Sonntag, 7. Dezember 2014

Fünfundzwanzigster Schritt - Neue Zahnbürste

"Last Brush Standing"
Vor gar nicht allzu langer Zeit hatte ich stolz berichtet, die erste Zahnbürste gefunden zu haben, die vollständig aus Holz ist. Anfänglich zufrieden damit, musste ich jedoch nach einiger Zeit feststellen, dass mein Zahnfleisch nicht so Spartiaten-„Ahu“-artig ist, wie ich dachte. Schon in den ersten Tagen wetzte sie mir das Zahnfleisch bis zum Grund ab. Na, ja, ich übertreibe, aber es fühlte sich so an. Irgendwann dachte ich, es wird sich schon Hornhaut drüber bilden oder so was ähnliches, aber offenbar sind meine human-biologischen Kenntnisse von zweifelhaftem Ursprung. Kurzum: Alle Zahnputz-Versuche mit ihr - von Weniger-hart-Aufdrücken, über Den-Winkel-Verändern, bis hin zu Vorher-in-Wasser-Einweichen - scheiterten. Ich musste wieder zu meiner alten Zahnbürste zurückkehren. In der Hoffnung, sie wurde zwischenzeitlich nicht genutzt, um die schlecht erreichbaren Ecken bei der Abortreinigung zu säubern, nutzte ich sie nun bis vor wenigen Tagen. Vor wenigen Tagen fand ich die Alternative zu all den Varianten aus Birkenholz mit Schweineborsten, Bambus mit Holspänen und Schiffswrackdielenholz mit Blauwalbarten: Die Hydrophil. Es gibt sie in Blau und in Rot, aber Rot erinnerte mich zu sehr daran, was mein erster Versuch mit meinem Zahnfleisch machte. Also habe ich sie mir blau gekauft (die Zahnbürste - nicht mein Zustand während der Bestellung) Die Hydrophil besteht ebenfalls zu 100% aus biologisch abbaubaren Stoffen. Der Korpus besteht aus Holz. Der Bürstenkopf fasst eine Bürste aus Bio-Plastik, das aus Maisstärke hergestellt wird. Zwar würde die Bürste am Ende ihrer Lebensdauer auch nicht in den Biomüll wandern können, da sie wie alle harten Gegenstände automatisch aussortiert würde und vermutlich aufgrund ihrer Farbe ebenfalls fälschlich als Plastik identifiziert und aussortiert werden, aber auch dafür hat der Hersteller, zwei Hamburger Jungs, Christoph und Sebastian, einen Vorschlag: Einfach im Garten vergraben. Oder halt in den Komposthaufen im Garten. Werde ich machen. Aber erstmal mit putzen. Und das klappt bislang echt prächtig. Es gibt zwei Hydrophil in „mittel“ und „hart“. Ich habe natürlich „mittel“ bestellt. Echte Spartiaten müssen sich nicht beweisen. Ahu!

Montag, 24. November 2014

Vierundzwanzigster Schritt – ein bisschen Aufregen über Konsum und Elektromüll

Gefunden bei http://www.eder-holzbau.de
Nachdem ich heute Morgen auf dem Weg zur Bahn drei Beinahezusammenstöße mit in ihr Handy vertieften Fußgängern hatte - deren Schuld, war ja in mein eigenes Handy vertieft und hätte sie nicht sehen können -, fühlte ich mich bewogen, mal was dazu zu schreiben. Mein Mobiltelefon ist mir wichtig. Auch wenn ich schon eine Holzvariante, die vollkommen ohne Plastik auskommt, gefunden habe, werde ich bei meinem aktuellen Modell bleiben. Die Funktionalität des Holzhandys ist noch zu eingeschränkt und bislang nur auf Haptik und Optik reduziert. Wie dem auch sei. Mein ersten Smartphone bekam ich vor zwei Jahren - gebraucht - geschenkt, da der neue Vertrag der Schenkenden ein Neues mit sich brachte. Nun hatte ich auch eins, und, ja, ich lernte es schätzen. Letztes Weihnachtsfest lag dann ein neues unter dem Baum. Ich hätte mir selbst nie ein neues zugelegt, auch wenn ich das alte ab und an verflucht hatte, doch ich freute mich sehr darüber. Ich fluche allerdings immer noch. Nicht mehr darüber, dass es zu langsam ist wie mein altes. Nun darüber, dass es zu wenig Speicher hat (obgleich er gewiss dreimal so groß ist wie der des Vorgängers). Fazit: Ganz gleich welches Handy – das Fluchen bleibt. Was auch bleibt, ist die Entsorgungsfrage. In der Herstellung bereits Umweltsünde genug, beginnt der Spaß erst richtig, wenn es auseinander genommen werden muss, um die Giftstoffe auszusortieren und wieder Verwertbares dem Recycling zuzuführen. 80 Millionen Bundesbürger haben wir, 10 Millionen Smartphones werden jährlich in der Republik verkauft, und da ich nicht davon ausgehe, dass Neugeborene heutzutage ein Handy mit Vertrag zum 10. erworbenen Babybrei-Pulverdöschen bekommen und inzwischen nagelneue Smarties hippe Grab-Beigaben sind, muss meine Vermutung wohl zutreffen: Wir, die Konsumenten zwischen Wiege und Kiste, sind völlig meschugga. Grund der Aufregung war übrigens die Congstar-Werbung im Fernsehen. Vertrag abschließen – jedes Jahr ein neues Handy. Sollten nicht gerade Marktriesen, wie die Töchter der Telekom, etwas mehr grüne Verantwortung zeigen? Ich jedenfalls bleibe bei meinem Weihnachtsgeschenk, bis es auseinanderfällt. Und das meine ich ernst. Immerhin schreibe ich auch auf einem fünf Jahre alten Netbook. Und fluche währenddessen über dessen Geschwindigkeit und den zu geringen Speicher.

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Dreiundzwanzigster Schritt: "I want to ride my ... Upcycle!"

Lieber unscharfe Schrauben als scharfes Chili
Die Küche war voller Plastik. Mittlerweile ist sie voller Glas und Edelstahl. „Hast du das Plastik weggeworfen?“, wurde ich gefragt. Ja, ich muss zugeben, einiges davon warf ich tatsächlich weg. Zerkratztes und Verformtes, bei dem mir die Gefahr für Lebensmittel einfach zu hoch war. Der Rest kam in den Keller. Zunächst wollte ich es auf Ebay oder auf dem Flohmarkt verkaufen. Dann erkannte ich jedoch, dass ich mit dem Plastik auch meine Verantwortung verscherbele. Im Keller habe ich es unter Kontrolle. Kein Kontakt zu meinen Lebensmitteln, keinen Kontakt mit der Mülltonne. Mein persönlicher Gefangener von Askaban, Kellergast des Towers, Plastikmüll von Montechristo, wie auch immer Hauptsache weg aus der Küche und weg von der Mülltonne. 20 Prozent des Plastikmülls wird auch in Deutschland nicht recycelt. Das bedeutet Deponie oder Müllverbrennung. Das eine trinken wir früher oder später, weil es sich auflöst und ins Trinkwasser übergeht, das andere atmen wir ein. Deshalb bin ich selbst in der  Pflicht: Upcycling! Einfach einem anderen Verwendungszweck zuführen. Bei mir stehen die Plastikwaren von Tupper und Curver nun im Keller und bewahren Schrauben und Nägel auf, eben alle Kleinteile, die im Keller so anfallen und sortiert einfach besser aufbewahrt sind. Wäre ich früher drauf gekommen, hätte ich auch das Zerkratzte und Verformte nicht weggeworfen.

Designer-Rucksack by Turkish Taylor
Zu Recycling und Upcycling gehört natürlich konsequenterweise auch Precycling. Wie ich den meisten Verpackungsmüll vermeiden kann, habe ich schon festgestellt: Papierverpackungen statt Plastikverpackungen, Großgebinde statt Kleinpackungen, lose statt verpackter Ware und natürlich Müll vermeiden, bevor er entsteht. Die Frage, Müll zu machen und neu zu kaufen oder nicht, stellt sich derzeit bei meinem Rucksack. Ich hatte ihn vor immerhin schon sechs Jahren gekauft. Täglich begleitet er mich auf dem Weg zur Arbeit, mittlerweile nicht nur mit Laptop, Schreibblock und Büchern gefüllt, sondern eben auch mit meinem Mittagessen im Glas. Das ist eine schwere Aufgabe für einen handelsüblichen 17-Zoll-Laptop-Rucksack. Natürlich besteht er fast ausschließlich aus Kunststoff. Inzwischen habe ich die Stück für Stück abgebrochenen und abhanden gekommenen Schiebergriffe der Reißverschlüsse durch Schlüsselringe ersetzt, was dem Rucksack eine rockig-punkige Erscheinung gibt - und ja, ich musste bei Wikipedia  nachlesen, wie die Dinger, die Schiebergriffe sind, heißen. Auch habe ich ihn bereits zweimal vom Schneider reparieren lassen. Das erste Mal hatte ich einen Riss mit Stoff stopfen lassen, was jedoch schnell wieder riss. Das Gewicht ist einfach zu groß. Das zweite Mal ließ ich den Türken meines Vertrauens Leder einnähen. Das hielt und hält noch immer, doch lehne ich tierische Produkte inzwischen ab, so dass ich eine Alternative finden muss. Kernfrage: Neu oder nochmal zum Schneider. Ich muss zugeben, die eine oder andere Leinen-Tasche reizte mich schon sehr zum Konsum an. Ich habe mich dennoch wieder für den Schneider entschieden, denn der Rucksack ist optisch noch völlig tadellos und das wichtigste: Er funktioniert!. Weshalb sollte ich ihn wegwerfen, nur weil der Boden sehr fadenscheinig geworden ist. Morgen schneide ich eine alte Jeans in zwei gleichgroße Stücke in der Größe des Taschenbodens und übergebe sie meinem Schneider. Das hält gewiss wieder zwei Jahre, und jemand freut sich über den Auftrag. Support your lokal taylor!

Samstag, 6. September 2014

Zweiundzwanzigster Schritt - Den Teufel mit dem Beelzebub ...

Ich denke lang darüber nach, in welcher Form ich mich dem Problem der Einweg-Rasierköpfe annehmen sollte. Ein Verbundstoff aus Metall und Plastik und nochdazu nicht gerade sehr günstig. Mein erster Gedanke gilt natürlich dem Rasiermesser, doch einerseits ist die Vorstellung, mit einem Rasiermesser an einem Hals zu hantieren, seit jeher von Szenen meiner Lieblingsmafiafilme geprägt, so dass für meine eigene Sicherheit zu garantieren, nahezu unmöglich ist. Andererseits habe ich es auch gerne bequem in dieser Hinsicht. Ich möchte meine rare morgendliche Zeit lieber mit dem Frühstück verbringen als damit, mich vor dem Duschen noch einzuseifen und vor dem Spiegel zu rasieren. Seit jeher rasiere ich mich daher während des Duschens. Mit einem Messer in der Dusche? Da beginnen sich Mad Dog Coll und Norman Bates um meine Phantasie zu streiten. Manchmal ist es halt so, dass man, um den Tyrannen zu vertreiben, einen anderen Tyrannen an die Macht bringen muss. Hier heißt der Tyrannentausch letztlich Plastik gegen Plastik!

Der Tyrann meiner Wahl heißt Philips TT2040/32 Bodygroomer. Ein wahrer Alleskönner: Nassrasur, Trockenrasur, Barthaare, Kopfhaare, vermutlich selbst solche auf den Zähnen - in meinem Fall keine Haare, allenthalben Bambusspähne - bekommt er klaglos und ohne Fehl hin. Ich bin sehr zufrieden, und jetzt fängt das Rechnen an. Mein Ziel war es, Plastik zu sparen. Statt dessen habe ich nun Plastik eingekauft. Was jetzt? Eine Textaufgabe mit einem einfachen Dreisatz als Rechenweg vermag mein Gewissen zu beruhigen. Eine Packung mit 10 Klingen meines Einwegrasierers bringt 17 g Plastikmüll mit sich. Der neue Rasierer wiegt 324 g. Eine Klinge hält eine Woche. Wie lange dauert es, bis der neue Rasierer sich aus Sicht der Müllersparnis zu rechnen beginnt. Antwort: 192 Wochen. Hah! Noch nicht einmal vier Jahre und meine Investition hat sich gelohnt. Ätschie-Bätschie, Plastikgott.
Zum Glück rechnet sich der Elektrorasierer finanziell schon binnen eines Jahres, sonst wäre mein Schnellschluss, der zum Kauf führte, echt zum verzweifeln. Danke, Euro, dass du deinen rettenden Schirm über mich spannst und mich wenigstens etwas vor der Plastik-Schmach schützt.

Donnerstag, 21. August 2014

Einundzwanzigster Schritt - Supermarkt- und Internetjagd nach Papierverpackungen

Pappkameraden in Reih und Glied
Manche Dinge bekommt man einfach nicht ohne Plastik. Das war mein Eindruck, als ich im Dezember anfing, mich mit der Plastikmüllvermeidung zu beschäftigen. Aber je länger ich offenen Auges durch die
Supermärkte und Discounter streife, desto mehr finde ich. Leider nicht alles in einem Laden, aber vielleicht macht ja bald einer der Unverpackt-Läden auch im Rhein-Main-Gebiet auf, in Kiel und Berlin gibt es sie ja schon. Bei Pasta war ich am Verzweifeln und sah mich künftig alle zwei Tage Nudeln selbst machen, was so in etwa meinem Nudelkonsum entspricht. Wo wäre dann noch Zeit zum Bloggen geblieben? Oder zum Schlafen? Vielleicht hätte ich eine Halbtagsstelle annehmen müssen, um Pasta machen zu können. Doch gestern wurde ich fündig: Barilla führt Nudeln in Papierverpackung! Yes! Keine Nudeln selbst machen müssen. Ich kann weiter bloggen und dabei Spaghetti essen. Allerdings muss ich auch weiter Vollzeit arbeiten. Danke, Barilla. Selbst bei Gewürzen wurde ich mittlerweile fündig, obwohl ich da noch skeptischer war. Immerhin führen Fuchs und Ossmann tatsächlich nur Produkte in Plastik; selbst die Glasbehältnisse haben einen Plastikdeckel. Und mal ganz ehrlich, so ein Glasding ist auch nur einmal sinnvoll zu kaufen. Danach sind nur noch Nachfüllpackungen angebracht, und die gibt es ja nur in Plastik. Zumindest von Fuchs und Ostmann. Im Reformhaus fand ich Gewürze von Brecht. In Bio-Qualität. Verpackt in einer Papiertüte, die in einem kleinen Karton steckt. Und das zu einem Preis, der sich nicht wesentlich unterscheidet. TK-Gemüse und -Obst gibt es neben den plastikvertüteten auch in Papierschachteln. Wenn ich genau hinschaue, ist die Auswahl nicht gering. Einzig muss ich mein Einkaufsverhalten ändern. Ich wechsele die Märkte für meinen Großeinkauf nun wöchentlich und nehme immer das mit, was ich in den anderen Märkten nicht plastikfrei bekomme. So habe ich manchmal nicht alles für ein Gericht im gleichen Einkauf zusammen, aber besser langfristig planen als Supermarkttourismus mit dem Auto zu betrieben. Sonst ist der ökologische Fingerabdruck bald mit Reifenprofil versehen.


Kommt nicht in die Tüte? Sehr wohl!
Hoffnungslos war ich bei getrockneten Hülsenfrüchten und Konsorten. Bohnen, Linsen, Erbsen und andere eiweißreiche Hülsenfrüchte sind täglich auf meinem Speiseplan, und bislang fand ich sie tatsächlich nur in Plastikverpackung. Selbst im Tegut, dem Markt der immerhinder erste in Hessen war, der Plastikeinkaufstüten aus dem Verkauf nahm, gab es keine Alternative. Nun ist auch diese Suche von Erfolg gekrönt. Das Internet half. Sonntag habe ich bei http://www.mein-muesli-laden.de bestellt. Dort gibt es nicht nur Hülsenfrüchte, sondern auch Getreide und Sämereien in Papierverpackung. Sehr schnell kam eine persönliche Email, dass sie schon fast alles gepackt hätten, nur eine Großpackung müsse in vier kleinen Verpackungen geliefert werden. Als ich darauf hinwies, dass ich gerne Plastikmüll sparen würde, bot man mir freundlich an, die PU-Verpackungen zu entfernen, in den dortigen PU-Müll zu geben und es in Papier zu verpacken, was immerhin besser ist, als es hier in den gelben Sack zu packen. Gestern kam das Paket an: Alles in doppelter Papiertüte verpackt. Noch dazu ein handschriftliches Briefchen, in dem sich der Versender für die Initiative bedankte, darauf hinwies, sogar auf Plastikfüllmittel im Paket verzichtet zu haben und sich entschuldigte, dass die kostenlosen Dreingaben noch in Plastik verpackt seien. Von so viel Service bin ich echt sprachlos. Ganz toll und sicher nicht meine letzte Bestellung.