Montag, 8. Mai 2017

Neunundsechzigster Schritt: Reduzieren, reduzieren, reduzieren

Die Weltreligionen, die Kabbala und ein graues Unterhemd
Nach einem Monat voller Plastiksparen hat sich viel Lust darauf angehäuft, sich dem Thema Minimalismus mal wieder zuzuwenden – immerhin muss ich noch das eine oder andere loswerden, wenn ich mittelfristig die Vision eines Lebens im Mikrohaus umsetzen möchte. Eine kleine Kiste Klamotten habe ich aussortieren und für die Kleidersammlung bereitstellen können – nicht ganz so viel, wie ich gedacht hatte. Noch immer habe ich vergleichsweise viel Kleidung, und das obwohl ich nun das vierte Mal aussortiert habe. Der nächste Schritt wird sein, realistisch aufzulisten, wie viel von jedem Kleidungsstück ich tatsächlich benötige. Manches T-Shirt liegt nie oben auf dem Stapel, habe ich den Eindruck. Auch den Büchern habe ich mich wieder zugewandt. Trotz vieler wieder in den Regalen verbliebener Werke, die ich zwar mit Sicherheit nicht erneut lesen werde, aber irgendwie mit mir verknüpft bleiben wollen, habe ich eine Kiste füllen können, die der Pfarrer der Nachbargemeinde für seinen Bücherflohmarkt gerne entgegennimmt; immerhin war auch ein passendes Buch dabei: „Die Weltreligionen“. Dazwischen habe ich kleiner Schelm zwar auch einen bebilderten Kamasutra-Auszug versteckt, aber, hey, auch Christus aß nicht nur gesäuertes Brot.

Weder CDs, noch DVDs, aber auch aussortiert
Deutlich schwerer zu gehen, entpuppte sich der Schritt zu weniger CDs und DVDs. Ich komme mit elektronisch abgelegter Musik nicht wirklich zurecht. Ich habe meine kompletten CDs bereits digitalisiert. Anfangs waren sie nach Genre, später alphabetisch abgelegt. Leg mal nach Genres ab! Das ist gar nicht so einfach. Das meiste ließ sich nicht wirklich zuordnen und landete dann bei Rock und Pop. Super! Total hilfreich. Also sortierte ich nach dem Alphabet. Nur wer sagt schon: „Och, heute habe ich mal Lust auf Musik, die mit B beginnt“? Ich mag es, meine CD-Cover aneinandergereiht vor mir zu haben. Ich sehe die CD-Rücken. Sie wecken ein Gefühl dafür, welche Stimmung deren Musik in mir weckt. In Sekunden habe ich mein CD-Regal sondiert und wenige Zeit später meine Auswahl getroffen. Das schaffe ich mit dem Handy noch nicht. Vielleicht kommt es noch. Ich habe immerhin schon einen Bluetooth-Receiver für die Stereo-Anlage gekauft (so viel zum Thema Reduktion).
Meine DVDs wollte ich ebenfalls reduzieren. „Ein Hund namens Beethoven“ neben „Highlander“ und „Reservoir Dogs“; da fiel es mir leicht, Auszusortierendes zu identifizieren. Ich bekam den Tipp, Momox und Rebuy mal zu testen. Tat ich. Eine halbe Stunde hatte ich damit verbracht, jene DVDs einzuscannen. Die eine Hälfte der 20 Videos war nicht gelistet, für die andere hätte ich vier Euro noch was bekommen. Insgesamt! Ich habe sie wieder eingeräumt. Lieber verschenke ich sie, als dass ich 18 Stunden – zugegeben teils zweifelhafter – cineastischer Unterhaltung für das Equivalent eines Falafel-Sandwiches plus Kaltgetränk weggebe.

Und gleich isse wech!
Warum überhaupt weggeben? Nur des Mikrohauses wegen? Nein, der Hauptgrund ist unabhängig davon: Es sind Rohstoffe - Unmengen davon -, die in unseren Haushalten vorhanden sind, doch ungenutzt. Kleidung kann weitergenutzt, aber auch recycelt werden. Finden Bücher keinen Leser, so sind sie – auch wenn es mir als Bücherfreund wehtäte – immerhin Altpapier, für das kein Baum gefällt werden muss. Und die goldenen Scheiben – ganz ähnlich wie bei den Büchern: Findet sich kein Sammler, so ist es jedenfalls besser, das Polycarbonat wird recycelt als in meinem Schrank aufbewahrt. Ich muss also nochmal ran,
Wirklich und uneingeschränkt erfolgreich war ich mit dem letzten Schritt: Ich habe ich meine Waage und mein Körperfettmessgerät verschenkt. Zu diesem nicht ganz einfachen Schritt gibt es eine etwas neurotische Vergangenheit, die ihr gerne in meiner Kolumne nachlesen könnt, wenn ihr wollt. Viel Spaß.

Kommentare:

Nadine hat gesagt…

Hallo,
die Marie Kondo Methode kennst du (sie wird auch KonMari genannt)? Hierbei holt man z.B. alle Kleider auf einmal raus und schaut sie durch. Man nimmt jedes Teil in die Hand und schaut, ob es einen glücklich macht. Das was nicht glücklich macht, kommt weg. Bei unserer Kleidung mussten wir dies nur einmal machen, bei den Büchern zweimal (da hatte sich das Glücksgefühl nach rund 1,5 Jahren verändert). Wir haben alle CDs weggegeben (wir nutzen Itunes da hat man auch die CD-Cover), DVDs haben wir nur noch ein paar. Wir schauen Serien und einige Filme online bei Netflix. Als unser Kabel vom Fernseher kaputt ging (für Kabelfernsehen) haben wir kein neues gekauft, da wir normales Fernsehen eh nicht schauen wegen der ganzen Werbung und auch ist bei uns die Qualität schlechter, richtig pixelig teilweise. Wir nutzen für Filme häufig die Bücherei, die haben bei uns auch sehr viele DVDs. Für DVDs, CDs und alte Bücher lohnen sich Rebuy, Momox etc. finde ich auch überhaupt nicht. Ich bin dort für einen guten Preis Kochbücher losgeworden. Das war es dann auch schon. Romane und selbst teure Bildbände sind teilweise nur noch 1 Euro oder weniger wert. Da stelle ich die Sachen lieber in unseren Bücherschrank zum Verschenken.
Ich habe zum Preisvergleich die Seite "wer zahlt mehr" genutzt. Dort werden gleich mehrere Portale zum Preisvergleich herangezogen. Mein Tipp: am selben Tag noch den Verkauf abschließen, am nächsten Tag sind die Sachen oft viel weniger wert (als ob die wüssten, dass man den Preis abgefragt hat).

LG Nadine

Andreas Arnold hat gesagt…

Mit Momox und Co. habe ich dieselbe Erfahrung gemacht. Daher habe ich auch vieles verschenkt, z. B. unserer lokalen Bücherei. Mit den CDs und DVDs wird das auch noch was werden. Im Kopf weiß ich, dass Besitz ohne Nutzung wenig sinnvoll ist. Da ist jedoch ein Areal in meinem Gehirn, dass etwas reaktionär ist, doch es ist auf dem Rückzug ;-)
Meinen Fernseher verschenkt zu haben, habe ich bis heute noch keine Sekunde bereut!
Danke jedenfalls für den Tipp mit der Vergleichsseite. Da schaue ich die Tage gleich mal.