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Donnerstag, 20. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XX

Plastique surpris
Heute wurde eine Flasche Rapsöl leer und damit zum zweiten Glasmüll der letzten 20 Tage. Was ich erst jetzt gesehen habe - auch ein Ergebnis der Fokussierung, die mir "Das Experiment Gelber Sack" verschafft hat -, ist, dass ein Plastikausguss an der Flaschenmündung angebracht ist. Ich habe ihn mit den Zähnen - ja, mit den Zähnen - entfernt und zum Plastik müll gegeben. So etwas halte ich für unnötig. Das unterstellt ja fast schon, dass der durchschnittliche Speiseöl-Kunde eine Mischung zwischen Clumsy Schlumpf und einem Muskel-Tremor-Leidenden ist. Ich bin eher so der Typ Hefty (hüstel) und zittere allenthalben vor Verärgerung über unnötigen Plastikmüll. Darauf werde ich künftig achten.

Hinzugekommen: Ölflasche, Dosierhilfe und Hefebeutel 
Damit sich die Dosierhilfe nicht so einsam auf dem wachsenden Müllhaufen fühlt, dachte ich mir: "Ach, kommt, einen Hefebeutel hast du noch. Mach dir ne Pizza!"
Also habe ich eine Vollkorndinkel-Boden gemacht, den Rest Gemüse, den ich von meinem Markteinkauf am Samstag noch übrig hatte (Zucchini, Möhre, Fenchel), draufgeschnippelt und das ganze mit einer scharfen Cashew-Hefe-Soße übergossen. Nach einer viertel Stunde hatte ich eine super leckere (und ungewöhnlich belegte) Pizza. Dazu gab es einen kleinen Salat mit Radieschen, Lauch und Fenchelgrün, dem zu verdanken ist, dass die Ölflasche leer wurde. Dafür bin ich herrlich satt.


Abendessen - zwei Stücke blieben fürs Frühstück übrig.
Dazu natürlich keinen Wein! Bier, versteht sich ;-)

Donnerstag, 13. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XIII

Mitgedacht
Tag 13, und ich habe aufgegeben. Na ja, richtig aufgegeben natürlich ist. Aufgegeben habe ich jedoch das seit einem halben Jahr laufende Experiment, ein Spülmaschinenpulver zu kreieren, das halbwegs akzeptable Ergebnisse liefert. Nachdem meine Gäste gestern weg waren, wurde eine Ladung in der Maschine fällig. Ich habe in der Vergangenheit alles probiert. Von lange zurückliegenden Experimenten mit Seife in der Maschine, von denen ich stark abraten möchte, bis hin zu sehr ausgereiften Mischungen aus Natron, Soda, Zitronensäure und Kochsalz. Ein wirklich gutes Ergebnis brachte nicht eines dieser Mischungen. Hat jemand eine Idee, wie man ein gekauftes Pulver ersetzt und Geschirr zum Ergebnis hat, dessen Glasbestandteile sich nicht in Milchglas verwandeln und dessen Porzellan sich nicht anfühlt als sei es mit Sand abgeschmirgelt worden. Dazu kommen Wasserflecken auf allen Gläsern und Teile, die einfach nicht sauber werden. Ich bin jetzt erst einmal wieder zurückgekehrt zu Tabs mit wasserlöslicher Folie. Zugegeben, ein unüberlegter Schnellkauf. Pulver in der Pappschachtel wäre ohne Folie ausgekommen und mit Sicherheit auch günstiger gewesen. Ich konnte es aber nicht abwarten. Der Luxus sauberen Geschirrs und von Gläsern, durch die ich sogar durchschauen kann, war einfach zu verlockend.

Das Positive des heutigen Tages: Zwar benutze ich keine Stahlschwämme oder "Abrazzo" für meine Topfe, sondern Natron zum säubern angebrannter Reste, doch ich wollte wissen, ob Kochsalz genauso funktioniert. Von meiner Wurzelgemüsesuppe, die ich gestern gemacht hatte, waren Reste am Boden des Topf festgebrannt. Mit dem Spültuch gingen sie nicht ab. Normalerweise hätte ich Natron mit etwas Wasser als Scheuerpaste verwandt. Dieses Mal nutzte ich ein leicht angefeuchtetes Tuch und gab einen gehäuften Teelöffel Kochsalz in den Topf. Die angebrannten Reste ließen sich nicht minder gut wegscheuern, als hätte ich Natron genommen. Natron kostet ca. 59 Cent, Kochsalz: ca. 39 Cent pro 100 Gramm. Ich kann also fortan meine Töpfe einen Cent günstiger von Brandresten befreien. Davon werde ich eine Woche Urlaub in der Rhön machen. Nur noch 34.499 Töpfe, und ich habe alles zusammen. Es wird wohl das Jahr 3294 werden, 10. September. Vielleicht sieht man sich ja.

vorher
nachher

Mittwoch, 5. April 2017

Das Experiment Gelber Sack V

Nachdem ich nun zwei Tage zuhause gegessen hatten, war heute das leider Unausweichliche dran: Spülen. Passenderweise hatte ich auch kein selbst-gefertigtes Spülmittel mehr auf Vorrat im Schrank, was mich in die Lage versetzt, mein schnelles Rezept kurz vorzustellen: 20 g Kernseife (hier: Klar's Olivenseife, fünf Stück in Papierverpackung - gibt es in Bioläden aber auch unverpackt einzeln) raspeln, ein Esslöffel Natron (Papiertütchen in meinem Fall) dazu und dann zusammen mit 100 ml kochendem Wasser aus dem Wasserkocher in den Mixer. Nach und nach insgesamt 400 ml Wasser hinzu geben und mixen. Auf keinen Fall auf einmal, sonst gibt es einen Geysier aus sanft seidigen Seifenblasen, und keinesfalls weniger Wasser nehmen, sonst geht die Seife zwar in die Flasche, aber nicht ohne Gewalt wieder heraus. Abgefüllt habe ich es in einen (sehr) alten Plastikspender, den ich immer wieder für die Flüssigseife nutze. 

Der einfache Weg zum plastikfreien Geschirrspülmittel
An Müll ist also heute nur anteilig etwas Papier angefallen, das jedoch noch nicht auf den Müll wandern muss. Das Natron-Tütchen ist ja noch nicht leer, und auch in der Seifenpackung sind noch drei Stück Seife übrig, Beide habe ich schon einige Wochen im Haushalt; sie sind ergiebig. Ansonsten war ich brav. Das Frühstück bestand aus eigenem Brot mit eigenem Aufstrich, mittags hatte ich mir einen Salat gemacht, dessen Zutaten ich mir vom Bauernmarkt um die Ecke geholt hatte, und zu Abend gab es Brot und Anti-Pasti, die ich mit meinem eigenen Behältnis bei einem Feinkost-Stand auf dem Markt geholt hatte.

Montagabend war unser monatlicher Alternativer Stammtisch (jeden ersten Montag im Monat, ab 19:00 Uhr, im Café Kaktus in Friedberg). Es kam eine interessante Diskussion zustande. Wenn ich auswärts esse, weiß ich nicht, wie viel Müll für mein Essen anfällt. Ich weiß nicht, welche Verpackungsart und welche Verpackungseinheiten die Küche nutzt. Wie bilanziere ich das beim Thema Plastiksparen/-fasten? Eine gute Frage! Grundsätzlich denke ich, dass die Gastronomie frisches Gemüse vom Markt bezieht, das lose in Kisten geliefert wird. Montagabend gab es jedoch extra für den Stammtisch vegane Optionen in der Speisekarte des Bistros, z. B. eine Soja-Alternative zum Schmand auf dem Flammkuchen. Die gibt es nur in Plastikverpackung. Ich habe also gestern zumindest indirekt Plastikmüll produziert. Auch damit muss ich folglich bewusster umgehen. Einfach auswärts zu essen reicht folglich nicht, um sich der Verantwortung zu entziehen.

Nachtrag vom 06.04.2017
Ich lerne es nie! Die Flüssigseife wird über Nacht wieder zur Festseife. Ein wenig Wasser in die Flasche und gut schütteln, dann wird es was. Nächstes mal lieber zehn Gramm ;-)

Freitag, 1. Januar 2016

Fünfundvierzigster Schritt: Kaffee ohne Umverpackung lokal kaufen und ein letztes Mal Klamotten reduzieren

Ein gutes Trio - ohne Umverpackungsmüll
Ich trinke gerne Kaffee, mittlerweile zwar nicht mehr als alltägliches Frühstücksgebräu, aber doch regelmäßig. Früher trank ich täglich zum Frühstück meine zwei Tassen Kaffee, dazu kam nachmittags die eine oder andere Tasse im Büro und sonntagnachmittäglich der obligatorische Espresso. Durch meine vegane Ernährung habe ich den Frühstückskaffee inzwischen zur wochenendlichen Ausnahme gemacht (Kaffee hemmt die Eisenaufnahme), was mir die Möglichkeit eröffnet, selbigen wieder zu dem Genussmittel zu machen, das er eigentlich sein sollte. Immerhin geht der Kaffee durch zig Hände und wandert einige tausend Kilometer, bis er bei uns ist. Das sollte ein wenig mehr Achtung verdienen. Ebenso, wie die Bauern mehr Achtung verdienen, die sich für unseren Kaffee abschuften. Jetzt, da ich meinen Konsum so stark reduziert habe, kann ich mir nicht nur leisten, einen fair gehandelten Kaffee zu kaufen, sondern auch einen Kaffee, der nicht von den großen Herstellern verarbeitet wurde. Die großen drei Lokalen Wacker, Stern und Gorilla waren lange Zeit meine erste Wahl. Im November hat nun eine Kaffeerösterei in Friedberg eröffnet, die ich gestern besuchen konnte, und ich bin von Golden Brown richtig begeistert. Die Beratung war großartig, freundlich, kompetent, lehrreich. Der Kaffee ist teils direkt bezogen, stammt aus ökologischem Anbau (allerdings noch ohne Zertifikat) und ist gekonnt und mit offensichtlich viel Leidenschaft geröstet. Als das Behältnis geöffnet wurde, das die frisch gerösteten peruanischen Kaffeebohnen enthielt, für die ich mich letztlich entschied, füllte sofort ein Duft den ganzen Raum, der das Herz jeden Kaffeeliebhabers (nicht nur wegen der erwarteten Dosis Koffein) schneller schlagen ließ. Am Abend verkostete ich den frisch gemahlenen und per French Press (wie auch sonst) aufgebrühten Kaffee unseren Silvestergästen, die alle vollends begeistert waren. Zwar glaube ich, dass das Herz des freundlichen Kaffeerösters kurz anknackste, als ich meine mitgebrachte Papiertüte rüber reichte, um meine Kaffeebohnen abfüllen zu lassen. Ich versprach jedoch, sie zuhause Luftdicht umzuverpacken und im Dunkeln zu lagern. Ich glaube, das Herz ist wieder heil, und ich versprechen auf jeden Fall wieder zu kommen. Wer kann schon einer so lokalen Kaffeerösterei widerstehen, dessen Röstaromen fast schon vor der eigenen Haustür lockend wahrgenommen werden können?

"Klamotten auf Stuhl auf Judomatten im Keller"
Stillleben, unbekannter Künstler, vmtl. 2015
Auch nutzte ich den letzten Tag des Jahres, um einen finalen Blick in den Kleiderschrank zu werfen. Wieder habe ich mich von einigen Teilen getrennt, die ich mitsamt der Baumwoll-Tasche, in der ich sie plastikfrei verstaute, dem Roten Kreuz übergab. Beim ersten Aussortieren waren es zielgerecht 50 Teile, die ich weggeben konnte. Der zweite Anlauf brachte nochmal 25 Teile. Dieses mal wurden es 12. Ich glaube, jetzt bin ich durch. An Sportkleidung habe ich zwar noch viel mehr Monturen, als ich theoretisch derzeit brauche; sie sind jedoch für verschiedene Sportarten gedacht: Radler-Monturen, Klamotten für's Fitnessstudio, Laufklamotten, Kampfsporthosen, alles in zwei bis vierfacher Ausfertigung. Die meisten Sportarten betreibe ich episodenhaft und selten parallel. Die Kleidungsstücke wegzugeben, nur weil sie, wie bspw. im Falle der Radlerhosen (insbesondere der pampers-artigen gepolsterten) oder der Fitnessstudioklamotten (Ende der 90er gekauft - Stallone lässt grüßen), seit Jahren nicht getragen wurden, erscheint mir nicht sinnvoll. Vielleicht kaufe ich mir ja mal wieder ein Rad oder gehe Gewichte stemmen. Im Moment reicht mir mein Keller zum Sport machen, doch wer weiß, wohin es mich in Zukunft hintreibt. Die Spannung bleibt, von Episode zu Episode. Auch habe ich mehrfach gezögert, als ich meinen gut gepflegten schwarzen Lederblouson in den Händen hielt, vor vielen Jahren für nicht wenig Geld von meinem Vater geschenkt bekommen. Ich hatte ihm vor Jahren ein neues Innenfutter gegönnt und ihn doch seit dem nicht mehr getragen. Gleiches Zögern galt einem paar Lederstiefeln, die von mir nagelneue Sohlen kredenzt bekommen hatten, bevor mir wieder eingefallen war, weshalb mich die abgelaufenen Sohlen jahrelang nciht gestört hatten: Sie waren viel zu eng. Die Stiefel konnte ich einem schmalfüßigen Freund vermachen, der sie nun sinnvoll nutzen kann, die neuen Sohlen, die mir das Gefühl aufgedrängt hatten, ihnen aufgesetzte Schuhe, trotz der zu geringenGröße, nicht weggeben zu dürfen. Und die Lederjacke? Nun, vielleicht bin ich doch noch nicht durch.

Mittwoch, 13. August 2014

Zwanzigster Schritt - Frühstückserfolg, BPA-freies Eis und Seifenschleier

That's what I call breakfast!
Mittlerweile habe ich mein Frühstück völlig plastikbefreit. Mein Brot stammt höchstens aus einer Papiertüte; meist nehme ich jedoch einen Jute-Beutel mit und lasse mir das Brot dort reinpacken, so dass ich nicht einmal Papiermüll produziere. Meine Gemüseauflagen kaufe ich nur noch konsequent verpackungsmüllfrei. Kaufe ich im Supermarkt ein, und es gibt keinen Salat ohne Plastikhülle, verzichte ich. Was bliebe vom ökologischen Benefit, allein dafür zum nächsten Supermarkt zu fahren? Plastik gespart und dafür unnötig Benzin verbraucht! Der Bauernmarkt ist ohnehin die erste Adresse. Meine herzhaften Brotaufstriche mache ich inzwischen nur noch selbst. Was mittlerweile in den Gläsern ist, straft die Etiketten Lügen. Aus 100 g Soja-Bohnen und 100 g weißen Bohnen, über Nacht in Wasser eingeweicht, mache ich zusammen mit Zwiebeln, Knoblauch, Kreuzkümmel und Koriander in Gemüsebrühe gekocht einen prima Brotaufstrich, an dem ich mich bislang noch nicht satt essen konnte. Die Menge ergibt einen Vorrat von gut vier dieser Gläsern, die ich allerdings einfriere. Ich bin etwas unsicher, ob sie sich im Kühlschrank drei Wochen hielten, da ich ja kein Öl zusetze. Auch getrocknete Tomaten, Oliven und Peperoni zusammen mit dem Filterrest der Mandelmilch gibt einen grandiosen und vor allem schnell zubereiteten Aufstrich. Das Internet ist voll von Rezepten. Die süßen Brotaufstriche kaufe ich derzeit noch - mit Ausnahme meiner Schoko-Kokos-Creme natürlich - aber da wage ich mich als einer der nächsten Schritte ran. Bei den Getränken war ich ja bereits auf Mehrweg-Glasflaschen lokaler Produzenten umgestiegen. Inzwischen bin ich jedoch von Orangen- zu Apfelsaft umgestiegen. Orangensaft ist ja auch wieder Hunderte von Kilometern unterwegs, und die Orangen werden zudem überwiegend zu solchen Spottpreisen eingekauft, von denen kaum ein Bauer im Produktionsland wirklich leben kann. Der Apfelsaft stammt von heimischen Wiesen. Tränke ich weiter Orangensaft, könnte ich auch wegen eines Salates extra in den Nachbarort fahren. Und mir dabei mit Orangen jonglierend bei geöffnetem Fenster die kühlende Brise der aufgedrehten Klimaanlage gönnen! Nope!

Oreo-Eis, vegan & plastikfrei
Ich wollte auch meinen Kindern zeigen, dass man Plastikmüll sparen kann und noch zudem einen echten Gewinn für sich verbuchen kann. Wie ginge das besser als mit Speise-Eis? Mittels Eisbereiter meiner Küchenmaschine haben wir inzwischen Oreo-Eis, Heidelbeer-Eis, Schoko-Eis, Cappuccino-Eis und Vanille-Eis zubereitet. Natürlich jeweils in der veganen Variante. Mandelmilch oder Sojamilch (aus gekochten, pürierten und gefilterten geschälten Soja-Bohnen; aus dem Rest - Okara - kann man bspw. eine Beilage für's Abendessen machen) zusammen mit den gewünschten weiteren Zutaten entweder aufkochen und mit Speisestärke binden oder kalt mit Guarkernmehl, dann mit Agavendicksaft süßen und rein in die Eismaschine. Cremiger wird's mit Mandel- oder Soja-Sahne. Scheint zu schmecken; meine Tochter prahlt damit in ihrem Whatsapp-Profil!
Im Übrigen war ich, gerade wegen der Ernährungsumstellung aber auch wegen der neuen "Zahnpasta" zum ärztlichen Check. Ergebnis: Blutwerte sind bestens. Kein Vitamin- oder Mineralmangel, Cholesterin, Blutfette und Insulinspiegel je im unteren Normbereich, und meine Zähne erfreuen sich bester Gesundheit. Ich scheine alles richtig zu machen. Als Nächstes wende ich mich nochmal dem Spülmittel zu, denn leider ist mein anfängliches Ergebnis nicht verlässlich reproduzierbar. Mal bleibt ein Seifenschleier auf den Gläsern, manchmal nicht. Der Plastik-Regent lässt sich halt nicht überall so einfach vom Thron stoßen wie beim Frühstück.

Donnerstag, 12. Juni 2014

Sechzehnter Schritt - Seife als Geschirrspülmittel

Könnten Geschwister sein!
Nun eine kleine Lehrstunde darüber, wie man sich wirklich mal so richtig selbst in die Nesseln setzt. Das Pulver für die Geschirrspülmaschine ist leer, also denke  ich mir, wir hatten schon von Tabs auf Pulver umgestellt, um Müll zu reduzieren, warum nicht in die Vollen gehen? Also nehme ich ein Stück Kernseife, zerkleinere es, packe es in die Klappe für das Reinigungsmittel und lasse die Maschine arbeiten, was das Zeug hält. Yeah! Am Ende der Zeit fördere ich blitzsauberes Geschirr zu Tage. Das Glas ist wie poliert. Alles bestens. Na, ja, bis auf die Töpfe meiner Freundin. Irgendwas in der Kernseife hat die Griffe malträtiert, so dass sie jetzt aussehen wie die Oberfläche einer Zitrusfrucht. „Schatz, deine Töpfe haben Orangenhaut!“, rufe ich, und begehe damit gleich den zweiten Fehler, nach dem offenkundigen ersten mit der Kernseife. Ich versehe beiläufig, von einem Funken Hoffnung zwar nicht gerade entfacht, die Feststellung, dass die Griffe vermutlich nicht schon werksseitig so waren, mit einem Fragezeichen. Bereits vor der Aussprache dieser Worte gegenüber meiner Freundin winden sich die für logisches Denken zuständigen Areale meines Gehirns wie ein Rudel Aale in einem Schlauchboot. Um die Metaphern zu verknüpfen: Meine Hoffnung wird jäh und wortlos allein durch die Blicke meiner Freundin zerstört, die mit selbigen das Rudel Aale mitsamt Schlauchboot und einem halben See voll eisigen Wassers über mir auskippt und alle Hoffnungsfunken damit löscht. Da der Geschirrspüler anschließend auch nicht mehr funktioniert – ein Teufel, wer da versucht eine Verbindung zu meinem Experiment herzustellen – nutze ich die  Zeit während des Handspülens, mich via Tablet einzulesen, warum man keine reine Kernseite in Geschirrspülmaschinen nutzen sollte. Hat wohl was mit dem Calcium im Wasser zu tun, dass das Natrium in der Seife ablöst und sie damit wasserunlöslich macht. Das Zeug hängt jetzt vermutlich irgendwo in der Maschine. Was die Griffe zerstör hat, weiß ich nicht, aber ich habe während der nächsten Wochen des Handspülens noch viel Zeit, es zu recherchieren.

Chemieküche: Walter White trifft Tyler Durden
Das kleine Unglück bringt aber auch die Gelegenheit, endlich mal ein Handgeschirrspülmittel zu basteln, dass die herkömmlichen plastikverpackten Flüssigspülmittel ersetzt. Zunächst bedarf es neuer Kernseife, da die vorrätige ja nun in der Meschanik der Geschirrspülmaschine hängt. Der Kauf wird zu einem Ausflug in die Welt der Fach- und Fremdsprachen, da die Zutatenliste nicht ohne google für mich unlesbar ist. Die Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe ist abenteuerlich und in meinen Augen unnötig. Wenn ich eine Flasche Gemüsesaft kaufe, steht da drauf, dass er mit dem Saft verschiedener Gemüse hergestellt wurde. Punkt. Warum kann auf einer Seife nicht auch einfach draufstehen, dass sie unter Verseifung von Kokosfett hergestellt ist? Nein, hier muss es unbedingt Sodium Cocoate heißen. Und hätte ich vorher gegooglet, dass SodiumTallowate Seife aus Rindertalk ist, hätte ich sie nicht umtauschen müssen. Spontanität macht mir echt nur Arbeit. Auch das EDTA will ich nicht in meiner Seife. Ich verstehe ohnehin nicht, weshalb der Staat es nicht bannt, wenn er schon empfiehlt, es aufgrund seines schlechten Umweltverhaltens auszutauschen. Wie auch immer. Nun habe ich eine Öko-Kernseife aus dem Reformhaus, und es kann losgehen. Mein erster Versuch besteht aus 30 g Kernseife, die ich in einem halben Liter heißem Wasser auflöse und mit einer Tasse Essig und Zitronensaftkonzentrat versehe. Das Ergebnis ist aus Sicht meiner Freundin phantastisch, da ich jedes Stück Geschirr nachpolieren muss und so meiner gerechte Strafe ein Stück näher bin. Selbst wenn ich das Geschirr noch so gründlich mit klarem Wasser nachbearbeite, es bleibt ein seifiger Film, der nur mit dem Küchenhandtuch wegzubekommen ist. Nach zwei Ladungen Geschirr gebe ich es auf. Das nächste Experiment: Weniger Seife, kein Essig und kein Zitronenkonzentrat mehr, dafür Natron. Ich löse 15 g Kernseife in einem dreiviertel Liter heißem Wasser auf und gebe 10 g Natron hinzu. Das Ergebnis passt. Das Geschirr wird sauber, kein Nachpolieren mehr. Alles Prima. Und sobald die Geschirrspülmaschine repariert ist, probiere ich aus, ob das auch in der Maschine funktioniert. Natürlich nicht mit den Töpfen meiner Freundin drin. Und sicherheitshalber auch nur dann, wenn sie nicht im Haus ist.

Samstag, 19. April 2014

Zwölfter Schritt - Die Käsedosenodyssee

Tupper? Curver? Was ist das?
Heute ist Samstag. Es ist wieder Wochenmarkt. Da ich jedoch ohnehin zum Wasserkauf in den Supermarkt muss, will ich meinen Einkauf komplett dort erledigen. Wie vielerorts gibt es hier direkt nebeneinander vier Supermärkte und einen Getränkemarkt. Wer jedoch ohne Verpackungsmüll und noch dazu in Bioqualität einkaufen will, für den bleiben von den vier Supermärkten nicht viele übrig. Das komplette Warensortiment, mal abgesehen von den Backautomaten, ist bei den Discountern verpackt. Das wenige unverpackte Gemüse ist leider konventionell angebaut. Die beiden anderen führen zumindest loses Gemüse und haben eine Käsetheke, jedoch nur einer davon in Bioqualität. Ich habe meine Stoffbeutel mit und habe sogar eine Edelstahlbox mitgebracht, um meinen Käse verpackungsfrei mitzunehmen. Der Beutel ist schnell voller Obst und Gemüse. Dem Triumph nahe, wähle ich meinen Frühstückskäse und reiche lächelnd meine Edelstahlbox über die Käsetheke.
„Tut mir leid, dürfen wir nicht. Wegen des HACCP!“, sagt die leicht erkältete Dame am Verkauf.
„Oh! Warum das denn nicht?“, frage ich.
„Es könnten Bakterien drin sein. Wir könnten den Hygiene-Standard so nicht erfüllen. Der Chef achtet da sehr drauf“, sagt sie und schnäuzt sich in ein Papiertaschentuch. „Was darf’s denn sein?“, fragt sie und steckt ihr Taschentuch in den Kittel.
Zum Glück trägt sie Handschuhe, denke ich mir, lehne aber letztlich doch ab. Also, Einkauf ins Auto und doch zu Fuß hoch zum Wochenmarkt. Der gute Käsehändler in seinem rollenden Käseladen freut sich mich wieder zu sehen. Der merkwürdige Kerl, der kein Plastik will, ist wieder da, lese ich in seinen Augen. Als ich die Box herüber reiche, packt er den Käse kommentarlos rein. HACCP gibt es hier nicht. Auch keine Handschuhe. Und sicher ist er auch nicht immun gegen Erkältungen. Aber es erscheint mir irgendwie doch etwas geerdeter. Ich weiß, dass er vor meinem Käse das Wechselgeld des Kunden zuvor in der Hand hatte. Er weiß, dass ich das weiß, und dafür erzählt er mir auch nicht, dass sein Käsemesser nach jedem Schnitt abgekocht wird. Der Käse ist ohnehin voller Milchsäurebakterien. Die werden ihr Revier schon zu verteidigen wissen.


Heimischer Glascontainer!
Unsere ehemalige Tupperware-Schublade hat sich inzwischen inhaltlich merklich verändert. Meine Freundin und ich müssen uns zwar aufwärmen, wenn wir das gefühlte 50 Kilo wiegende Ding öffnen wollen, ohne Muskelzerrungen zu riskieren, doch dafür gibt es jetzt kein Lebensmittel mehr, das wir in Plastik aufbewahren. Kühlschrank, Gefrierschrank, beide sind inzwischen mit Glas und Edelstahl voll. Das eine oder andere haben wir dazu gekauft, vieles haben wir jedoch einfach nur nicht in den Glascontainer geworfen. Wenn der Gesetzgeber das mitbekommt - bitte lesen Sie nicht weiter, Herr Dr. Schäuble -, wird es sicher eine Steuer für die Mehrfachnutzung von Einwegverpackungen geben. Ich sehe mich schon bei meiner Steuererklärung angeben, wie oft ich Gurken-, Marmeladen- und Pesto-Einweggläser mehrfach genutzt habe, denn sie eigenen sich nicht minder gut zum Aufbewahren von Resten des Vortags oder dazu, selbstgemachte Soßen-, Brotaufstriche und ähnliches längere Zeit zu konservieren. Warum 19% Mehrwertsteuer auf ein neues Einweckglas zahlen, wenn ich es auch zu sieben Prozent zu meinen Sauerkirschen hinzubekomme - ich sagte doch, sie sollen nicht weiterlesen. Pfui! - Kein Müll, keine Unkosten, keine Stoffe, die ins Essen abgesondert werden … was will man mehr? - Ja, ich weiß, weitere 12% Steuer wollen SIE, Herr Doktor!

Sonntag, 19. Januar 2014

Dritter Schritt - Plastikbehälter, Brotboxen & Co.

Eine von vielen Schubladen
Der Verzicht auf PET-Flaschen ist ein guter Schritt. Immerhin sind die Lebensmittel dort sehr lange aufbewahrt, was auch bedeutet, dass der Übergang von Giftstoffen wie Weichmachern vergleichsweise groß ist. Größer jedenfalls als bei all den Plastikdosen, die sich zum kurzfristigen Aufbewahren von Resten oder von Aufschnitt in meinem Schrank befinden. Dennoch muss ich auch darauf einen Blick werfen. Für die Prüfung ist es nötig, mich zuerst mal mit den Recycling-Codes vertraut zu machen, die auf Wikipedia schnell zu finden sind. Die meisten Behälter in den Schubladen haben PE oder PP-Codes, sind also "nur" die Orks unter den Kunststoffen, um beim eingangs verwandten Tolkien-Thema zu bleiben. Ein Uruk-hai ist jedoch darunter: Ausgerechnet meine schöne dreiteilige Aufschnittbox hat den Code 7 - PC (Polycarbonat), vor dem der BUND in einer Broschüre wegen des Bishenol-A (BPA) eindringlich warnt. Weg damit aus der Küche. Schade eigentlich. War ein Geschenk zur Hochzeit. Aber die Frau ist ja auch weg. Ha, ha.
Ersatz habe ich bereits. Und was das Plastik angelangt auch: Es werden Edelstahlbrotboxen, Einmachgläser und Pressglasboxen für den Kühlschrank sein. Sukzessive werde ich alle Plastikbehältnisse gegen Glas, Keramik und Edelstahl ersetzen. Das ist jedoch auch eine Frage des Geldbeutels. Also nichts, was ich von heute auf morgen erledigen könnte. Schritt für Schritt eben. Wegwerfen kommt natürlich nicht in Frage. Künftig wird schlichtweg keine Nahrung mehr darin aufbewahrt.

Abschließend noch ein Wort an die Vielen aus meinem und dem Umfeld meines Freundeskreises, die sich in Facebook, über Mails und persönlich mit meinem Vorhaben auseinandergesetzt hatten: Danke für eure vielen motivierenden Worte, aber auch für die kritischen Stimmen. Natürlich bin ich mir im Klaren, dass ein vollständiger Plastikverzicht in der heutigen Zeit kaum mehr möglich ist. Das Netbook, auf dem ich schreibe, besteht größtenteils aus Plastik, mein Fernseher, mein Telefon. In diesem Blog zu schreiben, wäre ohne Plastik nicht möglich. Gleichwohl es möglich ist, das Wegwerfplastik zu reduzieren und das Plastik in Küche und Bad nahezu völlig zu entfernen. Das ist mein erstes Ziel, und wer weiß, Tastaturen gibt es ja schon in einer hölzernen Bambusschale, vielleicht geht es ja noch weiter.