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Montag, 8. Mai 2017

Neunundsechzigster Schritt: Reduzieren, reduzieren, reduzieren

Die Weltreligionen, die Kabbala und ein graues Unterhemd
Nach einem Monat voller Plastiksparen hat sich viel Lust darauf angehäuft, sich dem Thema Minimalismus mal wieder zuzuwenden – immerhin muss ich noch das eine oder andere loswerden, wenn ich mittelfristig die Vision eines Lebens im Mikrohaus umsetzen möchte. Eine kleine Kiste Klamotten habe ich aussortieren und für die Kleidersammlung bereitstellen können – nicht ganz so viel, wie ich gedacht hatte. Noch immer habe ich vergleichsweise viel Kleidung, und das obwohl ich nun das vierte Mal aussortiert habe. Der nächste Schritt wird sein, realistisch aufzulisten, wie viel von jedem Kleidungsstück ich tatsächlich benötige. Manches T-Shirt liegt nie oben auf dem Stapel, habe ich den Eindruck. Auch den Büchern habe ich mich wieder zugewandt. Trotz vieler wieder in den Regalen verbliebener Werke, die ich zwar mit Sicherheit nicht erneut lesen werde, aber irgendwie mit mir verknüpft bleiben wollen, habe ich eine Kiste füllen können, die der Pfarrer der Nachbargemeinde für seinen Bücherflohmarkt gerne entgegennimmt; immerhin war auch ein passendes Buch dabei: „Die Weltreligionen“. Dazwischen habe ich kleiner Schelm zwar auch einen bebilderten Kamasutra-Auszug versteckt, aber, hey, auch Christus aß nicht nur gesäuertes Brot.

Weder CDs, noch DVDs, aber auch aussortiert
Deutlich schwerer zu gehen, entpuppte sich der Schritt zu weniger CDs und DVDs. Ich komme mit elektronisch abgelegter Musik nicht wirklich zurecht. Ich habe meine kompletten CDs bereits digitalisiert. Anfangs waren sie nach Genre, später alphabetisch abgelegt. Leg mal nach Genres ab! Das ist gar nicht so einfach. Das meiste ließ sich nicht wirklich zuordnen und landete dann bei Rock und Pop. Super! Total hilfreich. Also sortierte ich nach dem Alphabet. Nur wer sagt schon: „Och, heute habe ich mal Lust auf Musik, die mit B beginnt“? Ich mag es, meine CD-Cover aneinandergereiht vor mir zu haben. Ich sehe die CD-Rücken. Sie wecken ein Gefühl dafür, welche Stimmung deren Musik in mir weckt. In Sekunden habe ich mein CD-Regal sondiert und wenige Zeit später meine Auswahl getroffen. Das schaffe ich mit dem Handy noch nicht. Vielleicht kommt es noch. Ich habe immerhin schon einen Bluetooth-Receiver für die Stereo-Anlage gekauft (so viel zum Thema Reduktion).
Meine DVDs wollte ich ebenfalls reduzieren. „Ein Hund namens Beethoven“ neben „Highlander“ und „Reservoir Dogs“; da fiel es mir leicht, Auszusortierendes zu identifizieren. Ich bekam den Tipp, Momox und Rebuy mal zu testen. Tat ich. Eine halbe Stunde hatte ich damit verbracht, jene DVDs einzuscannen. Die eine Hälfte der 20 Videos war nicht gelistet, für die andere hätte ich vier Euro noch was bekommen. Insgesamt! Ich habe sie wieder eingeräumt. Lieber verschenke ich sie, als dass ich 18 Stunden – zugegeben teils zweifelhafter – cineastischer Unterhaltung für das Equivalent eines Falafel-Sandwiches plus Kaltgetränk weggebe.

Und gleich isse wech!
Warum überhaupt weggeben? Nur des Mikrohauses wegen? Nein, der Hauptgrund ist unabhängig davon: Es sind Rohstoffe - Unmengen davon -, die in unseren Haushalten vorhanden sind, doch ungenutzt. Kleidung kann weitergenutzt, aber auch recycelt werden. Finden Bücher keinen Leser, so sind sie – auch wenn es mir als Bücherfreund wehtäte – immerhin Altpapier, für das kein Baum gefällt werden muss. Und die goldenen Scheiben – ganz ähnlich wie bei den Büchern: Findet sich kein Sammler, so ist es jedenfalls besser, das Polycarbonat wird recycelt als in meinem Schrank aufbewahrt. Ich muss also nochmal ran,
Wirklich und uneingeschränkt erfolgreich war ich mit dem letzten Schritt: Ich habe ich meine Waage und mein Körperfettmessgerät verschenkt. Zu diesem nicht ganz einfachen Schritt gibt es eine etwas neurotische Vergangenheit, die ihr gerne in meiner Kolumne nachlesen könnt, wenn ihr wollt. Viel Spaß.

Dienstag, 28. Februar 2017

Fünfundsechzigster Schritt: Einfach mal immer wie auf Camping

"Plastikfrei Kaffetrinken? Tu ich doch. Ist doch ein Pappbecher!", dachte ich lange Zeit. Warum ich mir nie Gedanken machte, weshalb meine Paketlieferungen, die der Paketbote (vermutlich aus purer Gemeinheit) stets in den Regen stellt, wenn ich nicht da bin, durchgeweicht sind und von mir in Stücken rein getragen werden müssen, aber der Coffee-to-Go-Becher stundenlang erst heißen, dann kalten Kaffe aufbewahren kann, ohne auch nur einen Tropfen ungewollt zu verlieren, weiß ich nicht. Ist wohl auch gewollt, dass man sich als Konsument eines guten Gewissens sicher sein darf. Unwissenheit ist manchmal etwas "Tolles". Tatsächlich besteht so ein Becher zu 5% aus einer innenwandigen Kunststofffolie, meist aus Polypropylen (PP). Die potentiell gute Nachricht: Landete der Becher im Gelben Sack, könnte der Papieranteil aufgelöst werden (ja, durch Wasser) und das PP recycelt werden. Die schlechte Nachricht ist: Die meisten Becher landen nicht im Gelben Sack, sondern im Restmüll, wo sie zur Energiegewinnung in Müllverbrennungsanlagen verbrannt werden. Die noch schlechtere Nachricht ist: Selbst wenn sie im Gelben Sack landeten, würde die Hälfte davon dennoch verbrannt. Das ist zwar kein Grund, den Müll nicht zu trennen, denn immerhin wird die andere Hälfte recycelt. In dieser Hälfte sind mit hoher wahrscheinlich rohstofflich reine "Abfälle". Ein mit Energieaufwand zunächst zu trennender Verbundstoff wie ein Einwegbecher ist vermutlich ein Kandidat, der eher gänzlich für die Verbrennung aussortiert würde. Wohlgemerkt sind sowohl Papier als auch PP recyclingfähig und mit der Verbrennung unrettbar für den Wertstoffkreislauf verloren. Der beste Weg ist daher, den Müll gar nicht erst entstehen zu lassen. Und wie? 
Eine für mich sehr hübsche Methode bedarf einer kurzen Vorgeschichte zur Erläuterung. Ich hasse Camping. Nichts gegen die Natur, in der ich mich wirklich sehr gerne aufhalte. Alle die schönen Geräusche: Das Knacken der Äste, das Rascheln von kleinen Nagerfüßlein im trocken Laub, all die Rufe der liebreizenden tierischen Waldbewohner ... stören mich nachts im dünnwandigen Zeit so sehr, dass ich selbst auf Festivals entweder im Wohnmobil oder im Hotel bin. Bah! Doch wer nie Campen war, kann nicht mitreden. Ich campe daher zu jeder Zeit zumindest materiell ein wenig. In der Lite-Variante, aber dafür ununterbrochen. Wenn ich weiß, dass ich unterwegs Kaffee trinken werde, führe ich in meiner Umhängetasche meinen Camping-Thermobecher mit, also beispielsweise auf Poetry-Slam-Tour, wenn ich lange per Bahn oder Auto unterwegs bin. Statt den "Pappbecher" im Bahnhof oder an der Tankstelle füllen zu lassen, verwende ich meine nachhaltige Alternative. Und der Kaffee bleibt dann auch länger heiß!
An dieser Stelle stelle ich gleich mein Camping-Besteck mit vor, das ich tatsächlich immer dabei habe. Ich liebe die Blicke an den Imbissbuden, wenn ich Plastik- oder im besseren Fall Holzspießchen und -gäbelchen ablehne, um damit zu essen, und ich freue mich darauf, irgendwann einen zweiten Menschen mit eigenem Besteck zu treffen. Vielleicht können wir dann die Logos der ebenfalls mitgeführten gebrauchten Papiertüten vom Bäcker vergleichen wie andere ihre exponierten Chronographen!


Wenn ich es vermeiden kann, trinke ich meinen Kaffee nicht unterwegs, sondern am liebsten zuhause oder im Büro, wo ich Zeit habe, den Kaffee auch vernünftig zuzubereiten und in Ruhe zu genießen. Was 5.000 Kilometer zu uns unterwegs ist, sollte auch als Genussmittel wahrgenommen werden. Für zuhause habe ich mir wieder mal etwas geleistet: Einen Filteraufsatz aus Porzellan für die Tasse. Es ist mir nämlich zu arbeitsaufwändig, immer die Ein-Liter-Frenchpress zu reinigen, wenn ich nur eine einzige Tasse trinken möchte. Für den Filteraufsatz hatte ich bei meinen Eltern noch einen ungenutzten Dauerfilter aus Nylon gefunden, den ich anstelle von Einmalfilter aus Papier nutze. So fällt tatsächlich nur der Kompost durch meinen umverpackungsfrei erworbenen Kaffee an. Im Frühling wird er mit Pflanzerde vermischt und als Dünger für meine Gemüsepflanzen auf der Terrasse genutzt.
Für den Becher zuhause, ebenso wie für den Becher für unterwegs, gilt jedoch folgendes: Wenn ich ihn nach der Nutzung immer in die Spülmaschine stecke, vernichte ich die vorteilhafte Ökobilanz, wie eine niederländische Studie festgestellt hat. Die gute Nachricht ist, einfach nur einmal die Woche statt nach jeder Nutzung in den Geschirrspüler damit und die restlichen Tage schlicht mit Wasser ausspülen, und alles ist gut.  
Warum trinke ich meinen Kaffee am liebsten selbst zubereitet? Nun, er darf nicht mit Wasser überbrüht werden, das heißer ist als 94 Grad, sonst lösen sich die Bitterstoffe heraus. Auch darf das Wasser nicht kälter als 84 Grad sein, da sich die Aromen sonst nicht herauslösen. Der Mahlgrad des Pulvers für die Frenchpress muss grob sein, der für die manuelle Filterung mittel, für Mokka aus der Mokkakanne fein, aber nicht zu fein. 20 Gramm Pulver pro großer Tasse (drittel Liter) mit dem Porzellanfilter, 40 Gramm für den Liter in der Frenchpress. Erklär das mal an der Tankstelle!

Heute ist übrigens meine zweiwöchentliche Kolumne in der Wetterauer Zeitung gestartet. Blogeintrag und Kolumne drehen sich immer um das gleiche Thema und erscheinen parallel. Es gibt also nun alle zwei Wochen dienstags auch einen neuen Blogeintrag, der das Thema der Kolumne etwas vertieft. Hat sie jemand gelesen? Ich freue mich über eure Kommentare hier im Blog oder auf Facebook.


Mittwoch, 26. Oktober 2016

Achtundfünfzigster Schritt: Weniger schleppen

Drei Umzugskisten weniger!
Ein Umzug ist - zumindest für mich - nichts Schönes. Ich nehme mir die Umgebung, in der ich mit einem Handgriff alles erreiche, was ich brauche, und platziere mich in eine neue, in der ich eine solche komfortable Wohnsituation erstmal wieder herstellen muss.
Ein Umzug bietet aber auch die Möglichkeit, den einen oder anderen Hausrat zu überdenken, der sich im Laufe der Zeit angesammelt hat. Seit Jahren sammelt mein Vater alle Zeitungsartikel, die mit mir in Verbindung stehen. Das ist sehr schön, und zudem gibt es mir die Chance nun auf eine Pressemappe zu blicken, die bis in meine künstlerischen Anfangszeiten zurückreicht. Allerdings sind es auch vier schmale Aktenordner, die Platz brauchen.
"Was ist der Kern der Zeitungsartikel?", habe ich mich gefragt. Der Inhalt oder das Papier? Die Frage war leicht zu beantworten. Ich habe sie nun alle eingescannt und auf dem Rechner gesichert. Sie sind nun nicht nur mehr dem Zerfall preisgegeben - einige begannen tatsächlich schon zu gilben -, sondern auch recherchierbar.
Eine halbe Bananenkiste weniger in die neue Wohnung zu schleppen!

Beim Verpacken meiner Schuhe ist mir aufgefallen, dass ich sehr viele Schuhe habe, deren Sinn offensichtlich nur noch war, einen Schrank zu füllen. Darunter waren Schuhe, die mir nicht mehr gefielen, solche, die ich nicht trug, weil sie unangenehm zu tragen waren, und drei paar Laufschuhe, die nach ihren 700 bis 800 Kilometern Nutzungsstrecke zwar nicht mehr zum Sport taugen, aber als Freizeitschuh nicht zu beanstanden sind. Acht Paar Schuhe habe ich nun aussortiert und werde sie zum Deutschen Roten Kreuz bringen. Auch sind wieder ein paar Kleidungsstücke in die DRK-Kiste gewandert, obwohl nach der letzten Aussortierung nicht mehr viel da war. Sichtferne Kellerschränke birgen da jedoch noch Potential.
Zwei Bananenkisten weniger in die neue Wohnung zu schleppen!

Zuletzt fielen mir beim Sichten meines Büros vier DVD-CD-Ordner in die Hände, darin zahlreiche unbeschriftete Disks, Sicherheitskopien der letzten 20 Jahre, Filme, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte, und bei genauem Überlegen, vermutlich auch nicht mehr anschauen werde und vor allem zahlreiche in Formaten, die heute gar nicht mehr nutzbar sind, wie VCD und SVCD (Filme in Briefmarkengröße auf meinem Fernseher). Ich habe einen Abend lang aussortiert und gut 160 Discs weggeworfen. Natürlich nicht in den Hausmüll! Gut, erst schon in den Hausmüll. Dann hatte ich recherchiert und festgestellt, dass das Polykarbonat ein wichtiger Rohstoff ist, der nach der Müllverbrennung verloren wäre. Also habe ich die CD-s wieder rausgeholt und werde sie mit der nächsten Sendung zu recycelnder Druckerpatronen zum Recycling geben.
Eine weitere halbe Bananenkiste weniger in die neue Wohnung zu schleppen!

Fazit: Ich habe drei Kisten weniger in die neue Wohnung zu schleppen, habe etwas Gutes für die Gesellschaft getan, muss mich mit diesem unnötigen Ballast nicht mehr belasten und darüber hinaus, eine Redewendung erweitert. Immer wieder höre ich: "Was du ein Jahr nicht, genutzt hast, trenne dich davon!" Eine der unbeschrifteten CDs hatte ich bestimmt zehn Jahre nicht genutzt und bin sehr froh, sie nicht ungesichtet entsorgt zu haben. Es waren teils 15 Jahre alte Bilder meiner Kinder enthalten, von denen ich nicht einmal wusste, dass ich sie habe. Das war ein schönes halbstündiges Schwelgen in Erinnerungen, nachts um eins, bevor ich weiter Zeitungsartikel einscannen musste. Bis kurz nach drei!

Sonntag, 25. September 2016

Siebenfünfzigster Schritt: Fighting the Spider Web App!

Erstaunlich, was sich im Laufe der Jahre ansammelt. Immerhin fünf Mobiltelefone, vier davon verdienen sogar die Bezeichnung Smartphone, befanden sich in zahlreichen Schubladen meines Heims und bilden nun einen anschaulichen Stapel auf meinem Schreibtisch. Die letztgenannten vereint die erfolgreiche Installation der Spider Web App mittels mechanischer Installationsroutine. Bei den jüngeren der Geräte lohnte sich anfangs noch der Tausch des Display-Glases - kostet nur kleines Geld, und es gibt tolle Tutorials auf Youtube -, wenngleich ich unumwunden eingestehen muss, dass das noch lohnendere die Investition in eine ausreichende Schutzhülle gewesen wäre. Leider grätscht einem - Schutzhülle hin oder her - eine clevere Variante der geplanten Obsoleszens - das ist sowas wie die gentechnische Vermehrungsbremse bei den Sauriern im Jurassic Park, nur dass sie bei Handys offensichtlich funktioniert - dazwischen. Im Gegensatz zu den Feststellungen der Grünen brauchen die Handyhersteller gar keine billigen Teile verbauen. Es reicht in der Regel, ausreichend Geld in die Softwareentwicklung zu investieren, um den selben Effekt zu erreichen. Leistungsfähigere Apps erfordern vom Konsumenten leistungsfähigere Geräte, so dass erfahrungsgemäß nach spätestens zwei Jahren Arbeitsspeicher und Prozessoren völlig überfordert sind, neue Betriebssysteme nötig werden, die mit den "alten" Geräten nicht betriebsfähig sind, und die gewohnten Apps nur noch für die neuen Generationen aktualisiert werden. Wer es da nicht schafft, rechtzeitig abzuspringen, ist verdammt bis zum Ende des Smartphonezeitalters an den Zitzen der Hersteller zu nuckeln. Vorweggenommen: Ich bin der Brust von Samsung und Co. auch noch nicht entwöhnt. Bislang habe ich alle zwei Jahre die Nerven verloren! Aber ich mühe mich ...

Was jedoch tun mit den traurigen Zeugnissen des persönlichen Ausgeliefertseins. Seltene Erden, Edelmetalle, all das sind Baustoffe der Smarties, die nicht nur für große Umweltschäden verantwortlich, sondern gerade auch Paradebeispiele unseres ausbeuterischen Systems sind. Gut 100 Millionen Alt-Handys liegen bundesweit in den Schubladen rum. Vor fünf Jahren waren es noch 15 Prozent weniger, Tendenz Jahr für Jahr offenbar steigend. Es wäre Mensch und Umwelt einiges Gutes getan, wenn diese Riesenmenge in die Wertstoffrückgewinnung gelänge. Hier wäre das Umweltbundesamt mit einer Aufklärungskampagne gefordert, aber auch wir persönlich und mein Haushalt ganz offenbar ganz besonders.
Eine Möglichkeit ist die kostenlose Abgabe beim lokalen Wertstoffhof, eine andere die bei einem Recycling-Ankäufer. Gerade bei neueren Modellen kommen da durchaus ein paar Euro zusammen. Und wer es ganz richtig machen will - meiner persönlichen Ansicht nach -, der kann sie der Althandy-Initiative der Deutschen Umwelthilfe zukommen lassen, die das Geld, das sie einbringen, Umweltprojekten zugute kommen lassen, oder der Handy-Aktion, die primär von kirchlichen Institutionen getragen wird und deren Ziel u. a. auf Aufklärungsarbeit im Hinblick auf den verantwortungsbewussten Konsum ausgerichtet ist. Letztgenanntes wäre wohl was für mich. Aber ich habe ja noch zwei Jahre Zeit, bis es bei meinem neuen so weit ist. Hoffe ich!

Freitag, 3. Juni 2016

Dreiundfünfzigster Schritt: Geld mit Müll verdienen

"Get rich and try recycling"
Die Abfallwirtschaft in Deutschland setzt jährlich gut 50 Milliarden Euro um. Welche Gelder die Mafia in Italien damit macht, möchte ich gar nicht wissen. Fest steht jedoch: Ich will einen Teil vom Kuchen. Natürlich möchte ich den einfachen, gesetzlichen Weg gehen und nicht die alten ölgetränkten Putzlappen aus Nachbars Garage entgeltlich für ihn unter Ommas muffiger Federkernmatratze entsorgen. Auch überlasse ich die rohstoffliche Verwertung den Profis. Allenthalben könnte ich mir vorstellen, Altholz in meinem Grill zu verbrennen, aber wer würde dafür schon zahlen? Wer zahlt ist allerdings die Recycling-Industrie. Und zwar unser anderem für leere Druckerpatronen. Gut 50 Millionen Druckerpatronen gehen jährlich über die Ladentheke, 45 Millionen davon wandern anschließend in den Müll. Schade, denn sie lassen sich einfach recyceln. Aus Unwissenheit gingen sie bei mir jahrzehntelang den gleichen Weg, und ich glaube, die Wenigsten wissen um diese einfache Methode einen Teil der Druckerpatronen zu refinanzieren. Gut 30 Euro gibt's immerhin bei "Geld für Müll" für ein Kistchen leere Kartuschen, und sogar der Versand ist kostenlos. Tja, Don Corleone! Auf diese Weise geht es auch, und zwar ohne morgens schreiend mit einem Pferdekopf auf dem Kissen erwachen zu müssen.

Sonntag, 24. Januar 2016

Sechsundvierzigster Schritt: Cable Guy In Action

50 Kabel - 1 Kiste - 1 Mittag
Was macht man an einem Samstagmorgen, wenn es draußen vereist ist und man weder zu Fuß noch mit dem Auto gefahrlos außer haus kann? Richtig! Aufräumen! Seit Wochen ärgere ich mich über die vielen Kabel in meinen Kisten im Keller. Ich suche ein USB-Kabel? Ich finde 10 andere, drei ähnliche und sechs doppelte, doch nicht eines, das passt. Warum? Weil es unter den 10 erstgenannten Anderen war, ich es aber vor lauter USB-Kabeln nicht ausmachen konnte. Eis sei dank ist damit seit heute Schluss. Ich habe mir von jedem nützlichen Kabel eines oder zwei aufgehoben und sie nach "USB", "Audio", "Video", LAN" und "Netzkabel" getrennt in eigene Kistchen geräumt. Solche, die ich nicht mehr brauche, wie Scart-, Antennen- oder Sat-Kabel, habe ich vollständig aussortiert und die - überraschenderweise seit mehreren Umzügen immer wieder mit umgezogenen - kaputten Kabel dazu gepackt. Den Quantitätspreis hat übrigens das USB-A-Verlängerungskabel gewonnen, von dem ich satte sechs Stück aussortieren konnte - zwei davon sogar noch in Folie ungeöffnet verpackt. Wem bringen diese Kabel etwas, wenn sie bei mir im Keller liegen? Niemandem! Ich habe nun alles aufgelistet meiner lokalen "Free-your-Stuff"-Gruppe angeboten, und was nicht verschenkt werden kann, landet beim Wertstoffhof. Einerseits muss sich keiner ein Kabel neu kaufen, das ich schlummernd im Keller hatte, und andererseits landen die Drähte über den Wertstoffhof wieder im Wertstoffkreislauf. Nichts ist schlechter als Stillstand, insbesondere wenn es dort, wo man still steht, so sinnentleert ist.

Dienstag, 29. Dezember 2015

Vierundvierzigster Schritt: Plastikgräber graben und grün frühstücken

Ein wenig wie das Abendmal - nur mit weniger Haaren
Letzten Monat war ich zum Grünen Frühstück ins „La Dolce Vita“ in der Friedberger Bismarckstraße eingeladen. Das Grüne Frühstück findet an jedem dritten Sonntag im Monat statt und freut sich auf jeden Frühstücksgast, der an grünen Themen interessiert ist. Die Gäste letzten Sonntags waren primär daran interessiert, was ich an Erfahrungen im Umgang mit Plastik zu berichten hatte. So durfte ich eine gute Stunde darüber erzählen, welche Schritte ich bislang auf meinem Weg zum plastik- und müll(be)frei(t)en Haushalt gehen könnte. Um kurz nach elf Uhr sprach ich das erste Wort, und mit anschließender Fragerunde wurden es über zwei Stunden, die wir uns bei unterschiedlichen Frühstücksspezialitäten austauschten. Ich bekam sogar ein veganes Frühstück, das gar nicht auf der Speisekarte stand. Das Grüne Frühstück war eine schöne Erfahrung, insbesondere da der Großteil der Besucher auch in der Lokalpolitik tätig war. So kamen viele Ansätze zur Diskussion, die weit über den Privathaushalt hinausgingen, aber dennoch nicht minder greifbar waren. Ich denke, das wird nicht meine letzte Teilnahme am Grünen Frühstück gewesen sein.


Ruhe in Frieden, Bioplastikfolie
Im Spätsommer hatte ich ein kleines Experiment gestartet. Ich wollte wissen, wie lange es dauert, bis eine kompostierbare Bio-Plastikfolie tatsächlich verrottet ist. Einige Lebensmittel werden inzwischen in diese Folien verpackt, die aus pflanzlicher Stärke hergestellt werden und laut Herstellerversprechen zu 100% kompostierbar sein sollen. Die Crux an der Sache ist jedoch, dass die Folien nicht in die Bio-Tonne dürfen. Dort würden sie in den Kompostieranlagen durch Scanner als Plastikfolien identifiziert und automatisch aussortiert. Die Müllentsorger empfehlen daher, die Bioplastikverpackungen (Achtung: Es gibt auch welche, die zwar nicht mineralölbasiert, aber auch nicht kompostier- und recyclebar sind, die tatsächlich in den Restmüll gehören) im Restmüll zu entsorgen. Hiermit ist der Sache jedoch nicht gedient, da die kompostierbare Folie damit der Müllverbrennung zugeführt wird. Eine Alternative ist, diese Folien in den Komposthaufen zu werfen oder, falls kein Komposthaufen vorhanden ist, sie im Garten zu vergraben. Das war mein Experiment, das ich – zugegebenermaßen - etwas aus den Augen verloren hatte. Deshalb vergräbt man Dinge ja auch für gewöhnlich. Jedenfalls ist die Folie nunmehr zersetzt. Der Hersteller sprach von sechs Wochen. Die sechs Wochen liegen deutlich innerhalb der drei Monate, die die Folie nun vergraben war. Es funktioniert also. Ich habe im Garten ein Bioplastikgrab. Es befindet sich zweite Reihe, links, direkt neben dem Grab für meine Holzzahnbürsten mit Bioplastikborsten.

Samstag, 31. Oktober 2015

Eintrag #7 – Das Ende der Alufolie?



Früher fand ich es toll, wenn Lebensmittel in Alufolie eingewickelt waren.  

Meine Mutter gab mir immer eine ordentliche Brotzeit mit in die Schule, und da es mir damals anscheinend bereits schwer fiel, die Müllberge wachsen zu lassen, hatte ich eine wesentlich kreativere Idee für die unbrauchbar gewordene Alufolie. Zusammengeknüllt war sie nämlich das ideale Wurfobjekt, um die (Wurf-)Kräfteverhältnisse in der Schulklasse klarzustellen. Leider auch zum Unmut verschiedener junger Damen, bei denen man durch diese Wurfattacken anscheinend jedes Ansehen für immer verloren hatte.

Nun ja. Man wird älter…viel älter… Der Reiz einer Wurfschlacht ist zwar geblieben, aber heute wird das eher mit Schneebällen oder Taschentuchpäckchen durchgeführt (letztere kann man danach ja immer noch wunderbar benutzen). Aber auf Alufolie habe ich keine Lust mehr. Ich denke, es ist keine große Überraschung, wenn ich sage, dass die Produktion und die Entsorgung der Alufolie kein Gewinn für die Umwelt darstellt. Lange habe ich mich gefragt, wie man auf die Nutzung von Alu- bzw. Frischhaltefolie verzichten kann.
Nun ja, es gibt mittlerweile eine Reihe von Alternativen. Eine davon habe ich mir zugelegt. Es ist ein Frischhaltetuch aus Bienenwachs, beispielsweise erhältlich auf der Seite www.monomeer.de unter dem Link: http://www.monomeer.de/index.php?page=product_details&category=14&artnr=204&product=abeego+Frischhaltetuch+medium+3er-Set

Hier die Produktbeschreibung dazu:  
Frischhaltefolie war gestern – genausogut, ach was, besser, kann man sein Brot in Food Wrap einpacken. Die wiederverwendbare luft- und feuchtigkeitsabweisenden Bienenwachstücher halten Lebensmittel frisch und knackig. Dazu sind sie atmungsaktiv, halten Flüssigkeiten Stand, sind von Natur aus antibakteriell, frei von Gift- und Schadstoffen und kompostierbar.

Als Alufolien- und Frischhaltefolienersatz sind abeegos prima für das Aufbewahren von angeschnittenem Gemüse und Obst, zum Abdecken von Schüsseln und zum Dönerholen geeignet. Auch Einfrieren für die Dauer von bis zu einem Monat machen sie mit. Durch die Wärme der Hand passen sich die Tücher an die umwickelte Oberfläche an. Etwa ein Jahr haltbar.

Ich für meinen Teil habe jedenfalls seit über einem halben Jahr keinen Bedarf mehr an Alufolie! 


Sonntag, 5. Januar 2014

Zweiter Schritt - Getränke

Getränkeflaschen aus PET von den Discountern sind günstig, leicht zu transportieren und geben satte 25
Wasser. Milch. Glas.
Cent Pfand, wodurch immerhin die Hälfte des Plastikmülls dem Recycling zugeführt wird (die andere Hälfte landet dennoch auf dem Müllberg). Soweit das Positive. Immerhin werden zwar keine
 Phthalate oder andere Weichmacher zur Herstellung benötigt, auch ist laut BfR kein Bisphenol A enthalten, doch dafür Antimon, Acetaldehyd und andere Stoffe, die von der Flasche in das Getränk und von dort aus in mich übergehen. Das süßliche Acetaldehyd schmecke ich sogar heraus. Vielleicht mag das ein Grund sein, weshalb viele Mineralwasservertreiber inzwischen stille Wasser mit Fruchtessenzen anbieten. Birne-Malve überdeckt den Acetaldehyd-Geschmack. Für mich kein gangbarer Weg mehr. Ab jetzt nur noch Wasser aus Glasflaschen. Und natürlich von Quellen in der Nähe. Was nutzt es, den Müllberg zu reduzieren, wenn ich für den Import meines Wassers aus dem japanischen Rokko-Gebirge den Abgas-Müll in der Luft vergrößere?

Ebenso günstig und leicht sind Milch und Säfte in Getränkekartons, für die es allerdings keinen Pfand gibt. Immerhin sind es dennoch 65%, die wiederverwertet werden. Das mag aber auch daran liegen, dass Getränke in Kartons eher zuhause konsumiert werden, wo der "Gelbe Sack" in greifbarer Nähe ist. PET-Flaschen werden augenscheinlich zu einem höheren Anteil unterwegs konsumiert, wo öffentliche Restmülleimer oder der Straßenrand als Entsorgungsmöglichkeiten näher liegen. Andere Quellen sprechen jedoch von 40% oder einer noch geringeren Recyclingquote. So oder so kommen neben dem Pappkarton leider mehrere Schichten Polyethylen und Aluminium zum Einsatz. Gerade Letztgenanntes ist bekanntlich aufgrund des hohen Energieaufwandes bei der Produktion ein Klimakiller, noch zudem Aluminiumionen aus dem Müll auch ins Grundwasser geraten und damit letztlich auch wieder im Nahrungskreislauf landen. Beides möchte ich weder in der Umwelt wissen, noch in meinem Körper haben. Von nun an nur noch Glasflaschen, was allerdings bedingt, dass ich meine Milch nicht mehr bevorraten kann. H-Milch in Flaschen habe ich nicht gefunden. Und ich werde mir wohl einen Entsafter zulegen müssen, denn meinen Orangen- und Gemüsesaft gibt es auch nicht in Glasflaschen.

Glas wird zu über 80% recycelt, und es gibt keine Stoffe in das Getränk ab. Das passt. Auch wenn gerade der Verzicht auf Getränkekartons etwas teurer sein mag, ist es mir das wert. Bestimmt hole ich die Mehrkosten wieder rein, sobald sich der Entsafter in 10 Jahren amortisiert hat. Und bis dahin trinke ich soviel selbst gemachten Möhren-Orangensaft bis ich platze.