden.

Übrigens wurde mein Blog im Radio erwähnt, und ich durfte danach ebenfalls ein Radiointerview geben. Wow! Stolz. Danke Luise für ganz tolle Worte über mich. Danke Terese und Radio Fritz für ein aufregendes Interview. Hier geht's zu Luises und meinem Interview.

Sonntag, 11. Mai 2014

Dreizehnter Schritt - Zahnbürste

Wenden sich beschämt ab: Die drei Plastigos!
Endlich ist es soweit: Die alte Plastikzahnbürste hat ausgedient und kann ersetzt werden. Bis es soweit war, hatte ich bereits lange Zeit damit verbracht, im Internet nach einer Alternative zu recherchieren. Ich wollte jedenfalls eine, die - klar -  frei von Plastik ist. Die ersten, die ich fand, waren solche aus Holz mit - ta-taaaaa - Plastikborsten. Netter Versuch, aber hast es nicht geschafft, Plastik-Gott! Ich recherchierte weiter, und ich hatte schnell die nächste. Kein Plastik mehr! Dafür Schweineborsten als Bürste. Okay, das erschien mir dann doch etwas schräg. Die Suche ging weiter. Ich fand die ersten, deren Borsten aus Holz waren. Das konnte ich mir zwar nicht so recht vorstellen, doch einen Versuch war es wert. Sie bestehen zu 100% aus Bambus. Zugegeben, lieber hätte ich ein Holz gehabt, das heimisch wächst, aber es ist ein erster Schritt. Dafür stammt das Bambus aus nachhaltigem Anbau. Denn ebenso wenig, wie ich Schweinchen-Babes Stimme beim bürsten hören wollte: „Hey, du schrubbst dir die Zähne mit meiner Mami!“ , hätte ich gerne fiese Low-Kicks vom Kung-Fu-Panda dabei kassieren wollen. Heute das erste Mal damit gebürstet. Ich bin am Ziel, meine Mundpflege ist zusammen mit meinem Zahnsalz komplett plastikfrei. Die Borsten sind angenehm, das Zahnfleisch beschwert sich nicht und auch das Holz ist angenehm. Weit entfernt erinnert es etwas an den hölzernen Eisstil eines Magnum-Eises. Mit Mandeln. Oh, Himmel. Heißhungerattacke. Ich muss zum Eisfach …