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Donnerstag, 15. Juni 2017

Siebzigster Schritt: Reuse, Farm & Eat

Um es vorweg zu nehmen: Nein, ich bin nicht unter die Fischer gegangen. Es handelt sich nicht um die Reuse zum Fischfang, sondern um das englische Reuse, also Wiederverwenden. Es geht jedoch um Essen (Fische sind kein Essen - Fische sind Freunde) und zwar um Gartengemüse. 

Gut zwei Meter hoch :)
Vor vier Wochen hatte ich mir mein Gartengrundequipment zusammengeschnorrt, das ich brauchte, um ein Gewächshaus für meine selbst gezogenen Tomaten zu bauen und um sie an Spiralen hochwachsen zu lassen. Kaum dass sie groß genug waren, stellte sich die Frage, wo ich sie eintopfen sollte. Die Devise blieb nämlich die gleiche: Davon ausgehend, dass es unzählige Menschen geben muss, die allerlei Dinge ungenutzt bei sich rumliegen haben, muss es auch unzählige Menschen geben, die große Töpfe für meine Tomaten übrig haben. Dachte ich! Diese Menschen leben jedoch offensichtlich nicht in der Wetterau. Also musste ich etwas länger darüber nachdenken und kam dann auf die Idee, statt Töpfe zu kaufen, die es en masse aus Kunststoff gibt und deutlich teurer aus Ton, schaue ich mich einmal um, wo es passende Gefäße noch geben mag. Beim Bäcker um die Ecke wurde ich dann fündig, als ich am Tag der Abholung der gelben Säcke an seiner Backstube vorbei ging. 10-Liter-Eimer, in denen vormals alle möglichen Konfitüren und Obstpürees enthalten waren. Also habe ich gefragt, ob ich sie mitnehmen kann. Aus lauter Dankbarkeit bekam ich gleich acht Stück, die noch nicht in einem gelben Sack waren. 

Gartenecke I
Was für eine Riesenmenge Müll! Es wurde mir erst an diesem Tag so richtig bewusst, was in Bäckereien, Metzgereien, Restaurantküchen und ähnlichen lebensmittelverarbeitenden Handwerken für ein immenser Müll anfallen muss. Auf die Portion heruntergerechnet aufgrund der Großgebinde zwar immer noch deutlich weniger als in einem Ein-Personen-Durchschnittshaushalt, vermute ich, aber was macht der Zero-Waste-Bemühte, wenn er auswärts essen muss? Das Brötchen ohne Tüte zu nehmen und den Kaffee im eigenen Becher, ist zwar wichtig und richtig, aber von sich zu behaupten, keinen Müll produziert zu haben, offensichtlich ein Selbstbetrug. Immerhin weniger als jene, die die Tüte angenommen und den Plastik-Papp-Becher genutzt haben, aber es ist eben auch nicht müllfrei, wenn indirekt welcher anfällt. Vielleicht sollten wir das nicht zu ernst nehmen. Zuhause Zero-Waste umzusetzen ist mit das Beste, was man für die Umwelt tun kann. Das schmälert auch, dann und wann auswärts zu essen, nicht.

Gartenecke II
Meine restlichen Töpfe und Blumenkästen habe ich gänzlich aus Free-Your-Stuff-Gruppen, vom Sperrmüll oder von Freunden geschenkt bekommen, die sie im Keller oder in der Gartenhütte ungenutzt herumstehen hatten. Auch habe ich Pflanzen, Ableger und Samen nahezu ausschließlich von Freunden bekommen. Sogar die Pflanzenerde habe ich in zahlreichen Eimern abgefüllt die drei Stockwerke bis zu meiner Terrasse hochgeschleppt. Im Ergebnis habe ich jetzt nicht nur Tomaten, auch Pflücksalat, Zuckererbsen, weiße Bohnen, Erdbeeren, Stachelbeeren, Heidelbeeren, Paprika, Minze, Melisse, Schnittlauch, Rote Beete, gelbe und grüne Zucchini, Kohlrabi und Salbei in zahlreichen Töpfen und Kästen auf meiner Dachterrasse, ohne irgendeinen Müll produziert oder Dinge unnötig gekauft zu haben. Darüber bin ich sehr glücklich. So sehr, dass ich einige Töpfe ganz altruistisch mit einer Blumenmischung besäht habe und Bienen in einem Insektenhotel freie Kost und Logis anbiete. 

Auch wenn mein Gemüsehändler samstags etwas traurig schaut, wenn ich bei ihm einkaufe, es ist traumhaft, einfach auf die Terrasse gehen zu können, sich zwei Handvoll Zuckerschoten zu ernten und ein Abendessen zu haben. Frischer, leckerer, ökologischer und zero-wastiger geht es nicht.

Immerhin die Pilze habe ich gekauft - verpackungsfrei versteht sich

Dienstag, 18. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XVIII

Tomaten & Co. warten auf den "Freigang"
Dieses Jahr möchte ich unter die Gärtner gehen. Ich habe mir extra ein Buch über Urban Gardening gekauft. Was völlig sinnlos war: Nach der Lektüre musste ich feststellen, dass auch der urbane Gärtner mit Erde, Wasser und Dünger arbeitet. Sei's drum. 
Mitte März hatte ich in einer Anzuchtstation die ersten Samen gesäht (oder Saaten gesamt?). Um kein Plastik für mich produzieren zu lassen, hatte ich in unserer lokalen Free-Your-Stuff-Gruppe nach einer gefragt und sie auch rasch bekommen (Ganz toll, sogar mit jede Menge Saatgut dabei). 
Mittlerweile sind die Bohnen schon draußen. Für sie hatte ich gestern in der Gruppe aus gleichen Motiven gefragt, ob jemand Rankgitter hat. Auch das hat geklappt (Ganz toll, sogar mit zwei Ostereiern dran). 
Jungpflanzen werden an Rankgitter und -spiralen herangeführt
Meine Tomaten habe ich inzwischen schon umgetopft. Sie wachsen super. Auch sie brauchen Spiralen, an denen sie hochwachsen können. Ich hatte nach welchen gefragt. Ich habe auch sie heute abholen können (Ganz toll, sogar insgesamt sechs Stück). 
Da Tomaten nicht nass werden dürfen, weil sie sonst Braunfäule bekommen (Krass, wie schaffen es Tomaten ohne Menschen zu überleben. Das ist ja fast wie bei Goldfischen. Die überleben auch ohne Menschen nicht in ihrem Aquarium, wie ich als Kind feststellen musste. Ich vermisse dich, Goldie! Tut mir leid, Mann!), habe ich ihnen ein Gewächshaus gebaut, aus alten Folienresten, alten Vierkanthölzern und neuen Nägeln. Vollkommen ohne neues Plastik und voller Recycling! Das war vor gut vier Wochen. 

Selbstgebautes Gewächshaus kurz vor der Fertigstellung
Heute komme ich nachhause und wundere mich beim Blick aus dem Fenster, dass meine Dachterrasse irgendwie verändert wirkt. Mein Gewächshaus lag in der Mitte und auf dem Rücken. Heute Morgen stand es noch, und zwar am Rand und auf seiner Unterseite. Es scheint, als sei es nicht so clever gewesen, die Folie nicht auch unten festzunageln und dem gewütet habenden Sturm Angriffsfläche zu geben. Ob ich verärgert bin? Erstaunlicherweise nicht! Meine Holzkonstruktion hat es unbeschadet überstanden. Ein Zeugnis meiner handwerklichen Fähigkeiten, das für mich und alle anderen Menschen, dich mich kennen, total überraschend kommt. Immerhin hatte ich gut fünf Stunden gebraucht, diesen einfachen Kasten von 100 cm x 150 cm x 200 cm zu bauen, und ich fiel  
Selbstgebautes Gewächshaus kurz nach dem Sturm
sogar einmal von dem Gartenstuhl (Arbeitsschutz!) herunter, auf dem ich stand, um die oben befindlichen Hölzer zusammenzuschrauben, da sich meine Birkenstocksandalen (Arbeitsschutz!) mit dem Handlauf verhakt hatten. Zum Glück war ich in die Lücke zwischen Kappsäge und Zuschnittresten gefallen (Arbeits ... ach, ihr wisst schon!) und blieb unverletzt. Auch deshalb bin ich nicht verärgert, weil es zu einem so frühen Zeitpunkt den Sturmtest nicht bestanden hatte. Selbst wie ein Sturm gewütet hätte ich mit Sicherheit, wenn die Tomaten schon drinnen gewesen wären, als der Sturm zugeschlagen hätte. Dann wäre vermutlich das tägliche, liebevolle Umsorgen meiner Pflanzen für den Eimer gewesen.
In den nächsten Tagen frage ich dann mal nach weiteren Folienresten. Dir gebe ich's, Sturm!

Samstag, 15. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XV

Glas- und Plastikmüll von 15 Tagen
Heute war formell Halbzeit bei meiner Teilnahme an "Das Experiment Gelber Sack". Deshalb habe ich es krachen lassen und Müll gemacht. Nicht nur, dass ich die Rotweinflasche, die ich vor Wochen geöffnet hatte, endlich zum Müll tun kann, ich habe auch noch das gestern begonnene Pestoglas zusammen mit einer Freundin geleert. Und um das virtuelle Partyhütchen mit den Luftschlangen richtig wirbeln zu lassen, habe ich auch was für den gelben Sack produziert. Party at the waste maker's studio!


Dieser Samstag war mein Küchentag. Ich habe zunächst gestern eingeweichte Sojabohnen gekocht und daraus Sojamilch gemacht. Dann habe ich Auberginen mit Zwiebeln und Knoblauch in der Pfanne angebraten (Ja, ich war auf dem Markt. Yipee!) und mit Rotwein abgelöscht (Müll No. 1).
Ausbeute von fünf Stunden Küchenarbeit
Aus der einen Hälfte wurde zusammen mit dem Rest Pesto (Kein Müll, da Wiederbenutzung) und innovativ gar gezogenen Spirelli ein Mittagessen für meinen Gast und mich, die andere verarbeitete ich mittels Rührstab zusammen mit dem Okara und Gewürzen zu fünf Gläsern Brotaufstrich, die ich, während ein Sauerteigbrot am Backen war, auf dem Boden des Ofens in einer Wasserschale einmachte. Da wir nicht eine Stunde lang in die Röhre schauen wollten, machten wir noch Seitan-Sojagries-Schnitzel und marinierten sie mit einer Espresso-Chili-Mischung. Die kommen morgen neben Elterns Osterlamm auf die Seite des Grills, an der anti-carnistischer Pazifismus dominiert. Die Restwärme des Ofens nutzte ich, um aus der Sojamilch für Morgenabend, wenn mich eine weitere Freundin besucht, Joghurt (Fermenttütchen = Müll No. 2) zu machen, denn es wird Frankfurter Grüne Soße und Kartoffeln geben.
Die "echten" Feiertage können kommen :)


Da versteckt sich das Pestoglas bis zur erneuten Nutzung!

Dienstag, 4. April 2017

Das Experiment Gelber Sack IV

Zucchini-Lauch-Aufstrich
Zu frischem Brot gehört frischer Aufstrich. Aus angebratenen Zucchini und Lauch sowie etwas Salz und Pfeffer habe ich mir drei Gläser selbst gemacht, anstatt welche im Bioladen zu kaufen. Um sie haltbar zu machen, habe ich die gefüllten Gläser zehn Minuten im Backofen sterilisiert, bevor ich sie zugeschraubt habe. Da ich kein Risiko eingehen wollte - immerhin ist mein Kühlschrank noch immer ausgeschaltet - habe ich eine Schicht Rapsöl darauf gegeben, um dem Sauerstoff, irgendwelchen Schimmelsporen oder Bakterien auch wirklich keine Chance zu geben, dem Aufstrich ein Leid zuzufügen. Ich bin gespannt, ob die drei Gläser, ohne ihren Geschmack zu verändern oder schlecht zu werden, die zwölf Tage schaffen, bis ich die letzte Messerspitze aus ihnen gegessen haben werde.

Frühstücksduo
Zusammen mit selbst gemachter Schokocreme (Sonnenblumenöl, Kakaopulver, Haselnüsse und Puderzucker) war das ein prima Frühstück.
Ansonsten gab es mittags papierverpackte Nudeln, die ich von Mein-Müsli-Laden noch hatte, dazu ganz simpel Knoblauch, Chili und Olivenöl, und abends Reste.
Der Tag war also völlig müllfrei. Das freut mich :)

Montag, 3. April 2017

Das Experiment Gelber Sack III

Der erste Plastikmüll
Tag drei der Plastikfastenzeit, der erste Tag, den ich zuhause verbracht hatte, und gleich der erste mit Plastikmüll. Ihn zu produzieren, produzierte jedoch auch Gedanken dazu.
Einmal die Woche backe ich Brot. Dazu braucht es Hefe oder Sauerteig. Sauerteig kann man wunderbar selbst machen. Letztlich funktioniert er auch durch Hefen, doch sind es Wildhefen, die am Korn anhaften.
Vorteil: Getreide habe ich in Zweieinhalb-Kilo-Säcken plastikfrei zuhause.
Nachteil: Er braucht Vorbereitungszeit, die ich nicht hatte. Ich war das Wochenende ja nicht zuhause. Zudem wollte wollte ich ja frühstücken. Also habe ich ein Tütchen Trockenhefe verwandt, das nun den unberührten Boden meiner Sammelstelle verunziert.

Das vermutlich letzte Brot, das Plastikmüll produzierte.
Für kommenden Samstag werde ich mich am Sauerteigbrot versuchen. Ein Rezept habe ich auf Smarticular gefunden und auch gleich die passende Anleitung, wie der Sauerteig durch dörren haltbar gemacht wird. 100 Gramm habe ich schon angesetzt und bin gespannt, wann es zu blubbern beginnt.
Auf mein Brot zum Frühstück hatte ich mich jedoch - trotz einmaligen Müllverursachens - nicht minder gefreut: Dinkel-Haferflocken-Brot mit Gartenkräutern.

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