Sonntag, 19. April 2015

Dreißigster Schritt: nonkonsumistische Gottesbeweise erbringen

Würfelt zwar nicht, macht aber Uhren kaputt!
Wenn Plastic-Diary-Souschef Dennis einen Exkurs in die Plastikmüllredution wagt, darf ich nicht zögern, mich in die Gefilde des Minimalismus zu wagen. Mit Erfolg, denn ich habe unerwarteterweise dadurch einen Gottesbeweis erbracht. Aber ich will von vorne beginnen. Zum ersten April – auch zu diesem Datum kein Scherz – startete ich meinen ersten Nonkonsummonat: Einen Monat lang nichts erwerben, das über die Verbrauchsartikel des täglichen Bedarfs hinausgeht. Wie durch Zufall passierte Folgendes: Gleich am ersten Tag trainierte ich mit einem erst zwei Monate zuvor erworbenen Teraband, und es riss. Ich nahm es pragmatisch. Immerhin habe ich seit dem zwei Terabänder zum Preis von einem. Dann ging meine Pulsuhr, die ich zum Joggen nutze, wenige Tage später einfach nicht mehr an. Ganz gleich, was ich versuche, das Display blieb tot. Ganz gewiss auch ein Zufall! Weitere Tage später: Plötzlich, unerwartet und aus „heiterem Himmel“ entsteht ein trollhandgroßer Radialbruch in der Windschutzscheibe meines Autos. Zufall? Heute: Mit weltlichen  Erklärungsansätzen nicht zu begründen, fällt mir meine Armbanduhr von Handgelenk, einfach so, ausgerechnet mit dem Glas nach unten, und das Display zerspringt. Stochastik war voll mein Ding in der Schule, aber da geht jetzt echt zu weit! Für mich gibt es hier nur zwei plausible Erklärungsansätze:

  1. Nichts geht einfach so kaputt. Irgendetwas muss mein Teraband, meine Windschutzscheibe und meine Uhren bewegt haben, ihren physikalischen Zustand zu ändern. Da sich nichts von sich selbst bewegt (Beamte wissen das!), muss es einen Beweger geben. Dieser Beweger kann nur Gott sein. Tja, Herr von Aquin, so einfach geht das! Offensichtlich ist der würfelspielmeidende Alte entweder eng verwoben mit der Non-Food-Sektion der Wirtschaftslobbyisten und sagt mir damit: „Konsumiere!“, oder er ist selbst Minimalist und prüft mich (die letzte Option ist charmanter, wenn auch Herr van Elst eher an die erste Option glauben lässt). 
  2. Gummi reißt, wenn man es unter Spannung über scharfkantiges Metall zieht (Teraband), Glas zerspringt, wenn man es unter Spannung einer Erschütterung aussetzt (eine peinliche Geschichte zu meiner Windschutzscheibe, die ich nicht weiter vertiefen möchte), nach knapp zehn Jahren Dauernutzung kann Material durchaus ermüden (die Uhren), und ich war in Stochastik weniger gut, als ich in Erinnerung hatte.

Wie auch immer … jedenfalls geben mir diese „Zufälle“ die Gelegenheit darüber nachzudenken, was diese Gegenstände für mich bedeuten. Noch im März wäre ich vermutlich losgezogen und hätte mir gleich ein neues Teraband geholt, gleich eine Nummer stärker, denn offensichtlich bin ich bereits zu stark für das silberne, wenn es einfach so reißt. Da ich jedoch in meinem Nonkonsummonat bin, gibt mir das die Möglichkeit zur Reflexion meines Konsumverhaltens. Ich teste aus, und, siehe da, auch mit dem verkürzten Band kann ich weiterhin arbeiten. Size matters! Von wegen! Auch die Armbanduhr werde ich nicht ersetzen. Immerhin schleife ich mein Handy überall hin mit. Wozu also einen zusätzlichen Zeitanzeiger reparieren lassen oder gar ersetzten? Auch die Pulsuhr, muss ich mir eingestehen, war nur ein hübsches Gimmick. Es war schön, später nach dem Datenimport auf den Rechner gesehen zu haben, wo ich lief, wie schnell, an welcher Stelle, ich welchen Puls hatte und auf lange Sicht, wie ich mich verbessert hatte. Doch unterm Strich nutzte ich diese Daten nur, um sie zu betrachten. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich sie je zu Rate gezogen, um mein Training anzupassen und bessere Ergebnisse herauszuholen. Also bleibt auch sie unersetzt, zumal es auch für diesen Zweck eine App gibt. Nur die Frontscheibe muss ich ersetzen. Und warum? Wegen dieser Atheisten vom TÜV!

Dienstag, 14. April 2015

Eintrag #4 - Selbstversuch eines Plastikminimalismus

Als mich „Plastic Diary Blog“ Chef Andy im Sommer 2014 auf seine Homepage aufmerksam machte, fand ich den Gedanken, Plastikmüll einzusparen, ganz amüsant, aber mir war klar, dass die Umsetzung der Vorschläge massiv Zeit, Geld und Nerven kosten würde. Also landete der Link erst mal im elektronischen Papierkorb.

Durch Zufall fiel mein Blick auf das Buch „Plastikfreie Zone: Wie meine Familie es schafft, fast ohne Kunststoff zu leben“ von Sandra Krautwaschl. Da die geistige Grundlage dafür der Film „Plastic Planet“ von Werner Boote war, konsumierte ich beide Werke in kürzester Zeit. Keines der beiden Medien führte dazu, dass ich mein derzeitiges Konsumverhalten als nachhaltig bezeichnet hätte. Vielmehr freute ich mich desöfteren schelmisch wie ein kleines Kind, wenn ich Berge von gelben Säcken vor unserem Haus für die Abholung durch fleißige Hände auftürmen durfte („lass uns eine Burg bauen“). Als ich mir dann klarmachte, wie „hochwertig“ diese gelben Säcke entsorgt werden würden (der Großteil wird verbrannt, der Rest wird „down gecycelt“), musste ich wieder an Andy’s Blog denken.

Nach und nach kombinierte ich Andy’s Ideen mit Plastikreduktionsvorschlägen, die in Sandra Krautwaschls Buch vorgestellt wurden. Die Aktion machte ziemlichen Spaß und hält bis heute an. Mittlerweile ist zwischen mir und meiner Frau ein wahrer Wettbewerb darüber entstanden, wer eine neue Idee für die Plastikreduktion hat.

Weil es so simpel ist, möchte ich einige Beispiele aufzeigen:

>>>Zahncreme aus der Tube – ersetzt durch Zahntabletten

>>>Flüssigseife im Plastikspender - ersetzt durch Seife im Stück (in Papier verpackt)
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      >>>Odol Med 3 Mundspülung – ersatzlos gestrichen. Laut meinem Zahnarzt bringt das sowieso nichts. Sagt mir bitte Bescheid, falls ich mittlerweile nach Verwesung rieche…

      >>>WC Duftsteine - ersatzlos gestrichen. Unsere Nachbarn grüßen uns zumindest noch...
 
>>>Badezusatz in Plastikflasche ersetzt durch Badezusatz im Glas
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>>>Gesichtsreinigungsgel in der Plastiktube ersetzt durch Gesichtsseife in Papierverpackung
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>>>Deoroller aus Plastik/Glas ersetzt durch Deo in Pappverpackung (natürlich ohne Aluminium)
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>>>Müsli, Cashewkerne, Haselnusskerne, Studentenfutter, Reis, Sonnenblumenkerne, sonstige Nüsse in der Plastikpackung ersetzt durch Papierverpackung
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>>>Brot & Brötchen in Plastik eingeschweißt – ersetzt durch Produkte vom Bäcker in Papiertasche

>>>Buttermilch, Milch, Gemüsecreme, Instant Café aus Plastikbehältern ersetzt durch Glasflasche/-tiegel
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>>>Obst & Gemüse eingepackt in Plastikbeutel ersetzt durch Baumwollnetze (gerade dieser Artikel bietet massive Müllreduktionspotenziale!)
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>>>Waschmittel in Plastikflasche ersetzt durch Waschpulver in Altpapierverpackung
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>>>Billig-Spülmaschinentabs mit Einzelplastikverpackung ersetzt durch phosphatfreie, wasserlösliche Tabs mit biologisch abbaubarer Folie
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Es kann so einfach sein...

Außerdem verfolgen wir die Strategie, dass so wenig Plastik wie möglich unsere Lebensmittel „berühren“ soll. Aus dem Grund habe wir bereits folgende Utensilien aus Plastik durch Glas/Edelstahl ersetzt: Pfannenwender, Kochlöffel, Gefäße für Müslis, Gefäße für Nüsse/Körner/Kakao/Mehl...  


Plastik raus, Glas rein...

Achso: meine Vorurteile waren alle falsch. Es kostet weder viel Geld noch Nerven, um auf Plastik zu verzichten. Es reicht schon (fast) aus, mit offenen Augen durch den Supermarkt bzw. das Internet zu gehen.

Das Resultat: nachdem wir uns ca. 3 Monate etwas intensiver mit dem Thema beschäftigt haben, konnten wir unseren Plastikmüll um ca. 60% reduzieren.

Dienstag, 24. März 2015

Neunundzwanzigster Schritt: Ideen teilen und nicht nur vor Begeisterung schäumen

Nur neun Platze frei und einer davon war meiner!
Der NABU, genauer die Umweltwerkstatt Wetterau, hatte mich für letzten Freitag nach Assenheim eingeladen um einen Pecha-Kucha-Vortrag zum Thema "Plastik sparen" zu halten. Sparen musste ich auch an Text. Den 60-Minuten-Vortrag, den ich in Kassel gehalten hatte, auf 6:40 zu kürzen war jedenfalls wirklich spannend. Neun Vorträge gab es insgesamt, darunter der Umsonstladen aus Friedberg, das Repair Cafe aus Bad Nauheim, der Vereinsladen Mehlwurm aus Nidda und viele mehr. Das war ein wirklich bereichernder Abend und prima zum Netzwerken mit Gleichgesinnten. Alle meine EINKAUF-AKTUELL-Aufkleber, die ich mit hatte, waren am Ende weg, so dass die Gleichgesinnung offenkundig auch die Aversion gegen unnötigen Müll betraf.. Das Publikum schäumte jedenfalls über vor Begeisterung, was auch meine Überleitung zum nächste Punkt ist.

Jetzt aber mal ohne Schuppen groß wie Königspudel!
Nachdem ich das Thema Haarwaschseife nun erneut - und zwar weil ständig mit Zitrone, Essig, kaltem Wasser und was weiß ich hantieren zu müssen echt nervig ist  - ad acta legen musste, habe ich nun bei Wolkenseifen etwas Neues gefunden. Fast plastikfrei, aber in jedem Fall stärkstens plastikreduziert im Vergleich zu einer Plastik-Shampoo-Flasche (nur leicht umhüllt, Rest Papier): Shampoobars. Shampoobars sind - laienhaft, also durch mich ausgedrückt - dehydrierte oder noch nie hydriert gewesene Shampoos, also quasi Trockenshampoo, nur halt am Stück (laienhafter geht es nicht auszudrücken). Sie lassen sich wie ein Stück Seife nutzen, also einfach anfeuchten und zwischen den Händen aufschäumen (hier ist die Stelle, die die Überleitung des ersten Absatzes zur Überleitung macht!). Vom Gefühl her wie Shampoo. Nach der ersten Nutzungswoche bin ich wirklich zufrieden. Ich hoffe, es hält an. Sonst folgt in Kürze der nächste Eintrag über Schuppen. Noch schäume ich jedenfalls begeisternd.

Dienstag, 3. März 2015

Achtundzwanzigster Schritt - Unsinniges und Starrsinniges ausschließen

Was wird die Postzustellerin wohl sagen ;-)
Samstag vor einer Woche hatte ich meine Briefträgerin angesprochen und ihr mitgeteilt, dass ich „Einkauf aktuell“ nicht mehr haben wolle. „Tut mir leid, ich muss ihnen das einwerfen!“ bekam ich zur Antwort. „Was macht das für einen Sinn“, fragte ich sie, „wenn ich es unmittelbar danach ungelesen wegwerfe?“ Das sah sie dann zwar ein, sagte aber, ich solle künftig einen Keine-Werbung-Aufkleber anbringen. Dass ich Werbung grundsätzlich schon haben wolle, nur eben ihre plastikummantelte Werbewurfsendung nicht, nahm sie dann etwas verwirrt auf. Letztlich nahm sie das Exemplar wieder mit, warf mir aber dafür am Samstag drauf gleich zwei ein. Danke, Samusin, Gott des Ausgleichs! Letztes Jahr hatte ich bereits gelesen, dass sich ein junger Bayer mit einer Onlinepetition für ein Umdenken der Post eingesetzt hatte. Wie ich heute gelesen habe, gab es schon im November einen runden Tisch, zu dem auch der 19-jährige Online-Petitionist eingeladen war. Bei der Lektüre des berichteten Artikels musste ich schon etwas schmunzeln. Da argumentiert der Herr von der Post, wie wichtig die Postwurfsendung doch sei, weil die Industrie ja nicht auf das Altpapier verzichten könne. Äh! Okay! Das ist ähnlich wie das Argument, dass wir ja Tiere essen müssen, weil die ganzen Nutztiere sich sonst unkontrolliert vermehrten und dem Weltklima schadeten. Der einfachere Weg wäre vermutlich es einfach zu unterlassen, die Postwurfsendung für Haushalte zu produzieren, die die Werbesendung nicht möchten. Dann könnte die Industrie ohne Umweg auf das dafür verwendete Papier zugreifen. Aber dann würde es natürlich nicht mehr als „unadressierte Postwurfsendung“ firmieren, die Auflage wäre geringer, die Umsätze damit schwächer, die ganzen Mediadaten gerieten durcheinander, Panik würde unter der Bevölkerung ausbrechen. Am Ende bräche gar ein Kampf zwischen nicht verzehrten Nutztierherden und unadressiert mit Werbesendungen um sich werfenden Postzustellern aus. Das wollen wir nicht. Ich jedenfalls habe mir nun einen hübschen Aufkleber für den Briefkasten gebastelt, und alles ist gut. Ich werde übrigens welche drucken lassen. Wer also einen haben will, kann mich gerne kontaktieren. Das könnte gut werden.


Apropos gut: Bei Tegut wird’s mit den Tee ganz und gar nicht gut, also eher Tee-Nix-gut.  Viele haben sich beteiligt und den Kundenservice bemüht. Dafür vielen Dank. Wir haben aufmerksam gemacht, dass es keine einzeln von Plastik umhüllten Teebeutel braucht und dass sich zumindest ein Teil der Kunden wünscht, dass auch hier die Ideologie der Nachhaltigkeit maßgebend sein sollte, für die tegut ja ansonsten erfreulicherweise steht. Wir haben jedoch alle mehr oder minder die gleichen Textbausteine geschickt bekommen. Das mag im Sinne einer effizienten Kundenbetreuungabfertigung sinnvoll sein, zeugt aber nur wenig davon, dass der Kunde ernst genommen wird. Schreibt Tegut gerne weiter an und sendet mir weiter die Antworten zu. Ich jedenfalls werde die Tees von Tegut nicht mehr kaufen. Schade, ich hatte irgendwie die Hoffnung, zumindest einen ähnlichen Satz wie „Unser Einkaufsteam wird sich mit Ihrer Frage beschäftigen und die Optionen aus ökologischer Sicht neu bewerten“ zu lesen. Anders ist das beispielsweise beim 1000-Körner-Markt von Dieter Dreher. Hier bat ich lediglich darum, keine plastikverpackten Artikel zugesandt zu bekommen. Zur Antwort bekam ich nicht, dass das nicht ginge, weil sich sonst die Aromen der Haferflocken mit denen der Dinkelflocken vermengen könnten (wie bei tegut). Stattdessen bekam ich eine Probepackung zugesandt, wie künftig vielleicht Trockenobst versandt werden könne. Da lagen Feigen und Datteln nebeneinander in einer Pappschachtel. Die ganze Zeit. Dicht an dicht. Sie gaben alles, ihre Aromen zu übertragen, und trotzdem schmeckten sie nach Feigen und Datteln. Und zwar einzeln. Nicht gemischt! Mehr noch als das: Ich werde nach meiner Meinung dazu gefragt (von Herrn Dreher, nicht von den Datteln). Herr Dreher freut sich, in Sachen Plastikverpackung mit mir zusammenzuarbeiten und fragt mich, was ich über Cellophan als Alternative zur Plastikverpackung dächte. Das, tegut, ist Kundenbetreuung, bei der man sich ernst genommen fühlt. Herr Dreher verkauft übrigens auch Tee.

Sonntag, 15. Februar 2015

Eintrag #3 - Weniger Besitz ist mehr Freiheit - Meine Büchersammlung

Und irgendwann wurde mir klar, dass nicht wir die Dinge besitzen, sondern die Dinge uns…

Aus unerfindlichen Gründen habe ich im Laufe meines Lebens eine Leidenschaft für das Aufräumen und das Ausmisten von Dingen entwickelt. Ich habe mittlerweile mehr Freude daran, meinen Besitzstand zu reduzieren statt ihn weiter zu erhöhen. Okay, Teile der Literatur, die ich in den letzten Jahren konsumiert habe, schürten diese Lust an der Reduktion sicher noch.

Verschiedene Quellen im Internet gehen davon aus, dass ein Mensch in Deutschland im Durchschnitt 10.000 Gegenstände besitzt. Diese Zahl kam mir zunächst astronomisch hoch vor, aber wenn ich überlege, dass ich alleine 1.000 Musik-CDs besitze, dann wird das Ganze schon wieder greifbar. Leider führt das permanent gesteigerte Konsumvergnügen in Deutschland dazu, dass unsere Wohnungen aus allen Nähten platzen. Aber auch dafür gibt es Abhilfe… In den letzten 20 Jahren hat sich unsere durchschnittliche Wohnfläche von 35 auf 43 Quadratmeter pro Person gesteigert. Tendenz steigend.

Aber ich kann es auch verstehen. Wenn bei Tchibo wieder einer dieser Fusselrasierer oder ein Muffin-Deko-Set angeboten wird, dann kann auch ich kaum widerstehen und kaufe, kaufe, kaufe. Irgendwann wird man’s schon gebrauchen können…




Quelle: www.tchibo.de

Aber Spaß beiseite. Ich frage mich ernsthaft, wie es möglich ist, dass es ständig gelingt, mündigen Bürgern irgendwelche Produkte zu verkaufen, die niemand braucht. Sie werden in Hochglanzprospekten beworben, im Laden perfekt platziert, und in Massen verkauft. Ich hätte nie gedacht, dass es funktioniert, aber anscheinend reicht es schon, dass etwas bunt und billig ist, damit es gekauft wird. Leider werden diese Artikel aufwändig produziert und belasten die Umwelt – aber um das Thema soll es im heutigen Beitrag nicht gehen.

Dann ist es auch kein Zufall, dass es in Deutschland mittlerweile einen Trend von Privatpersonen gibt, Lagerhallen anzumieten, um dort ihren Besitzstand zu bunkern - weil ihre Wohnungen und Häuser voll sind.

Zitat von Hartmut Rosa, Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie,
Friedrich-Schiller-Universität Jena:

„Wir besitzen mehr Bücher, CDs, DVDs, Teleskope und Klaviere als je zuvor, aber wir können sie nicht absorbieren. Da die Absorption zu zeitaufwendig ist und wir den wachsenden Druck verspüren, nicht den zeitlichen Anschluss zu verlieren, kompensieren wir den nicht realisierten Konsum durch mehr Shopping. Das ist gut für die Wirtschaft, aber schlecht für das gute Leben.“


Folgende Fragen ergeben sich für mich: Was versuchen wir mit massivem Konsum zu befriedigen? Welche Sehnsucht soll befriedigt werden? Ist es vielleicht eine innere Leere, die wir mit mehr und mehr Konsum füllen wollen?

Zurück zu meiner Büchersammlung. Irgendwann kommt man an den Punkt, dass das Bücherregal überquillt, dass man keinen Überblick mehr hat, dass einem ständig solche Bücher in den Blick kommen, die man irgendwann gekauft hat und die nun ein schlechtes Gewissen verursachen, weil sie nie gelesen wurden. Kurzum – es entstand Stress. Glücklicherweise fiel mein Blick auf das Buch „Magic Cleaning“ von Marie Kondo. Dort fand ich folgenden Vorschlag, den ich perfekt auf meine Bücher anwenden konnte. Er lautet – „Behalte jedes Buch, das Du auf jeden Fall noch einmal lesen wirst. Die übrigen Bücher kannst Du weggeben.“

Gelesen, getan. Es fiel mir daraufhin sehr leicht, ca. 90% meines Buchbestands wegzuschenken. Dabei waren eine Menge Bücher, bei denen ich ein paar Seiten angelesen und dann das Buch wieder weggelegt hatte. Eine nicht greifbare Macht hielt mich immer davon ab, mich davon zu trennen. Doch schließlich gelang es mir, und ich verfüge nun über einen kleinen aber feinen Fundus an tollen Büchern, von denen ich jedes jederzeit wieder lesen würde. Wenn ich nun ein Buch gelesen habe und denke, dass ich es nicht mehr lesen werde, dann wird es der örtlichen Bücherei gespendet, damit andere auch noch eine Freude damit haben… Gleiches gelang mir dann auch mit meiner DVD-Sammlung. Goodbye Ghostbusters!



Ein Buch, das ich sicher niemals hergeben werde…