Mittwoch, 2. August 2017

Zweiundsiebzigster Schritt: Weichen für den Erdüberlastungstag 2018 stellen und Warmwasser sparen

Von NASA / Bill Anders - Gemeinfrei
Heute ist der 2. August, der Tag, an dem wir nach Berechnungen der Global Footprint Network die uns für dieses Jahr zur Verfügung stehenden Ressourcen aufgebraucht haben. Es ist der frühste „Earth Overshoot Day“ seitdem es im Jahr 1971 erstmals zur Welterschöpfung kam. Rechnerisch 1,7 Erden bräuchten wir, wenn wir nicht weiter Ressourcen zu Lasten unserer Nachfahren verbrauchen wollten – dabei sind wir mit unserer industrialisierten Lebensweise Hauptverursacher. 3,2 Planeten bräuchte es, wenn alle so mit ihren Ressourcen umgingen wie wir in Deutschland. Der deutsche Erdüberlastungstag fiel dieses Jahr daher auch auf den 24. April. Natürlich habe ich bei fussabdruck.de auch meinen persönlichen „Erdbedarf“ errechnet. Das Global Footprint Network lässt zirka 15.000 Datenpunkte einfließen, bei fußabdruck.de sind es nur 13, aber als Richtwert ist es eine gute Wahl. Die Grundeinheit ist hier wie dort der globale Hektar (gha), also die Landfläche, die jedem Erdenbürger theoretisch zur Verfügung stünde, konkret: nutzbare Landfläche der Erde (11,3 Mrd Hektar) geteilt durch die  Weltbevölkerung (7,5 Mrd) ist gleich ca. 1,5 gha pro Kopf. Laut Fußabdrucktest  habe ich es geschafft, mich seit Dezember 2013 von 6,5 gha (4,3 Erden) auf 3,4 gha (2,3 Erden) zu verringern, indem ich deutlich weniger Müll produziere, mich vegan ernähre, das Auto merklich seltener nutze und meinen Konsum stark reduziert habe. Dennoch überrascht mich das Ergebnis. Ich hätte einen deutlich niedrigeren Wert erwartet. Verantwortlich sind primär mein täglicher Weg zur Arbeit von 35 Kilometern einfacher Strecke, meine Wohnung, die ich alleine bewohne, und das Auto, dass ich besitze (dass ich es mit meiner Freundin teile, interessiert den Test leider nicht). Arbeitete ich am Wohnort und halbierte meine Wohnfläche, käme ich auf 2,6 gha (1,7) Planeten. Ein weiterer für das Ergebnis ausschlaggebender Faktor ist der Zuschlag von 0,8 gha für meinen Anteil an der Infrastruktur in Deutschland. Lebte ich auf einer unbebauten und unbewohnten Insel, bräuchte ich nur noch 1,8 gha (1,2 Erden). Auf der Insel bräuchte ich kein Auto mehr, und schon wäre ich bei einem gha, der unter 1,5 läge – also dort, wo die Bewohner von Bangladesch heute schon sind. Was ist daraus zu schließen? Neben dem Möglichen, was der Einzelne verändern kann, ist es wichtig, die politischen Weichen zu stellen, sodass unsere Infrastruktur möglichst umweltgerecht wird. Dann müssten wir keine bis dato unbewohnten Inseln besiedeln. Besonders hoch ist die Belastung in Deutschland bei CO2-Emissionen, die 64 Prozent des Fußabdrucks ausmachen, und im Bereich Ackerland, die mit 20 Prozent zu Buche schlagen. Im Jahr 2016 haben wir 9,6 Tonnen Millionen Tonnen CO2 pro Bundesbürger ausgestoßen; die weltweite Pro-Kopf-Emission liegt mit 4,9 Tonnen in etwa bei der Hälfte. Einerseits brauchen wir mehr Waldflächen, um unser produziertes CO2 zu binden, andererseits einen geplanten Ausstieg aus dem Verbrauch fossiler Brennstoffe, was natürlich nur funktionieren kann, wenn wir selbst unsere Energieverbräuche stark reduzieren. Landwirtschaftlich nutzten wir im Jahr 2016 16,7 Millionen Hektar, benötigten aber weitere 5,5 Millionen Hektar an landwirtschaftlicher Nutzfläche im Ausland, um – im Kern – Soja als Tierfutter für die Fleisch- und Milchproduktion anbauen zu lassen. Dabei darf man nicht außer Acht lassen, dass bereits 70 % unserer inländischen Agrarfläche für Tierfutter genutzt wird. Auch hier braucht es ein Umdenken: eine Abkehr vom alltäglichen Fleischkonsum und eine Rückkehr zur „Sonntagsbraten-Mentalität“. Die Weichen dafür lassen sich am 24. September bei der Bundestagswahl stellen – ein Blick in die Wahlprogramme reicht, um die richtige Entscheidung zu treffen.

turydddu@Flickr, retouched by JovanCormac - [2], CCBY2.0
Bis dahin versuche ich als nächsten Schritt meinen Warmwasserverbrauch zu senken. Wassermangel herrscht in Deutschland zum Glück nicht, und wir sind bereits vergleichsweise sparsam – wer dort, wo er herrscht, helfen will, erreicht mit dem Verzicht auf Baumwollkleidung und Rindfleisch deutlich mehr. Andererseits kann ich so schon mal etwas üben, Wasser zu sparen, wenn ich erstmal in meinem Mikrohaus mit Brunnen und begrenztem Trinkwasserreservoir lebe. Im Kern geht es mir um die Einsparung warmen Wassers. Wasser, das ich nicht erhitze, verbraucht keine Energie und verursacht keine CO2-Emissionen. Zunächst gehe ich meinen Verbrauch beim Duschen an. Ein herkömmlicher Duschkopf hat einen Durchsatz von  ca. 15 Litern Wasser, ein Sparduschkopf von 7-8. Im Schnitt gehen 20-40 Liter pro Tag für den Duschvorgang in den Abfluss, was einem Drittel des Gesamtverbrauchs entspricht. Meinen eigenen Verbrauch kann ich zwar mangels eigenem Zähler nicht feststellen, aber das ändert ja nichts am Ergebnis. Ich fange damit an, dass ich die „Navy-Dusche“ einführe: Körper nass machen, Wasser abstellen, einseifen und anschließend nur rasch den Schaum wegspülen. Mein Ziel ist eine Duschzeit unter einer Minute. Das Gleiche setze ich bei der Handwäsche um. Das reduziert meinen Warmwasserverbrauch um bis zu 75 %, wodurch ich auch meinen CO2-Fußabdruck reduziere, da ich auch 75 % weniger Wasser heiß machen muss. Vielleicht muss ich am Ende gar nicht auf eine Insel umziehen. Obwohl’s ja schon ganz schön wäre.

Samstag, 1. Juli 2017

Einundsiebzigster Schritt: Reüssieren und Weitergehen

Reüssieren ist ein tolles Wort. Ich habe es schon einmal gehört, aber noch nie zuvor benutzt. Möchte ich aber. Es heißt "Erfolg haben", wie ich gerade recherchiert habe, weshalb ein Thema herbei muss, bei dem ich gerade Erfolg habe. Warum nicht das Thema "Angewandter Minimalismus im Rahmen der persönlichen Verantwortung zur Reduzierung des weltweiten Kohlendioxidausstoßes" wählen? Energiesparen mit anderen Worten!

Wurzelgemüse-Humidor
Seit über einem halben Jahr lebe ich nun ohne Kühlschrank. Über die Wintermonate hinweg war das kein Problem, doch ich fürchtete um das Durchhalten während der Sommermonate, insbesondere da ich in einer Dachgeschosswohnung lebe. Aus diesem Grund habe ich mir einen Offline-Kühlschrank gebaut, der mir die Kühlung mittels Verdunstungswärme verschaffen sollte. Die ersten Tests meines kühlenden Tontopfes ergaben eine um zwei Grad Celsius niedrigere Temperatur innen als außen. Ich hatte die Hoffnung, das würde sich verstärken, wenn die Außentemperatur erst anstiege und mit ihr die Verdunstung. Die Außentemperatur stieg, mit ihr die in der Wohnung und leider auch die in meiner vermeintlichen Kühlvorrichtung. In Spitzenzeiten hatte ich 36 Grad in meiner Wohnung und der Beat ging leider nicht weiter (2Raumwohnung ist eben nicht Dachgeschosswohnung). Ist alle Mühe umsonst? Nein, denn ich durfte feststellen, dass sich Wurzelgemüse - Pastinaken, Petersilienwurzeln, Rote Beete, Mohrrüben etc - ganz hervorragend darin halten. Mangels Kühlung hatte ich sie bislang im Obstkorb gelagert und musste täglich zusehen, wie sie schrumpften. In meinem Offline-Kühlschrank Wurzelgemüse-Humidor halten sie teils gut zwei Wochen. Allerdings fangen sie dann an, wieder Blattgrün zu entwickeln. Living Food eben!

Es gibt Eingemachtes!
Ist mir in der Zwischenzeit etwas verdorben? Ja, dreimal. Allerdings unabhängig vom fehlenden Kühlschrank, wie ich denke. Einmal eine Zitrone, die ich jedoch ohnehin nie im Kühler gelagert hatte, einmal eine Mahlzeit vom Vortag, die ich leider in meinem ausgeschalteten Gerät, das die Kinder liebevoll "Wärmeschrank" nennen, vergessen hatte, und einmal eine vegane Käsesoße, von der ich viel zu viel bereitet hatte. Ich hatte sie in zwei großen Gläsern eingekocht und war offenbar nicht ausreichend auf Keimfreiheit bedacht, so dass eins davon verdarb. Davon abgesehen klappt das Einkochen sehr gut und erspart mir tatsächlich vieles an Kühlgut. Ich mache inzwischen alle Brotaufstriche selbst und koche sie ein. Sie sind wochen-, wahrscheinlich sogar monatelang konserviert. Selbst wenn sie geöffnet sind, halten sie tagelang, ohne dass sie schlecht werden. Wichtig ist nur, immer mit einem sauberen Löffel, den man auch für nichts anderes während des Essens nutzt, in das Glas zu gehen. Weiter ist es ratsam, nicht mehr Gläser zu öffnen, als man binnen vier Tagen aufbraucht. Meine Erfahrung, die ich aber zu Kühlschrankzeiten schon gemacht hatte, ist, dass sich Schimmel schneller zu bilden beginnt, wenn man mal zwei Tage nichts davon isst. Ich vermute, dass man durch das tägliche Entnehmen Schimmelsporen verzehrt, bevor sie zu gefährlichem Schimmelbefall werden können. Die Antwort auf die noch nicht gestellte Frage vorweggenommen: Nein, ich war nicht krank, seit ich ohne Kühlschrank lebe.

Panafrikanische Gemüsefarbmischung
Selbst angeschnittenes Gemüse bedarf keiner Kühlung und wird nicht schlecht, wenn ich es binnen zwei oder drei Tagen verzehre. Ich esse jeden Morgen etwas Rohkost auf meinen Frühstücksbroten: Gurke, Tomate, Paprika, was eben gerade da ist. Verständlicherweise verzehre ich keine komplette Gurke oder Paprika und selten auch keine ganze Tomate auf einmal. Anfangs hatte ich sie in einem großen Schraub- oder Bügelverschlussglas aufbewahrt, um sie vor Sporen und Austrocknung zu schützen. Mittlerweile lagern sie auf einem Teller im "Wärmeschrank". Ich lege sie mit der Schnittstelle darauf, so dass sie quasi nahezu wieder versiegelt sind. Im Ergebnis werden sie weder schlecht, noch schimmeln sie, noch werden sie matschig. Auch Essen vom Vortag stelle ich, lediglich mit einem Teller zugedeckt hinein. Selbst bei warmer Wohnung gab es - abgesehen von dem o. g. Fall - nichts, das schlecht geworden wäre. 
Fazit: Wer etwas reduziert lebt, kommt ohne Kühlschrank aus, was jedoch nicht bedeutet, ich äße spartanisch. Ich esse täglich jede Menge Obst und Gemüse, frischen Salat und Sprossen (damit meine ich nicht die erwähnten Schimmelsporen), habe selbst gebackenes Brot und viel Freude beim Essen. 
An dieser Stelle möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass der Bekannte, der mich dazu inspiriert hat, Milchprodukte und Käse isst, aber dennoch seit inzwischen drei Jahren ohne Kühlschrank lebt. Die schnell verderblichen Milchwaren kauft er unmittelbar von dem Verzehr erst ein. Insofern kühlt für ihn der Supermarkt, dessen Kühlkosten er ohnehin schon mit dem Kaufpreis der Waren bezahlt. Machten das alle, wäre der Supermarkt so etwas wie ein soziales Mehrgenerationen-Kühlprojekt, und wir sparten Millionen von Kilowattstunden an Energie sowie tonnenweise Kohlendioxid.

Wie geht es weiter? Im Schnitt verbrauchte ich in diesem Jahr bislang 38 kwh an Energie monatlich - der Juni war mein Highlight mit nur 26 kw/h. Da ist aber noch Potential! Energiesparlampen sind bereits überall eingesetzt, viele Elektrogeräte, wie das WLAN-Radio im Badezimmer oder der Fernseher im Wohnzimmer sind abgeschafft, sämtliche verbliebenen Elektrogeräte sind an ausschaltbaren Steckerleisten angeschlossen, die bei Nichtbenutzung konsequent ausgeschaltet sind, was auch für den WLAN-Router gilt, und nun möchte ich mich dem Computer zuwenden, der wohl der Stromfresser Nr. 1 ist. Den Drucker habe ich bereits nur noch angeschaltet, wenn ich tatsächlich drucken möchte, und ab heute werde ich einen Monat lang nur mit dem Netbook arbeiten, das schließlich auf wenig Verbrauch getrimmt ist, und den Desktop-PC mit Monitor auslassen. Ich bin gespannt, wie sie das auswirkt.

Donnerstag, 15. Juni 2017

Siebzigster Schritt: Reuse, Farm & Eat

Um es vorweg zu nehmen: Nein, ich bin nicht unter die Fischer gegangen. Es handelt sich nicht um die Reuse zum Fischfang, sondern um das englische Reuse, also Wiederverwenden. Es geht jedoch um Essen (Fische sind kein Essen - Fische sind Freunde) und zwar um Gartengemüse. 

Gut zwei Meter hoch :)
Vor vier Wochen hatte ich mir mein Gartengrundequipment zusammengeschnorrt, das ich brauchte, um ein Gewächshaus für meine selbst gezogenen Tomaten zu bauen und um sie an Spiralen hochwachsen zu lassen. Kaum dass sie groß genug waren, stellte sich die Frage, wo ich sie eintopfen sollte. Die Devise blieb nämlich die gleiche: Davon ausgehend, dass es unzählige Menschen geben muss, die allerlei Dinge ungenutzt bei sich rumliegen haben, muss es auch unzählige Menschen geben, die große Töpfe für meine Tomaten übrig haben. Dachte ich! Diese Menschen leben jedoch offensichtlich nicht in der Wetterau. Also musste ich etwas länger darüber nachdenken und kam dann auf die Idee, statt Töpfe zu kaufen, die es en masse aus Kunststoff gibt und deutlich teurer aus Ton, schaue ich mich einmal um, wo es passende Gefäße noch geben mag. Beim Bäcker um die Ecke wurde ich dann fündig, als ich am Tag der Abholung der gelben Säcke an seiner Backstube vorbei ging. 10-Liter-Eimer, in denen vormals alle möglichen Konfitüren und Obstpürees enthalten waren. Also habe ich gefragt, ob ich sie mitnehmen kann. Aus lauter Dankbarkeit bekam ich gleich acht Stück, die noch nicht in einem gelben Sack waren. 

Gartenecke I
Was für eine Riesenmenge Müll! Es wurde mir erst an diesem Tag so richtig bewusst, was in Bäckereien, Metzgereien, Restaurantküchen und ähnlichen lebensmittelverarbeitenden Handwerken für ein immenser Müll anfallen muss. Auf die Portion heruntergerechnet aufgrund der Großgebinde zwar immer noch deutlich weniger als in einem Ein-Personen-Durchschnittshaushalt, vermute ich, aber was macht der Zero-Waste-Bemühte, wenn er auswärts essen muss? Das Brötchen ohne Tüte zu nehmen und den Kaffee im eigenen Becher, ist zwar wichtig und richtig, aber von sich zu behaupten, keinen Müll produziert zu haben, offensichtlich ein Selbstbetrug. Immerhin weniger als jene, die die Tüte angenommen und den Plastik-Papp-Becher genutzt haben, aber es ist eben auch nicht müllfrei, wenn indirekt welcher anfällt. Vielleicht sollten wir das nicht zu ernst nehmen. Zuhause Zero-Waste umzusetzen ist mit das Beste, was man für die Umwelt tun kann. Das schmälert auch, dann und wann auswärts zu essen, nicht.

Gartenecke II
Meine restlichen Töpfe und Blumenkästen habe ich gänzlich aus Free-Your-Stuff-Gruppen, vom Sperrmüll oder von Freunden geschenkt bekommen, die sie im Keller oder in der Gartenhütte ungenutzt herumstehen hatten. Auch habe ich Pflanzen, Ableger und Samen nahezu ausschließlich von Freunden bekommen. Sogar die Pflanzenerde habe ich in zahlreichen Eimern abgefüllt die drei Stockwerke bis zu meiner Terrasse hochgeschleppt. Im Ergebnis habe ich jetzt nicht nur Tomaten, auch Pflücksalat, Zuckererbsen, weiße Bohnen, Erdbeeren, Stachelbeeren, Heidelbeeren, Paprika, Minze, Melisse, Schnittlauch, Rote Beete, gelbe und grüne Zucchini, Kohlrabi und Salbei in zahlreichen Töpfen und Kästen auf meiner Dachterrasse, ohne irgendeinen Müll produziert oder Dinge unnötig gekauft zu haben. Darüber bin ich sehr glücklich. So sehr, dass ich einige Töpfe ganz altruistisch mit einer Blumenmischung besäht habe und Bienen in einem Insektenhotel freie Kost und Logis anbiete. 

Auch wenn mein Gemüsehändler samstags etwas traurig schaut, wenn ich bei ihm einkaufe, es ist traumhaft, einfach auf die Terrasse gehen zu können, sich zwei Handvoll Zuckerschoten zu ernten und ein Abendessen zu haben. Frischer, leckerer, ökologischer und zero-wastiger geht es nicht.

Immerhin die Pilze habe ich gekauft - verpackungsfrei versteht sich

Montag, 8. Mai 2017

Neunundsechzigster Schritt: Reduzieren, reduzieren, reduzieren

Die Weltreligionen, die Kabbala und ein graues Unterhemd
Nach einem Monat voller Plastiksparen hat sich viel Lust darauf angehäuft, sich dem Thema Minimalismus mal wieder zuzuwenden – immerhin muss ich noch das eine oder andere loswerden, wenn ich mittelfristig die Vision eines Lebens im Mikrohaus umsetzen möchte. Eine kleine Kiste Klamotten habe ich aussortieren und für die Kleidersammlung bereitstellen können – nicht ganz so viel, wie ich gedacht hatte. Noch immer habe ich vergleichsweise viel Kleidung, und das obwohl ich nun das vierte Mal aussortiert habe. Der nächste Schritt wird sein, realistisch aufzulisten, wie viel von jedem Kleidungsstück ich tatsächlich benötige. Manches T-Shirt liegt nie oben auf dem Stapel, habe ich den Eindruck. Auch den Büchern habe ich mich wieder zugewandt. Trotz vieler wieder in den Regalen verbliebener Werke, die ich zwar mit Sicherheit nicht erneut lesen werde, aber irgendwie mit mir verknüpft bleiben wollen, habe ich eine Kiste füllen können, die der Pfarrer der Nachbargemeinde für seinen Bücherflohmarkt gerne entgegennimmt; immerhin war auch ein passendes Buch dabei: „Die Weltreligionen“. Dazwischen habe ich kleiner Schelm zwar auch einen bebilderten Kamasutra-Auszug versteckt, aber, hey, auch Christus aß nicht nur gesäuertes Brot.

Weder CDs, noch DVDs, aber auch aussortiert
Deutlich schwerer zu gehen, entpuppte sich der Schritt zu weniger CDs und DVDs. Ich komme mit elektronisch abgelegter Musik nicht wirklich zurecht. Ich habe meine kompletten CDs bereits digitalisiert. Anfangs waren sie nach Genre, später alphabetisch abgelegt. Leg mal nach Genres ab! Das ist gar nicht so einfach. Das meiste ließ sich nicht wirklich zuordnen und landete dann bei Rock und Pop. Super! Total hilfreich. Also sortierte ich nach dem Alphabet. Nur wer sagt schon: „Och, heute habe ich mal Lust auf Musik, die mit B beginnt“? Ich mag es, meine CD-Cover aneinandergereiht vor mir zu haben. Ich sehe die CD-Rücken. Sie wecken ein Gefühl dafür, welche Stimmung deren Musik in mir weckt. In Sekunden habe ich mein CD-Regal sondiert und wenige Zeit später meine Auswahl getroffen. Das schaffe ich mit dem Handy noch nicht. Vielleicht kommt es noch. Ich habe immerhin schon einen Bluetooth-Receiver für die Stereo-Anlage gekauft (so viel zum Thema Reduktion).
Meine DVDs wollte ich ebenfalls reduzieren. „Ein Hund namens Beethoven“ neben „Highlander“ und „Reservoir Dogs“; da fiel es mir leicht, Auszusortierendes zu identifizieren. Ich bekam den Tipp, Momox und Rebuy mal zu testen. Tat ich. Eine halbe Stunde hatte ich damit verbracht, jene DVDs einzuscannen. Die eine Hälfte der 20 Videos war nicht gelistet, für die andere hätte ich vier Euro noch was bekommen. Insgesamt! Ich habe sie wieder eingeräumt. Lieber verschenke ich sie, als dass ich 18 Stunden – zugegeben teils zweifelhafter – cineastischer Unterhaltung für das Equivalent eines Falafel-Sandwiches plus Kaltgetränk weggebe.

Und gleich isse wech!
Warum überhaupt weggeben? Nur des Mikrohauses wegen? Nein, der Hauptgrund ist unabhängig davon: Es sind Rohstoffe - Unmengen davon -, die in unseren Haushalten vorhanden sind, doch ungenutzt. Kleidung kann weitergenutzt, aber auch recycelt werden. Finden Bücher keinen Leser, so sind sie – auch wenn es mir als Bücherfreund wehtäte – immerhin Altpapier, für das kein Baum gefällt werden muss. Und die goldenen Scheiben – ganz ähnlich wie bei den Büchern: Findet sich kein Sammler, so ist es jedenfalls besser, das Polycarbonat wird recycelt als in meinem Schrank aufbewahrt. Ich muss also nochmal ran,
Wirklich und uneingeschränkt erfolgreich war ich mit dem letzten Schritt: Ich habe ich meine Waage und mein Körperfettmessgerät verschenkt. Zu diesem nicht ganz einfachen Schritt gibt es eine etwas neurotische Vergangenheit, die ihr gerne in meiner Kolumne nachlesen könnt, wenn ihr wollt. Viel Spaß.

Freitag, 28. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XXVIII

"Der letzte Müll!"
Tag 28 bei "Das Experiment Gelber Sack"! Das Vier-Wochen-Experiment ist zuende. Es war eine spannende Zeit, auch wenn ich zugeben muss, dass es mich an manchen Tagen ganz schön gefordert hat, mich teils spät abends im Anschluss an Veranstaltungen noch an den Rechner zu setzen und über den Tag zu schreiben, doch ich hatte den Anspruch, es ernst zu nehmen. Jedenfalls bin ich sehr zufrieden mit den letzen vier Wochen. Ich habe noch ein paar Stellschrauben drehen können und ein paar weitere identifiziert. Auf Facebook wird es alsbald mein Abschlussinterview geben. Ansonsten habe ich ja selbst schon in meiner Kolumne vom 25. April resümiert. 
Den letzten Tag wollte ich jedoch nutzen, um noch etwas Müll zu machen. Final hinzugekommen ist eine ca. zwei Jahre alte Sonnencremeflasche aus Plastik. Ich habe zwei zusammengeschüttet, so dass ich sie wegwerfen kann. Das ist etwas, für das ich keine sinnvolle Alternative kenne. Olivenöl, wie ich es zur Hautpflege nutze, aufzutragen, reicht leider als Sonnenschutz nicht. Vermutlich einen LSF von etwas mehr als sieben hat es. Da ich Samstag und Sonntag auf dem Boom-Design-Festival in Bad Homburg lesen werde und viele Stunden im Freien sein werde, geht es nicht ohne einen vernünftigen Sonnenschutz (darüber hatte ich schon einmal gebloggt ;-))
Zuletzt bleibt zu sagen, dass ich mich nun aber freue, wieder den alten Rhythmus einzuschlagen und ein- oder zweimal monatlich zu bloggen. Das gibt mir die Chance, mehr zu experimentieren. 
Danke, dass ihr mich 28 Tage begleitet habt. Ich hoffe, ihr hattet auch Freude dabei. Wir lesen uns!

Donnerstag, 27. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XXVII

Außenansicht
Heute ist der vorletzte Tag im Experiment zuende gegangen. Ich war den ganzen Tag unterwegs, hatte mein Essen mit und kam daher nicht in die Verlegenheit, Müll machen zu müssen. Zu berichten gibt es aber dennoch etwas. Wenige Kilometer von mir entfernt wohnt Frank Deltau. Frank ist einer der Geschäftsführer von Querbeet. Vor allem aber ist Frank im Januar von einer Wohnung in ein Mikrohaus gezogen. Etwas, das ich mir mittelfristig ebenfalls vorstellen kann. Ökologischer, als auf zwölfeinhalb Quadratmeter zu leben, geht es wohl kaum, ohne die Zivilisation zu verlassen. 

Blick auf den Eingang, Küchenbereich, Wohnbereich
Wir sind zusammen im Netzwerk "Wetterau im Wandel" verbunden, also mailten wir und ich bekam die Möglichkeit, ihn zu besuchen. Mitten unter Kirschbäumen steht es, sein hölzernes Domizil. Es wirkt nicht klein, kaum, dass man die Tür durchschritten hat. Die hohe Decke macht es sehr
wohnlich. Der Blick ins Grüne ist unbeschreiblich. Es gibt einen Wohn- und einen Schlafbereich sowie gegenüber liegend der Sanitär- und der Küchenbereich. Eine Komposttoilette ist an Bord. Frank verzichtete auf die Dusche zugunsten eines weiteren Schranks, aber das wäre vermutlich auch in meinem Sinne. Geheizt wird mit Holzofen. Es gibt Solar-Panels auf dem Dach, Steckdosen und LED-Lampen im Inneren sowie einen kleinen Kühlschrank, der damit betrieben wird. Die Küche wird mit einer kleinen Pumpe aus Wasserkanistern gespeist, zum Kochen gibt es einen Gaskocher. Das Mikrohaus ist auf Rädern und als Anhänger angemeldet. Das finde ich sogar besser als die Containerlösungen oder festen Bauten auf Betonuntergrund, denn man spart sich nicht nur die Baugenehmigung, sondern bleibt auch mobil. Schnautze voll vom Grundstück? Wechsel es! Lust auf Urlaub auf dem Campingplatz? Nimm dein Haus mit! Du muss nicht einmal packen. 

Schlafbereich
Fehlt nur noch ein Grundstück! Für einen Selbstversorgergarten sind 50 Quadratmeter pro Person empfehlenswert, sicherheitshalber 75. Dann noch die Fläche für das Mikrohaus von ca. 15 Quadratmeter hinzu und eine Fläche, um gemütlich im Garten sitzen zu können, von weiteren 50 Quadratmetern. Verkehrsflächen, um das Mikrohaus ggf. aus dem Grundstück wegbewegen zu können, von weiteren 30 Quadratmetern sind ebenso sinnvoll wie 80 Quadratmeter für einen grünen Sichtschutz für etwas Privatsphäre. Insgesamt macht das 250 Quadratmeter Grundstücksbedarf, sagen wir 300 zur Sicherheit. Hiesiger Grundstückspreis liegt bei 290 Euro pro Quadratmeter. Das macht 87.000 Euro. Hinzu kommen 40.000 Euro für ein Mikrohaus, so dass insgesamt 127.000 Euro im Raum stünden.
Die Alternative wäre, ein Gartengrundstück zu pachten. Oder sich einfach heimlich (oder besser unheimlich) in den Garten eines Freundes stellen. So viele Optionen. Auf jeden Fall habe ich Feuer gefangen!







Mittwoch, 26. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XXVI

Zurückweisung ist ein hartes Stück Brot zu kauen. Heute, in der leichtfertigen Überzeugung, auf dem Wochenmarkt wie immer plastikfrei einkaufen zu können, ging ich aus dem Haus. Vor dem Obst- und Gemüsestand reichte ich wie immer meine mitgebrachten Stoff- und Papiertüten über die Auslage. Ich ließ füllen: Gurke, Fenchel, Möhren, Rettich, Pastinake, Petersilienwurzel, Rote Beete, Tomate, und dann fiel mein Blick auf den Spargel. "Ja, richtig, Spargelzeit!", bestätigte ich mir. "Ein Pfund Spargel, bitte! Kann einfach mit in die Tüte!", sagte ich und begann zu sinnieren, mit was ich ihn essen würde. 
"Nein, das machen wir nicht", sagte die Verkäuferin. 
"Eine Hollandaise?", schwelgte ich weiter in Erinnerung an den letzten Spargel, den ich gegessen hatte. Derweil packte die Verkäuferin die ersten Spargelstangen in eine Plastiktüte. Ich träumte weiter: "Oder eine Zitronenbutter dazu und die Spargel auf dem Grill zubereiten?" 
Sie packte mir die Plastiktüte mit dem Spargel in meine Stofftüte und reichte sie mir zurück. Jetzt erst erwachte ich aus meiner kulinarischen Trance. 
"Eine Plastiktüte? Aber ich hatte doch extra gesagt, ich möchte es zu den anderen Sachen dazu in meine Stofftüte gepackt haben." Ich schaute auf die Kunststofftüte in der Baumwolltüte. Ich blickte die Verkäuferin an und dann wieder meine Tüte. Ich setzte an folgendes zu sagen: "Entschuldigung, aber ich hatte doch erbeten, die Spargelstangen in die Tüte zu packen. Warum haben sie doch eine Plastiktüte genommen?" Ich wollte ergänzen: "Der Kunde ist König! Ich bin Kunde! Folglich bin ich hier der König, und meine Bitte war eigentlich keine Bitte. Es war ein königliches Dekret!" Ich öffnete meinen Mund. Die Verkäuferin blickte mich an, schüttelte kaum merklich den Kopf und sagte: "Bis Samstag!"
"Bis Samstag!", erwiderte ich und ging wieder nachhause. Zurückweisung ist zwar ein hartes Stück Brot zu kauen, aber zumindest weiß ich nun, wer hier die Königin ist. Beim Gehen spürte ich ihren hochadeligen Blick im Nacken, und er brannte mir folgende Worte in den Nacken: "Du kannst meinen Spargel kaufen, aber wenn du glaubst, dass ich zulasse, dass deine Plastikphobie meinen Spargeln die Köpfe kostet, hast du dich getäuscht. Eine Königin sorgt sich um das Wohlergehen ihres Volks. Spargel sind ein himmlicher Genuss, und zwar nur dann, wenn sie artgerecht in einer Plastiktüte, die sie vor dem Kopfverlust und dem Austrocknen schützt, den Weg nachhause finden."
Samstag bin ich wieder auf dem Markt. Dann kaufe ich wieder Spargel, werde die leere Tüte für den nächsten Spargel einfach wieder mitbringen und dich austricksen, oh, Königin des Gemüsestands!

Dienstag, 25. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XXV

Michael Stricker beim Vortrag
Der 25. Tag ist fast zu Ende. Es ist kein Müll angefallen. Dafür durfte ich heute Abend im Rahmen der Vorstellung der Share-your-food-App, die Michael Stricker zusammen mit Studenten unserer Technischen Hochschule Mittelhessen entwickelt hat, auch zum Thema Plastikfasten ein paar Worte verlieren. Ich finde es sehr wichtig, auch Optionen für andere aufzuzeigen. Meine Entscheidung darüber zu bloggen, entstammt der gleichen Überzeugung. Ich glaube, dass sich Viele gar nicht im Klaren darüber sind, wie einfach es wäre, den einen oder anderen Müllanfall zu verhindern. Zu fest sind wir in das Korsett unseres Alltags geschnürt. Ich denke, es braucht Menschen, die zumindest zeigen können, wie die eine oder andere Schnur der Bindung zu lösen ist, damit man etwas freier atmen und sich entwickeln kann. Ich hatte zwar nur 20 Minuten, aber das hat gereicht, um etwas über Plastic Diary zu erzählen und ganz aktuell zu „Das Experiment Gelber Sack“. Am besten kam an, wie wenig verbissen man das Thema angehen kann und dass viele kleine Schritte auch zum Ziel führen.
Ich bin mir sicher, dass einige der Zuhörer das Plastikfasten testen werden. Vielleicht sogar bei „Das Experiment Gelber Sack“? Also zück schon einmal deine Interessentenliste, Evelyn. Smiley!

Michaels Vortag war jedenfalls großartig. Das Finanzierungsziel ist übrigens fast erreicht. Vielleicht wollt ihr ihn und die Studis auch unterstützen. Es fehlen nur noch 400 Euro :)
Share your Food - Startnext

Übrigens habe ich mir in meiner Kolumne in der Wetterauer Zeitung erlaubt, schon einmal ein Resümee zu meinen Fastentagen zu ziehen. Lest gerne rein.

Montag, 24. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XXIV

Die letzte Woche bei "Das Experiment Gelber Sack" ist angebrochen und mit ihr wird eine neue Flasche Balsamico-Essig angebrochen, die allerdings noch nicht gekauft ist. Ich möchte erst einmal schauen, ob ich nicht irgendwo im Umkreis einen Anbieter finde, der selbst Balsamico-Essig herstellt. Dort könnte ich dann mitgebrachte Flaschen abfüllen. Natürlich auf Vorrat, damit es sich auch lohnt, extra wo auch immer hinzufahren. Es ist ja nicht so, dass Essig kurzlebig wäre. 
Vielleicht mache ich ihn auch selbst. Sich Traubensaft und Rotwein abfüllen zu lassen, ist vielleicht einfacher.
Heimlich hat sich noch eine Bierkapsel in meinen Gelber-Sack-Müllhaufen eingeschlichen. Warum nicht die letzte Woche meiner Experimentsteilnahme mit einem kühlen Jever krönen? Solange es draußen kalt ist, muss ich nutzen, kaltes Bier zu haben. Außerdem ist ja Vitamin B12 enthalten (Ausrede!).

Sonntag, 23. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XXIII

"Auch du, mein Sohn Brutus?", ertönte ein berühmter letzter Satz weit vor der Zeit, als Plastik erst bekannt und dann rasch zum Problem wurde. Es war die Zeit der Tonkrüge und Zaunköniglebern.
Natürlich wurde ich nicht erdolcht, wie der gute alte Julius C. aus R., und im Gegensatz zu Brutus, der nur dessen Vertrauter und nicht Sohn war, kam der Dolch in meinem Fall in Form des Müllanfalls einer Plastiktüte tatsächlich aus den Händen meines geliebten Filius'. Nichts ahnend gab ich ihm, den mittäglichen Moment meiner physischen Abwesenheit väterlich-wohlwollend entschädigend, Geld in die noch jungen Hände, auf dass er sich in unserem berühmten Salzhause einen Burger holen möge. 
Als ich zurückkehrte, spürte ich physisch jenen Stich im Rücken, den auch Cäsar verspürt haben mag: Eine Plastiktüte nebst zweier papierner Behältnisse, zum Verzehr der erworbenen Speisen im trauten Heim ausgegeben, lagen in meiner Kemenate. "Oh, juvenile Narretei! Weiß er nicht, dass ich Plastik faste?", kam mir in den Sinn. "Warum, oh Sohn, bestelltest du am Orte des hohen Genusses, doch aßest nicht daselbst?", frug ich, schwer atmend. Er, die rosigen Wangen, einem Eichhorn gleich, doch nicht mit Nüssen für den Winter, sondern mit unzähligen Bissen kunstvoll zusammengestellter Schnellspeise prall gefüllt, antwortet: "Häh?"
Zurecht! Natürlich sagte ich meinem Junior, er hätte doch auch dort essen können, dann wäre kein Müll angefallen. Ich erklärte ihm, wie unsinnig es doch sei, für wenige Minuten Nutzungsdauer all die Ressourcen und Energie für die Produktion zu verschwenden.
"Dann wirf sie doch einfach nicht weg!", antwortete er. "Recht hat er!", dachte ich. Tüte und Pappschachteln wandern erst einmal in den Schrank. Bestimmt gehen wir raus und wandern, sobald es wieder warm ist. Zwei Pappschachteln für zwei belegte Brötchen und eine Tüte für ... Na ja, mir wird schon etwas einfallen. Vielleicht fülle ich einfach eiskaltes Wasser rein und überrasche ihn damit, wenn er mit der nächsten Plastiktüte nebst zweier Burgerschachteln nachhause kommt.
Friere und lerne!

Samstag, 22. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XXII

Es ist die Woche des Müllanfalls. Ich hole quasi etwas auf, bevor ihr euch langweilt und euch von mir abwendet.
Hinzugekommen ist eine Dose mit Vitamin B12. Dazu sehe ich tatsächlich keine Alternative. Es gibt zwar angereicherte Lebensmittel, doch die bringen noch mehr Müll mit sich. Zwar wäre es möglich zuhause Algen zu züchten, aber es scheint nicht wirklich gesichert, dass dieses B12 tatsächlich bioaktiv ist. 
Eine weitere Chance wäre, mehr Bier zu trinken. Verlockend! Wenn auch drei Liter Weizenbier pro Tag, um meinen Vitaminhaushalt zu decken, das nächste Experiment mit sich brächte: "Das Experiment blauer Mensch!". Besser also Lutschtabletten in Dosen. Ich kann ja ab und an mit etwas Bier aufbessern.
Weiter ist eine Gewürz-Plastikverpackung angefallen. Leider habe ich dazu bislang keine Alternative finden können. Plastik- oder Glasdosen zu kaufen wäre noch umweltbelastender. Aber so viel würze ich ja nicht, dass das wirklich ins Gewicht fiele. Bestimmt findet sich aber noch eine Alternative.
Eine lustige Situation gab es heute noch, von der ich berichten kann. Als ich heute Morgen am Marktplatz saß und Kuchen aß, wurden mir drei Papiertüten überreicht. "Sie wollen doch Plastiktüten sparen!", sagte die Frau. Eine tolle Geste. Ich nutze sie nun für meinen Kompost. Immerhin will ich inzwischen auch Papiertüten sparen.

Freitag, 21. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XXI

Heute sind die ersten drei Wochen rum, und es ist der erste Tag, an dem ich eigentlich nichts zu "Das Experiment Gelber Sack" erzählen kann. Nahezu ein völliger Standardtag, fast ohne Herausragendes, ohne Experimente, ohne grundsätzliche Fragen. 
Heute Morgen gab es zwei Stück Pizza vom Vorabend (ohne Bier!), mittags Frischkornbrei, am Abend Kartoffeln und Bohnen. Alles kam aus plastikfreien Großpackungen aus Papier, die ich bei Mein-Müsli-Laden bestellt hatte. Einkaufen war ich nicht, also konnte auch kein Müll anfallen. Eben fast ein unspektakulärer Tag. Fast, denn ich habe etwas Nachhaltiges geschenkt bekommen, über das ich mich sehr gefreut habe. Mein Illustrator hat für sich, meinen Verleger und mich je eine Coffee-To-Go-Tasse aus Keramik mit dem Drachen aus meinem Buch bedrucken lassen. Eine doppelwandige Keramiktasse sogar! Ich werde sie morgen, wenn unser wöchentliches veganes Kuchenessen an Heidis Kuchenstand stattfindet einweihen. Endlich Kaffee, der zwei Kuchenstücke lang heiß bleibt. Danke :)

Ein nachhaltiger Drachenbecher "Fionrirs Reise" Andreas Arnold

Donnerstag, 20. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XX

Plastique surpris
Heute wurde eine Flasche Rapsöl leer und damit zum zweiten Glasmüll der letzten 20 Tage. Was ich erst jetzt gesehen habe - auch ein Ergebnis der Fokussierung, die mir "Das Experiment Gelber Sack" verschafft hat -, ist, dass ein Plastikausguss an der Flaschenmündung angebracht ist. Ich habe ihn mit den Zähnen - ja, mit den Zähnen - entfernt und zum Plastik müll gegeben. So etwas halte ich für unnötig. Das unterstellt ja fast schon, dass der durchschnittliche Speiseöl-Kunde eine Mischung zwischen Clumsy Schlumpf und einem Muskel-Tremor-Leidenden ist. Ich bin eher so der Typ Hefty (hüstel) und zittere allenthalben vor Verärgerung über unnötigen Plastikmüll. Darauf werde ich künftig achten.

Hinzugekommen: Ölflasche, Dosierhilfe und Hefebeutel 
Damit sich die Dosierhilfe nicht so einsam auf dem wachsenden Müllhaufen fühlt, dachte ich mir: "Ach, kommt, einen Hefebeutel hast du noch. Mach dir ne Pizza!"
Also habe ich eine Vollkorndinkel-Boden gemacht, den Rest Gemüse, den ich von meinem Markteinkauf am Samstag noch übrig hatte (Zucchini, Möhre, Fenchel), draufgeschnippelt und das ganze mit einer scharfen Cashew-Hefe-Soße übergossen. Nach einer viertel Stunde hatte ich eine super leckere (und ungewöhnlich belegte) Pizza. Dazu gab es einen kleinen Salat mit Radieschen, Lauch und Fenchelgrün, dem zu verdanken ist, dass die Ölflasche leer wurde. Dafür bin ich herrlich satt.


Abendessen - zwei Stücke blieben fürs Frühstück übrig.
Dazu natürlich keinen Wein! Bier, versteht sich ;-)

Mittwoch, 19. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XIX

Meine Vakuum-Kaffee-Dose fühlt sich unnütz
"Der Kaffee ist alle!" So hört es sich Nachmittags an. Früh am Morgen, wie am heutigen, klingt es in etwa so:
" C E N S O R E D ! ". 
Am liebsten wäre ich nach der Arbeit in meine lokale Rösterei gegangen. Leider komme ich da unter der Woche nicht vorbei und komme auch zu spät nachhause, als dass es sich noch lohnen würde, sich ins Auto zu setzen Auch weil ich das Auto "nur" für Kaffe nicht von seinem tagelangen Schlaf auf dem Parkplatz wecken will.
Zum Glück gibt es Tchibo um die Ecke. Auch da durfte ich feststellen, dass ich meine eigene Dose mitbringen kann. Die Kaffeebohnen werden aus großen luft- und lichtdurchlässigen Spendern in eine Schütte gefüllt und anschließend gewogen. Dann werden sie in meine luft- und lichtundurchlässige Dose gefüllt. Sie hat einen Vakuumverschluss und zusätzlich einen Deckel mit luftdicht verschließender Gummierung. Finde den Fehler! Ich bin sehr gespannt, wie der Kaffee schmecken wird. Ich bin mir sicher, dass mein Kaffeeröster beim Kauf einen Knacks im Herzen gespürt haben wird. Ich verspreche, ich komme das nächste mal wieder zu dir, wo man Kaffee so behandelt, wie er es verdient hat. Ich gelobe, meinen Kaffeegenuss künftig besser zu planen, so dass mich die letzte Autofahrt vor dem Mahlen der letzten Bohne zu dir führen wird. Ich bin ein Banause! Immerhin weiß ich, ihn richtig zuzubereiten, und immerhin war dieser Tag dadurch auch müllfrei.


Dienstag, 18. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XVIII

Tomaten & Co. warten auf den "Freigang"
Dieses Jahr möchte ich unter die Gärtner gehen. Ich habe mir extra ein Buch über Urban Gardening gekauft. Was völlig sinnlos war: Nach der Lektüre musste ich feststellen, dass auch der urbane Gärtner mit Erde, Wasser und Dünger arbeitet. Sei's drum. 
Mitte März hatte ich in einer Anzuchtstation die ersten Samen gesäht (oder Saaten gesamt?). Um kein Plastik für mich produzieren zu lassen, hatte ich in unserer lokalen Free-Your-Stuff-Gruppe nach einer gefragt und sie auch rasch bekommen (Ganz toll, sogar mit jede Menge Saatgut dabei). 
Mittlerweile sind die Bohnen schon draußen. Für sie hatte ich gestern in der Gruppe aus gleichen Motiven gefragt, ob jemand Rankgitter hat. Auch das hat geklappt (Ganz toll, sogar mit zwei Ostereiern dran). 
Jungpflanzen werden an Rankgitter und -spiralen herangeführt
Meine Tomaten habe ich inzwischen schon umgetopft. Sie wachsen super. Auch sie brauchen Spiralen, an denen sie hochwachsen können. Ich hatte nach welchen gefragt. Ich habe auch sie heute abholen können (Ganz toll, sogar insgesamt sechs Stück). 
Da Tomaten nicht nass werden dürfen, weil sie sonst Braunfäule bekommen (Krass, wie schaffen es Tomaten ohne Menschen zu überleben. Das ist ja fast wie bei Goldfischen. Die überleben auch ohne Menschen nicht in ihrem Aquarium, wie ich als Kind feststellen musste. Ich vermisse dich, Goldie! Tut mir leid, Mann!), habe ich ihnen ein Gewächshaus gebaut, aus alten Folienresten, alten Vierkanthölzern und neuen Nägeln. Vollkommen ohne neues Plastik und voller Recycling! Das war vor gut vier Wochen. 

Selbstgebautes Gewächshaus kurz vor der Fertigstellung
Heute komme ich nachhause und wundere mich beim Blick aus dem Fenster, dass meine Dachterrasse irgendwie verändert wirkt. Mein Gewächshaus lag in der Mitte und auf dem Rücken. Heute Morgen stand es noch, und zwar am Rand und auf seiner Unterseite. Es scheint, als sei es nicht so clever gewesen, die Folie nicht auch unten festzunageln und dem gewütet habenden Sturm Angriffsfläche zu geben. Ob ich verärgert bin? Erstaunlicherweise nicht! Meine Holzkonstruktion hat es unbeschadet überstanden. Ein Zeugnis meiner handwerklichen Fähigkeiten, das für mich und alle anderen Menschen, dich mich kennen, total überraschend kommt. Immerhin hatte ich gut fünf Stunden gebraucht, diesen einfachen Kasten von 100 cm x 150 cm x 200 cm zu bauen, und ich fiel  
Selbstgebautes Gewächshaus kurz nach dem Sturm
sogar einmal von dem Gartenstuhl (Arbeitsschutz!) herunter, auf dem ich stand, um die oben befindlichen Hölzer zusammenzuschrauben, da sich meine Birkenstocksandalen (Arbeitsschutz!) mit dem Handlauf verhakt hatten. Zum Glück war ich in die Lücke zwischen Kappsäge und Zuschnittresten gefallen (Arbeits ... ach, ihr wisst schon!) und blieb unverletzt. Auch deshalb bin ich nicht verärgert, weil es zu einem so frühen Zeitpunkt den Sturmtest nicht bestanden hatte. Selbst wie ein Sturm gewütet hätte ich mit Sicherheit, wenn die Tomaten schon drinnen gewesen wären, als der Sturm zugeschlagen hätte. Dann wäre vermutlich das tägliche, liebevolle Umsorgen meiner Pflanzen für den Eimer gewesen.
In den nächsten Tagen frage ich dann mal nach weiteren Folienresten. Dir gebe ich's, Sturm!

Montag, 17. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XVII

Man sollte nicht die Macht unterschätzen, die der "Zwang" täglich etwas während der Teilnahme bei "Das Experiment Gelber Sack" im Blog zu schreiben, auf einen ausübt. Natürlich könnte ich täglich davon berichten, was ich wieder tolles Plastikfreies in der Küche zubereitet habe
"Oh, der Arnold, wie aufregend, da hat er ja schon wieder Gemüse vom Markt in die Pfanne gehauen, dieser ökologische Tausendsassa, dieses Prachtstück fleischgewordener Kreativität!"
Ja, es gab wieder plastikfreies Frühstück (selbstgemachtes Sojajoghurt mit selbstgemachter Marmelade), plastikfreies Mittagessen (selbstgemachte Kichererbsen-Frikadellen mit selbstgemachtem Salat vom Markt) und plastikfreies Abendessen (selbstgemachtes Brot, selbstgemachter Aufstrich, bla bla bla). 
Hier jetzt im Blog etwas selbstgemachte Abwechselung: Heute hat es draußen geschneit, und da ich mich weigere, im April in T-Shirt im Schnee zu tollen (Ja, ich weigere mich, mitten im Frühling eine Schneehose und mein Thermohemd anzuziehen), dachte ich mir: "Putzen geht immer!"

Plastic Force One
Als ich in die neue Wohnung gezogen war, brauchte ich auch neues Putzgerät. Erst hatte ich versucht, über eine Free-your-Stuff-Gruppe Besen und Wischer zu bekommen. Das dauerte jedoch lange und blieb ohne Ergebnis, so dass die Wollmäuse bereits herumstreunende Katzen anzuziehen begonnen hatten, und da ich mal gehört habe, dass sich Katzen nachts heimlich auf dein Gesicht setzen, was der Grund für den schlechten Geschmack, den man morgens auf der Zunge hat, ist entschied ich mich doch für einen Neukauf. Die Wahl lag zwischen dem Erwerb mehrerer Geräte in Holz und Metall oder einem Multifunktionsgerät für alles (Teleskopstange mit Besen, Wischer sowie "Winkelbesen" für die Spinnweben in den gefühlt in sieben Meter Höhe befindlichen Ecken meiner Altbauwohnung), das jedoch Plastikteile hat. Nach Abwägen des Für und Wider entschied ich mich für Plastik. Besser ein Gerät produzieren lassen als viele? Bessere Energiebilanz? Wer weiß? Wahrscheinlich! 
Jedenfalls habe ich heute gefegt und geputzt. Gefegt mit dem Besen, geputzt mit dem Wischer nebst meinem selbstgemachten Wunderputzmittel. Das Rezept ist etwas tricky. Man benötigt einen Putzeimer (in meinem Fall einen alten Plastikeimer aus einer Bäckerei, den ich dazu wiederbenutze), einen Wasserhahn nebst Anschluss an die örtliche Wasserversorgung. Nun muss man aufpassen! Den Eimer muss man genau unter den Wasserhahn stellen, den Regler dann auf Rot stellen und den Wasserlauf aufdrehen, bis der Eimer voll ist. Ferdisch! 
"Waaas? Der Arnold putzt mit Wasser. Er kocht also auch nur mit Wasser?" Rischdisch!
Vor einiger Zeit habe ich noch Reiniger aus Kernseife und Soda selbstgemacht, später dann nur noch Essigwasser genommen. Seit einem interessanten Gespräch während des gestrigen Abendessens habe ich mich entschieden, ab heute nur noch mit Wasser zu wischen. Warum? Weil es keinen Sinn macht, fett- und kalklösende Mittel an einem Ort einzusetzen, der weder Fett noch Kalk führt. Straßendreck muss weg. Dazu reicht heißes Wasser. Und die Bakterien? Das Sprichwort "Dort ist es so sauber, dass man vom Boden essen kann", ist mit Sicherheit eine Erfindung von der Reinigungsmittelindustrie, denn ich habe noch nie in meinem Leben Menschen erlebt, die vom Boden aßen. Ist auch nicht empfehlenswert, immerhin ist die "Drei-Sekunden-Regel" Nonsens! Ich werde auch weiterhin mit Wasser wischen und vom Teller essen. 
Wir lesen uns morgen, wenn ich wieder ruhigen Gewissens aus der Küche berichten kann ;-)

Sonntag, 16. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XVI

Heute war ich bestens vorbereitet! Nach der überraschenden Misere an Karfreitag konnte mir der heutige Ostersonntag nichts anhaben. Ich hatte ja nicht nur gestern Gelegenheit einzukaufen, sondern auch noch die Zeit genutzt, um meine Vorräte aufzufrischen. Nach meinem Frühstück mit selbstgemachtem Brot, eigenem Aufstrich, Gemüse und Sprossen gab es Gegrilltes bei meinen Eltern, genauer: Meine marinierten Saitansteaks, Kartoffeln (vom Grill) und Frankfurter Grüner Soße. Abends ging es ebenso abwechslungsreich weiter. Ich hatte ich mich mit einer Freundin bei mir zum Essen verabredet, zu ... Kartoffeln (aus der Heißluft-Fritteuse) und ... Frankfurter Grüner Soße. 

Von meinen Saitansteaks war auch noch etwas vom Grillen übrig, so dass ich auch Ostermontag noch etwas zu essen haben werde. Kartoffeln habe ich noch, leider keine Kräuter mehr für Frankfurter Grüne Soße, aber es muss ja nicht jeden Tag so variantenreich sein. 
zurück zu Saitan: Meine Veggi-Steaks hatte ich ja in meiner Blechdose mitgebracht. Meine Mama hat sie natürlich gespült, bevor sie meine restlichen Steaks wieder herein getan hat. Zur Sicherheit, damit ich die Dose nicht noch einmal spülen muss, hat sie meine Reste verpackt, bevor sie sie in die Verpackung getan hat. Immerhin ist es nur silikonbeschichtetes Backapier. Ich werde sie einfach neben meine eigene Permanentfolie aus Silikon legen. Vielleicht freunden sie sich ja an. Wie überrascht ich war. Tja, es passt ja auch ein wenig zum heutigen Feiertag, an Jesus Grab herrschte ja auch einiges an Überraschung. Nur dass da halt was fehlte, was hätte da sein sollen.  Frohe Ostern weiterhin!

Samstag, 15. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XV

Glas- und Plastikmüll von 15 Tagen
Heute war formell Halbzeit bei meiner Teilnahme an "Das Experiment Gelber Sack". Deshalb habe ich es krachen lassen und Müll gemacht. Nicht nur, dass ich die Rotweinflasche, die ich vor Wochen geöffnet hatte, endlich zum Müll tun kann, ich habe auch noch das gestern begonnene Pestoglas zusammen mit einer Freundin geleert. Und um das virtuelle Partyhütchen mit den Luftschlangen richtig wirbeln zu lassen, habe ich auch was für den gelben Sack produziert. Party at the waste maker's studio!


Dieser Samstag war mein Küchentag. Ich habe zunächst gestern eingeweichte Sojabohnen gekocht und daraus Sojamilch gemacht. Dann habe ich Auberginen mit Zwiebeln und Knoblauch in der Pfanne angebraten (Ja, ich war auf dem Markt. Yipee!) und mit Rotwein abgelöscht (Müll No. 1).
Ausbeute von fünf Stunden Küchenarbeit
Aus der einen Hälfte wurde zusammen mit dem Rest Pesto (Kein Müll, da Wiederbenutzung) und innovativ gar gezogenen Spirelli ein Mittagessen für meinen Gast und mich, die andere verarbeitete ich mittels Rührstab zusammen mit dem Okara und Gewürzen zu fünf Gläsern Brotaufstrich, die ich, während ein Sauerteigbrot am Backen war, auf dem Boden des Ofens in einer Wasserschale einmachte. Da wir nicht eine Stunde lang in die Röhre schauen wollten, machten wir noch Seitan-Sojagries-Schnitzel und marinierten sie mit einer Espresso-Chili-Mischung. Die kommen morgen neben Elterns Osterlamm auf die Seite des Grills, an der anti-carnistischer Pazifismus dominiert. Die Restwärme des Ofens nutzte ich, um aus der Sojamilch für Morgenabend, wenn mich eine weitere Freundin besucht, Joghurt (Fermenttütchen = Müll No. 2) zu machen, denn es wird Frankfurter Grüne Soße und Kartoffeln geben.
Die "echten" Feiertage können kommen :)


Da versteckt sich das Pestoglas bis zur erneuten Nutzung!

Freitag, 14. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XIV

Garziehen auf dem Holztisch!
Karfreitag! Wie hätte ich damit rechnen können, dass die Geschäfte zu haben? Warum haben Tankstellen kein Gemüse? Warum habe ich gestern nichts eingekauft? Oder besser: Warum musste ich all mein restliches Gemüse gestern essen?
All das sind Fragen, die ich heute hätte beantworten können. Tat ich aber nicht, denn meine Energie war darauf gerichtet, die Frage zu beantworten, was ich essen soll. 

Das ist so ein wenig wie diese Frage, die jede Veganerin und jeder Veganer in seinem Leben schon einmal gestellt bekommen hat:
"Wenn du auf einer einsamen Insel leben müsstest, dann würdest du doch auch Fisch essen, um nicht zu verhungern, oder?"
Unerfahrene würde dann antworten, dass sie dann wohl Fisch essen müssten, um nicht zu verhungern.
Ein erfahrener Pflanzenesser wie ich antwortet natürlich: "Nein, denn ich gehe einfach zurück zu dem Bungalow, den ich auf der Insel bewohne. Das ist der, an den der Shop für veganes Surfboard-Wachs angeschlossen ist, von dessen Einnahmen ich in diesem Paradies für Wellenreiter mit meiner Familie lebe. Dort zaubere ich mir und meiner Frau aus unseren Vorräten ein leckeres veganes Gericht, während die Kinder am Strand die frisch geschlüpften Schildkrötenbabies auf ihrem Weg zum Meer vor den Raubvögeln schützen."
Die Schildkrötenbabies sind dann immer das Totschlagargument. Gegen Veganer argumentieren, das geht. Doch gegen Schildkrötenbabies, die so drollig und schutzlos über den Strand watscheln, gegen die sagt einfach nie jemand was.

Zurück zu meinem Dilemma! Zum Glück hatte ich noch ein Glas Pesto und auch noch Nudeln (in der Papierpackung). Diesen Glasmüll werde ich heute produzieren, war mir klar, und ich würde es gerne tun. Schließlich müsste ich sonst verhungern. Vielleicht würden Schildkrötenbabies verletzt!
Damit der produzierte Müll, der wohl morgen anfallen wird, da das Glas noch halbvoll ist, nicht mein einziges Thema ist, über das ich berichten kann, habe ich einen [O-Ton meiner Tochter mit zwei geretteten Babyschildkröten im Arm] "Life-Hack" getestet. 
Nudelwasser mit dem Wasserkocher erhitzen, um Energie zu sparen? Ein alter Hut! Die Herdplatte ausschalten, sobald das Wasser kocht, und nur noch die Restenergie nutzen? Ein modern geschnittener, aber auch ein etwa angestaubter Hut. Ich habe meine Nudeln einfach im Topf mit dem Wasser aus dem Wassererhitzer übergossen, den Deckel geschlossen und gewartet, was passiert. Nach 13 Minuten waren die Vollkornnudeln al dente. Und das obwohl sie nicht auf dem Herd standen. Um die Hutmetapher weiter zu bedienen: Krasses Surfer-Beanie! Mit der Energieersparnis rette ich aber einige Schildkrötenbabies.

Donnerstag, 13. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XIII

Mitgedacht
Tag 13, und ich habe aufgegeben. Na ja, richtig aufgegeben natürlich ist. Aufgegeben habe ich jedoch das seit einem halben Jahr laufende Experiment, ein Spülmaschinenpulver zu kreieren, das halbwegs akzeptable Ergebnisse liefert. Nachdem meine Gäste gestern weg waren, wurde eine Ladung in der Maschine fällig. Ich habe in der Vergangenheit alles probiert. Von lange zurückliegenden Experimenten mit Seife in der Maschine, von denen ich stark abraten möchte, bis hin zu sehr ausgereiften Mischungen aus Natron, Soda, Zitronensäure und Kochsalz. Ein wirklich gutes Ergebnis brachte nicht eines dieser Mischungen. Hat jemand eine Idee, wie man ein gekauftes Pulver ersetzt und Geschirr zum Ergebnis hat, dessen Glasbestandteile sich nicht in Milchglas verwandeln und dessen Porzellan sich nicht anfühlt als sei es mit Sand abgeschmirgelt worden. Dazu kommen Wasserflecken auf allen Gläsern und Teile, die einfach nicht sauber werden. Ich bin jetzt erst einmal wieder zurückgekehrt zu Tabs mit wasserlöslicher Folie. Zugegeben, ein unüberlegter Schnellkauf. Pulver in der Pappschachtel wäre ohne Folie ausgekommen und mit Sicherheit auch günstiger gewesen. Ich konnte es aber nicht abwarten. Der Luxus sauberen Geschirrs und von Gläsern, durch die ich sogar durchschauen kann, war einfach zu verlockend.

Das Positive des heutigen Tages: Zwar benutze ich keine Stahlschwämme oder "Abrazzo" für meine Topfe, sondern Natron zum säubern angebrannter Reste, doch ich wollte wissen, ob Kochsalz genauso funktioniert. Von meiner Wurzelgemüsesuppe, die ich gestern gemacht hatte, waren Reste am Boden des Topf festgebrannt. Mit dem Spültuch gingen sie nicht ab. Normalerweise hätte ich Natron mit etwas Wasser als Scheuerpaste verwandt. Dieses Mal nutzte ich ein leicht angefeuchtetes Tuch und gab einen gehäuften Teelöffel Kochsalz in den Topf. Die angebrannten Reste ließen sich nicht minder gut wegscheuern, als hätte ich Natron genommen. Natron kostet ca. 59 Cent, Kochsalz: ca. 39 Cent pro 100 Gramm. Ich kann also fortan meine Töpfe einen Cent günstiger von Brandresten befreien. Davon werde ich eine Woche Urlaub in der Rhön machen. Nur noch 34.499 Töpfe, und ich habe alles zusammen. Es wird wohl das Jahr 3294 werden, 10. September. Vielleicht sieht man sich ja.

vorher
nachher

Mittwoch, 12. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XII

Heute stand mein Geburtstag an, was eine besondere Herausforderung mit sich brachte. Wie kann ich dem Geschenkpapier entgehen? Die Lösung kam schnell: Ich bat meine Gäste, überhaupt keine Geschenke mitzubringen und stattdessen etwas zu essen für die Feier, natürlich plastikfrei. Zwei Fliegen mit einer Klappe: Kein Müll und keine Arbeit in der Küche. 
Es war die erste Geburtstagsfeier, zu der ich anschließend überhaupt keinen Müll zu entsorgen hatte. Bis auf einen Nudelsalat brachten meine Gäste zwar ausschließlich Kuchen und Bier mit, aber was wäre eine Geburtstagsfeier ohne Überraschungen? Besonders über eines habe ich mich gefreut: Ich bekam ein Glas voller Schokoladenstücke geschenkt - toll, dass auch meine Freunde im Blog lesen :)

Dienstag, 11. April 2017

Das Experiment Gelber Sack XI

Manchmal hilft nur ein Wunschzettel
Heute war der zweite Arbeitstag nach meinem Urlaubsende. Echt hart! Zwischendurch hatte ich an beiden Tagen Hunger auf Schokolade, habe sie mir jedoch verkniffen, um insbesondere die Folie zu sparen. Stattdessen aß ich Obst. 15 Portionen. Mindestens. Ohne dass die Lust auf Schokolade auch nur ansatzweise schwächer geworden wäre. Morgen muss ich unbedingt mal in unser Schokoladenhaus in Friedberg. Bestimmt gibt es dort Bruchschokolade aus der Herstellung, die ich umverpackungsfrei mitnehmen kann. Ich hoffe es, denn noch ein einziger weiterer Tag, und ich werde Jagd auf Schokoladenhasen in sämtlichen Supermärkten machen, die ich finde.

Es blubbert!
Gestern Abend machte ich mein zweites Sauerteigbrot. Das Experiment war es, herauszufinden, ob der Sauerteig auch ungekühlt weiterlebt, ohne umzukippen. Seit letzter Woche Montag steht er in meiner Küche, außerhalb des Kühlschranks. Täglich gab ich ca. 15 Gramm Mehl und 15 ml Wasser hinzu, so dass am Ende der Woche in etwa die 200 Gramm, die ich für das neue Brot entnehmen würde, wieder hinzugekommen waren. Für das Brot nahm ich 100 Gramm frisch gemahlenes Dinkelmehl und 200 Gramm einer Sechskornmischung sowie 1 TL Zucker und 2 TL Salz. Zusammen mit dem Sauerteig geknetet und zu einer Kugel geformt, kam der Brotlaib dann in den Ofen, wo er bei eingeschalteter Lampe bei ca. 30 Grad aufging. Er ließ sich allerdings
Lecker Brot!
Zeit. Ca. vier Stunden ließ er auf sich warten, bis sein Volumen verdoppelt war. Egal, war ja ohnehin mit feiern beschäftigt - im Übrigen bin ich ein echt miserabler Trinker; es ist immer noch ein Glas Rotwein in der Flasche, was bedeutet, dass ich noch immer keinen Glasmüll produziert habe. Um kurz nach elf war mein zweites Brot dann fertig, und, wie ich heute morgen feststellen durfte, war es richtig lecker.
Mittags gab es Frischkornbrei, gestern Abend Salat vom Markt und heute Abend Essen bei meinen Eltern. Zwei plastik- und restmüllfreie erste Arbeitstage.
Da ich kurz vor dem Halbzeitstand bin, habe ich in meiner Kolumne einen kleinen Zwischenstand gezogen. Lest gerne bei der Wetterauer Zeitung rein.

Montag, 10. April 2017

Das Experiment Gelber Sack X

Das fallen wenigstens zwei Aufstriche ab
Seit Beginn meiner Teilnahme an "Das Experiment Gelber Sack" habe ich zwar recht wenig Plastikmüll produziert - das war nicht weiter überraschend -, doch was mich freut, ist, dass ich seitdem auch keinen Einweg-Glasmüll produziert habe. Zweimal habe ich mir nun schon Brotaufstriche selbst bereitet. Wie ich das gemacht habe? Ich habe eine Handvoll von dem Gemüse, das ich mir jeweils zum Mittag- oder Abendessen in der Pfanne zubereitet hatte, zusammen mit Sonnenblumenkernen, Cashews oder Kürbiskernen und etwas Wasser im Mixer püriert. Würzig abgeschmeckt kam es dann in unverschlossenen Gläsern für zwanzig Minuten zum Haltbarmachen in den Ofen, während ich gleichzeitig Brot backte (Keine Energie verschwenden!). Etwas experimentiert hatte ich: Bevor ich die Deckel schloss, hatte ich das eine Mal eine Schicht Öl auf den Aufstrich gegeben, das andere mal nicht. Mein Fazit: Die Gläser ohne Öl beginnen zu gären. Das tat dem Geschmack keinen Abbruch. Das letzte der drei Ohne-Gläser mengte ich allerdings letztlich komplett unter eine Nudel-Gemüse-Pfanne. Ich wollte nicht Gefahr laufen, es doch wegwerfen zu müssen. Ab morgen Früh ist ein Aufstrich aus Aubergine, Zucchini und Cashew auf dem Speiseplan. Mit Lein-Öl-Topping. Bestimmt lecker!

Öffnen und rein in die Wanne!
Heute Abend werde ich feiern, zehn Tage lang keinen Einweg-Glasmüll produziert zu haben. Dazu werde ich die Flasche Rotwein, an der ich seit gefühlt zwei Monaten trinke, in der Badewanne leeren ("in der", nicht "in die"). Vielleicht werde ich sogar zehn Kerzen dazu anzünden. In der Flasche werde ich einen winzigen Rest lassen, den ich erst morgen Früh trinke (Na und?). Täte ich es nicht, fiele der Einweg-Glasmüll schon heute an, und der Grund zu feiern fiele nachträglich weg. Dann wäre es jedoch bereits zu spät, denn dann hätte ich bereits gefeiert, was gar nicht zu feiern gewesen wäre. Diesem Paradoxon möchte ich entgehen, denn ohne Doc Browns Hilfe fürchte ich ansonsten ernste Konsequenzen für das Raum-Zeit-Kontinuum. Prost!